Frankenthal
„Das Bett ist mein Lieblingsthema“: Interview mit der Autorin und Schauspielerin Elena Uhlig
Mein eigener Familienumzug war ein einziges Chaos. Sie zogen mit Kind und Kegel von Österreich nach München und schrieben darüber eine literarische Umzugskomödie, aus der Sie in Frankenthal lesen werden. Habe ich was falsch gemacht?
Das weiß ich jetzt natürlich nicht. Wir haben jedenfalls ein Land mit vier Kindern gewechselt. Da geht viel einher, angefangen von Behörden-Rennerei. Egal, wie doll man alles plant, vieles geht einfach schief. Ein Umzug hat aber auch seine komischen Momente. Man muss eben die Komödie in sich selbst zulassen. Und alles nicht so ernst nehmen. Dann hat ein Umzug auch völlig absurde Seiten. Das habe ich aufgeschrieben. Wobei mein neuestes Buch „Doch, das passt, ich hab“s ausgemessen! Eine Frau weiß, wenn sie recht hat“ auch viel von Beziehungen handelt.
Was erwartet uns in Frankenthal?
Vorgesehen war eigentlich eine Lesung aus „Doch, das passt“. Ich plane aber nun ein kleines Potpourri, in dem außerdem „Mein Gewicht und ich“ und „Qualle vor Malle“ vorkommen. Als kleine Entschädigung für die Zuhörer. Wegen Corona ist ja vieles ausgefallen.
Stichwort Corona. Die Pandemie hat Sie kreativ gemacht. Im Stillstand erfanden Sie ein witziges Format, das mit Toiletten arbeitet …
Sie meinen „Uhligs stilles Örtchen“, bei dem ich auf dem Klo mit Promis quatsche. So schlimm die Krise war beziehungsweise ist, hat sie für mich auch etwas Positives. Erst war man wie gelähmt. Wir saßen plötzlich zuhause und alles stand still. Wenn ein Instrument nicht gespielt wird, rostet es ein. So geht es auch uns Künstlern. In diesem Beruf muss man die Menschen unterhalten, gerade in schwierigen Zeiten. Mein Sinnbild dafür ist die Kapelle in „Titanic“. Die, während das Schiff untergeht, musiziert. Die versucht, den Leuten irgendwie Halt zu geben. Daher hab ich probiert, das Beste aus der Situation zu machen, und hab einfach weitergemacht. Zum Beispiel auf dem stillen Örtchen.
Das Klo ist ein Tabu-Raum. Sie haben ihn im Netz geöffnet als Begegnungsort. Wie kommt das an?
Ich glaube, sehr gut. Der Zuschauer sieht auch nicht alles. Ich finde, das ist ein besonderer Moment auf dem stillen Örtchen – für die Zuschauer, für meinen jeweiligen Gesprächsgast, der auch oft auf seinem Klo sitzt, und mich.
Es gibt einen zweiten sonst nicht öffentlichen Raum, den Sie für Ihre Leser öffnen: Das Schlafzimmer. Und schon sind wir wieder bei „Doch das passt“ – hier dreht sich ganz viel nicht nur um Umzüge, auch um das Familienbett in XXL, das Platz bietet für vier Kinder und zwei Eltern. Verraten Sie uns Ihre Bett-Philosophie?
Das Bett ist mein Lieblingsthema. Wie man sich bettet, so liegt man. Für viele ist die Bettenfrage leider nicht so zentral. Ich glaube, das Bett ist ein elementarer Punkt. Unsere Kinder dürfen bei uns mit schlafen. In der Energiekrise ist das auch ganz praktisch. Jeder Mensch gibt ja etwa 100 Watt Körperwärme ab.
Das ist ein tolle Tipp zum Energie sparen! Ihr Familienbett ist aber auch Treffpunkt für das Rudel …
Mein Mann und ich halten es so wie viele Kulturen. Kinder wollen nicht allein schlafen. Das tun wir als Paare ja auch nicht. Wir möchten unseren Kindern die Möglichkeit geben, solange sie wollen, zu uns ins Bett zu dürfen. Wir möchten ihnen Schutz und Geborgenheit geben.
In Ihrer Biographie „Mein Gewicht und ich: Eine Liebe in großen Portionen“ outen Sie sich als Gegnerin vom Schlankheitswahn und landeten auf der Liste der Bestseller vom Spiegel. Sehen Sie das positiv?
Einerseits ist es schön, auf der Liste zu stehen. Andererseits: Sobald es ums Gewicht geht, geht es ganz vielen Frauen schlecht. Das ist dramatisch. Dass das Buch auf die Liste kommt, weil so viele Frauen nicht so sein können, wie sie sind. Auf jeden Fall lebe ich jetzt viel freier, gucke nicht auf Kalorien oder Waage.
Bekommen Sie trotzdem Rollen, auch ohne Traumgröße?
Ja, die bekomme ich. Man muss mit dem Zwang zur Traumgröße brechen. Die gibt es eigentlich nicht. Ich finde es schrecklich, dass wir Frauen uns so fertig machen. Ist es ein Traum, nichts zu essen? Wenn Sie etwas essen, mögen Sie doch auch, dass Fett daran ist. Dann ist es saftig. So sehe ich es auch mit meinem Körper.
In bislang über 100 Filmen und Serien haben Sie gespielt. Sie sind in vielen Künstleragenturen gelistet. Was würden Sie heute in ihr Profil schreiben, wenn es nicht für eine Agentur gedacht ist, sondern für Ihre Fans – so in drei Schlagworten?
Oh Gott. (denkt nach) Humor, großes Herz und zuverlässig.
Der Humor zeichnet Ihre Bücher aus. In „Doch das passt“ schildern Sie fast schon groteske Tragödien, die von umständlichen Dienstleistern verursacht werden. Allein bei der Ummeldung von Telefonanschluss und Internet. Ist das ein deutsches Phänomen?
Das ist überall schlimm, fürchte ich. Besonders die Hotlines sind unerträglich, da kann man nichts schönreden. Am einfachsten ist es, wenn man es mit kleinen Firmen zu tun hat, wo die Manpower vor Ort ist.
Wenn Sie nicht gerade ihre Großfamilie managen oder schreiben, stehen Sie vor der Kamera. Was ist im Kasten, was steht an?
Im Kasten ist „Zimmer mit Stall“, das ich in Oberbayern für die ARD Degeto gedreht habe. Ich bin als Sophie für zwei neue Filme der Reihe für die Hauptdarstellerin Aglaia Szyszkowitz eingesprungen, die sich verletzt hatte. Die Folgen kommen nächstes Jahr ins Fernsehen. Und ansteht jetzt als nächstes eine Streaming-Serie für Amazon Prime. Sie heißt „Friedliche Weihnachten“. Darauf freue ich mich, eine tolle Komödie in sechs Teilen.
Wir wünschen Ihnen auch im Privaten friedliche und ruhige Weihnachten. Apropos ruhig: Während unseres Telefonats gab es Hintergrundgeräusche. Sind Sie schon wieder am umziehen oder auf dem stillen Örtchen?
(lacht) Nein, ich fahre gerade Straßenbahn, mit der Linie 16 zum Isartor in München.
Dann gute Fahrt!
Zur Person
Quelle ihrer mittlerweile drei Bücher, die spritzige Ratgeber mit Unterhaltungswert sind, ist Uhligs Familie. Seit 2006 lebt sie mit ihrem Schauspielkollegen Fritz Karl zusammen, das Paar hat vier Kinder zwischen vier und 15 Jahren. Die gebürtige Düsseldorferin dreht seit der Pandemie eigene Videos für Instagram in ihrem Badezimmer. Ihr berufliches Rüstzeug erwarb Uhlig an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Einem größeren Publikum bekannt wurde die heute 47-Jährige seit 2002 als Kommissarin Nina Metz in der Sat.1-Fernsehserie „Mit Herz und Handschellen“. Die produktive Schauspielerin zählt im Fernsehen zu den beliebtesten Schauspielerinnen und ist vor der Kamera sehr vielseitig. Meilensteine ihrer Karriere sind unter anderem Filmrollen in „Alles auf Zucker“, „Der Junge muss an die frische Luft“ oder „Klassentreffen“.
Zur Sache
Elena Uhlig liest am Samstag, 8. Oktober, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Frankenthal aus ihren Büchern. Die Besucher müssen einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Eintrittskarten zum Preis von zwölf Euro sind in der Stadtbücherei in der Welschgasse 11 zu den regulären Öffnungszeiten sowie direkt vor der Lesung erhältlich. Es gibt rund 100 Sitzplätze, wobei zum Redaktionsschluss am Dienstag, 4. Oktober bereits die Hälfte der Karten verkauft war. Telefonisch erreichbar ist die Bücherei unter 06233-89630 und per Mail über stadtbuecherei@frankenthal.de. (ous)