Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Das Wichtigste ist der Spaß: Tik-Tok-Star Louis Philippson erntet im BASF-Feierabendhaus Beifallsstürme

Ein Phänomen: Louis Philippson in Ludwigshafen.
Ein Phänomen: Louis Philippson in Ludwigshafen.

Das Konzept des 22-Jährigen geht voll auf – nur in einem Punkt vielleicht nicht ganz.

Dieser Abend im Festsaal des Feierabendhauses ist so ziemlich alles außer gewöhnlich: Da betritt mit Louis Philippson ein gerade einmal 22-jähriger Klassik-Influencer, bekannt vor allem durch „Tik-Tok“ und andere Plattformen, die Bühne, um das erst fünfte Klavier-Konzert seiner ersten eigenen Tournee zu geben. Und spielt trotzdem nicht nur vor restlos ausverkauftem Haus, sondern reißt die rund 1200 Zuhörer am Schluss auch noch zu minutenlangen Standing Ovations hin.

Unter dem Motto „Klassik für alle“ präsentiert der gebürtige Berliner ebenso souverän wie locker nicht allein Werke von Komponisten wie Frédéric Chopin und Claude Debussy, sondern außerdem eigene Arrangements bekannter Stücke, verschiedene Filmmusiken und nicht zuletzt bemerkenswerte Eigen-Kompositionen.

Musik für die „Generation Z“ – doch die blieb an diesem Abend in der Minderheit

Angesichts der Zusammensetzung des Publikums an diesem Mittwoch scheint der Erfolg von Philippsons selbsterklärtem Konzept jedoch nicht garantiert. Denn ungefähr 90 Prozent der Besucher gehören nicht der „Generation Z“ an, also der Gruppe der 13- bis 28-Jährigen, die der Musiker nach eigenen Angaben vor allem für (klassische) Musik begeistern will. Hunderttausende „Follower“ hat Philippson bei den „Youtube“ und „Tik-Tok“. Doch das ist eben nur ein Teil der Geschichte.

Louis Philippson, 2003 in Berlin geboren, aber in Mülheim an der Ruhr aufgewachsen, hat eine klassische Klavier-Ausbildung genossen. Bereits mit acht Jahren wurde er Jungstudent an der Musikhochschule Düsseldorf, obwohl seine Eltern und Geschwister keine Musiker sind, wie er auf der Bühne des Feierabendhauses selbst feststellte. Das Musik-Gen-Klischee erfüllt er also nicht.

Der Pianist kann was

Sein Klavierstudium habe er gewissenhaft betrieben, sagt er selbst – und die sehr hohe Qualität seine Darbietung etwa der Ballade Nr. 1 von Chopin oder von „Claire de Lune“ von Debussy bestätigt das an diesem Abend. Und auch Stücke zur Verbesserung der Fingerfertigkeit wie den „Hummelflug“ und den „Flohwalzer“ spielte Philippson in atemberaubendem Tempo. Aber, typisch für ihn, in Versionen, die er „spannend“ findet.

Das wichtigste Kriterium für sein Klavierspiel, so betont es der 22-Jährige in seinen Videos und auch in Ludwigshafen, ist der Spaß. Er spiele wirklich nur das, was ihm selbst Freude mache. Das können auch eigene Arrangements von Klassikern wie Beethovens „Für Elise“ sein. Oder eben Eigenkompositionen wie „Paulette“ oder „Memories of the Moldau“ (nach der „Moldau“ von Smetana), zwei Stücke von seiner ersten, im Februar erschienenen CD „Exposition“. Und mit „My Way“ hat Philippson im September bereits sein zweites Album herausgebracht, das er zusammen mit dem MDR-Sinfonieorchester Leipzig einspielte.

Unperfekt und damit authentisch

Auf die Bühne des Feierabendhauses ist der Pianist auch nicht alleine gekommen. Angekündigt war ein Ensemble, das Philippson dem Ludwigshafener Publikum dann als „Berlin Chamber Collective“ vorstellte. Vier junge Musiker, die ein kongeniales Streichquartett bilden und auch solistisch überzeugen. Toll ist etwa das Zusammenspiel der fünf Künstler bei „Elise’s Dream“, einer eigenen Komposition nach Beethovens Bagatelle. Daneben hat er „Für Elise“ auch neu arrangiert, was als „Elise Variation“ ebenfalls auf seiner zweiten CD zu finden ist. Philippson kommt auch deshalb so authentisch rüber, weil er offenherzig etwas zugibt, das ihn menschlich und eben nicht perfekt erscheinen lässt: „Ich kannte Hans Zimmer vor zwei Jahren noch nicht“, sagt er. Inzwischen kenne er jedoch nicht nur dessen Werke, sondern den erfolgreichen Filmkomponisten auch persönlich. „Ich nenne ihn Hansi“, lässt der Pianist wissen. Und der Konzertbesucher ist geneigt, ihm das abzunehmen.

Bei Zimmers „Cornfield Chase“ aus dem Film „Interstellar“ beweist Philippson, dass er trotz seiner Jugend schon sehr viel Ausdruck in sein Spiel zu legen vermag. Zumal der in Hollywood gefragte Komponist das Stück für Orgel geschrieben hat. Und auch eine Nummer der Rockband AC/DC hat der 22-Jährige im Repertoire, der in der ersten Konzerthälfte in einem roten Lederanzug und in Teil zwei in einer schwarzen Lederkombi spielt.

Optisch erinnert Philippson an den jungen Michael Jackson. Was seine Virtuosität und seinen Einfallsreichtum angeht, kommt einem Mozart in den Sinn. Selbst sieht er sich in der Nachfolge von Chopin und Liszt – mit Blick auf deren ebenso rebellische wie genialische Auftritte. So oder so: Louis Philippson live ist ein Erlebnis, von dem man kaum genug bekommen kann. Erst nach zwei Zugaben ließ das Publikum ihn von der Bühne.

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