Worms
Das Wormser: Gitarrist Claus Boesser-Ferrari huldigt Jimi Hendrix
Der Moment, in dem Claus Boesser-Ferrari die Lippen spitzte, über die Saiten seiner akustischen Gitarre etwas Luft blies und das sensible Instrument geräuschvoll zu vibrieren begann, erinnerte an Jimi Hendrix. Der war dafür berühmt, mit den Zähnen an den Saiten seiner E-Gitarre zu knabbern. Ende der 1960er-Jahre revolutionierte er das Spiel auf der E-Gitarre und etablierte ein neues Denken darüber. Als Hommage an Jimi Hendrix nahm Claus Boesser-Ferrari, der zu den profiliertesten Gitarrenvirtuosen in der Region zählt, vor drei Jahren das Album „The Wind cries Mary“ mit auf das akustische Wesen reduzierten Hendrix-Stücken auf. Im oberen Foyer des Kulturzentrums Das Wormser brachte er seine hypnotischen Song-Deutungen zu Gehör, auf Einladung der Jazz-Initiative Blue Nite. Die Besucher erlebten ein magisches Solo-Konzert von schwebender Leichtigkeit.
In Gedanken versunken hing Boesser-Ferrari über seiner Akustikgitarre, um Hendrix-Songs wie „All along the Watchtower“, „Third Stone from the Sun“, „Little Wing“ und „Hey Joe“ instrumental zum Besten zu geben. Musikalisch verfremdet, weshalb man nicht immer gleich die Urversion herauszuhören vermochte. Boesser-Ferrari kann sich genau daran erinnern, wann ihm Hendrix das erste Mal begegnete: Als Jugendlicher saß er vor dem heimischen Fernsehgerät und war staunender Zeuge des legendären TV-Auftritts von Jimi Hendrix 1967 in der Jugendmusiksendung „Beat Club“. „Ich war geschockt und fasziniert. Meine Mutter war nur geschockt. Sie sah darin den Untergang des Abendlandes“, blickte der 71-Jährige amüsiert zurück. Außerdem leistete „Sie wünschen – Wir spielen“ einen nicht unwichtigen Beitrag zur musikalischen Sozialisation Boesser-Ferraris. „Kann sich jemand an diese Radio-Sendung erinnern?“, erkundigte er sich bei seinem Publikum. Viele ältere Besucher nickten wissend, ein nostalgisch-seliges „Ahhh!“ ging durch die Stuhlreihen.
Worms seit langer Zeit verbunden
Seit 2001 ist Gitarren-Guru Claus Boesser-Ferrari mit dem Veranstaltungsteam des Vereins Blue Nite eng verbunden. Vor 23 Jahren trat der Musiker das erste Mal unter dem Label Blue Nite auf, im Café Schmitz am Weckerlingplatz, das heute den Namen Ambiente trägt. Das jüngste Akustikkonzert im Das Wormser von Boesser-Ferrari, der in Laudenbach an der Bergstraße lebt und sich der Mannheimer Musikszene seit vielen Jahrzehnten zugehörig fühlt, klang hallend und sphärisch. Vereinzelt hörten sich die unangestrengt gezupften Noten und Akkorde an wie klirrendes Glas, das auf dem Boden zerspringt. Mit ungewöhnlichen Methoden lotete er das gesamte Klangspektrum seiner doppelten Akustikgitarre aus. Auf diese Weise huldigte der 71-Jährige, der im März in Japan spielen wird, seinem Idol Jimi Hendrix, der 1970 im Alter von nur 27 Jahren Opfer seiner Drogensucht wurde.
Claus Boesser-Ferrari intonierte auch das wenig bekannte Beatles-Stück „Sun King“ sowie eine Liebesmelodie aus dem Abenteuerfilm „Winnetou“, die Jazz-Nummer „Canon“ von Charles Mingus, den Song „Lost and Found“ von Fred Frith und ein japanisches Sauflied. Sobald er eine Gitarre in die Hände nimmt, kommt sein innovatives Spiel darauf einem zärtlichen Streicheln gleich. Genauso ist der fingerfertige Mann in der Lage, schnarrende, kratzende und pluckernde Geräusche zu erzeugen, bei Klangexperimenten mit hoher Erfindungsgabe.