Frankenthal
Corona-Lockdown: Gastronomen in der Region fühlen sich „doppelt bestraft“
„Wir schließen jetzt vier Wochen und stehen dann im Januar wieder vor den gleichen Problemen. Was dann?“, fragt Dieter Ellenberg vom Restaurant Ellenbergs in Heßheim. Er glaubt, dass die falschen Maßnahmen getroffen worden seien. Selbst führende Virologen hätten sich ja gegen die Schließung der Gastronomie ausgesprochen. Die Branche habe schon immer auf Hygiene geachtet. Und: Die Nachverfolgung sei im Fall einer Infektion gewährleistet gewesen.
Am Wochenende habe man noch sehr gut zu tun. Ständig klingle das Telefon. „Alle wollen noch einmal essen gehen“, sagt Ellenberg. Das Dichtmachen der Gaststätten sei vor allem ärgerlich, weil der November einer der umsatzstärksten Monate im Jahr sei. Die Politik hätte sich nach Ellenbergs Ansicht mehr auf die Kontrolle der privaten Feiern konzentrieren sollen. Es sei versäumt worden, über den Sommer Konzepte zu entwickeln.
Ellenberg kann sich vorstellen, dass sich nun auch die Gerichte mit den neuen Verordnungen beschäftigen müssen, da Gastwirte klagten. Bei Ellenbergs seien nun schon alle Vorbereitungen für einen To-Go-Service getroffen. Die Karte sei bereits im Internet abrufbar. Seine Angestellten wolle er über den Monat halten, sagt der Restaurantchef. „Wir müssen den Gürtel nun ein wenig enger schnallen.“
Am Wochenende rappelvoll
Kai Hofheinz, Inhaber des Gasthauses „Zum weißen Lamm“ in Laumersheim, hält nichts vom Dichtmachen der Gaststätten. Sie seien nachweislich keine Infektionstreiber gewesen. Die Anzahl der Personen hätte seiner Meinung nach beschränkt werden können – beispielsweise auf zweimal zwei Gäste pro Tisch. Bei Kontrollen des Gesundheitsamts habe es keine Beanstandungen gegeben. Seine große Frage: „Was kommt im Dezember?“
Der November sei sehr umsatzstark: „Es haben viele Reservierungen vorgelegen.“ Hofheinz will einen Abholservice anbieten. Das könne aber sicher nur einen Bruchteil des Umsatzes einspielen. Deshalb werde er ab Montag für seine Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Am Wochenende sei es jedoch sicher noch einmal „rappelvoll“. „Die Stammgäste lassen uns nicht im Stich. Die fühlen sich hier bei uns wohl und sicher“, weiß Hofheinz.
Angst vor der Pleite
Im griechischen Restaurant Zum Affenstein in Dirmstein bietet man ebenfalls einen Abholservice an – jetzt erstmals. „Wir haben kein Verständnis für die Maßnahme“, sagt Litza Deos. Es sei auf Abstand geachtet, Trennwände seien eingezogen worden. Es sei nicht einsichtig, warum es gerade die Gastronomie treffe. „Wir haben Angst, das finanziell nicht zu überstehen“, gesteht sie.
Als „Faustschlag ins Gesicht“ empfindet Claudia Bader-Ertel von den Seestuben in Bobenheim-Roxheim die Schließung. „Wir haben doch alles gemacht und getan.“ Sie hält die verkündeten Maßnahmen für nicht sinnvoll. Im Restaurant seien Abstände genau eingehalten worden. Es habe keine Großveranstaltungen gegeben. Mit den Bestellungen sei man in dieser Woche schon sehr vorsichtig gewesen. Allerdings zeichne sich nun noch einmal ein richtiger Ansturm am Wochenende ab. „Die Leute wollen kommen. Das ist der Unterschied zum Frühjahr“, sagt Bader-Ertel. Ihr Glück sei die große Terrasse. Deshalb sei das Geschäft über den Sommer sehr ordentlich gewesen.
Entlassungen befürchtet
André Overbeck vom Brauhaus zur Post im Frankenthaler Neumayerring ist skeptisch, ob es bei der Schließung im November bleibt. Habe er beim ersten Lockdown sein Personal noch mitnehmen können, sieht er jetzt eher schwarz: „Es sieht nach Entlassungen aus.“ Zumal er glaubt, dass die staatlichen Hilfen nicht ausreichen. Die Gastronomie habe alles umgesetzt, was gefordert worden sei. „Wir haben hier im Brauhaus bisher seit März mehr als 250 Liter Desinfektionsmittel auf unseren Tischen versprüht“, führt Overbeck an. „Mir kommt das alles spanisch vor. Ich halte diese Verordnung für einen Riesenfehler.“
Am Sonntag sei das Brauhaus zu. Das sei länger geplant gewesen. Doch für die verbleibende Zeit hätten die Reservierungen gleich nach Verkündung der Schließung am Montag angezogen. Ab nächster Woche wolle er einen Außer-Haus-Service anbieten. Unter anderem sei geplant, Foodboxen mit Essen zu verkaufen. Die Gerichte müssten dann zu Hause nur noch aufgewärmt werden. Doch Overbeck glaubt, dass er damit nicht einmal zwei Prozent des normalen Umsatzes erzielen könne.
Einkäufe müssen weg
Alexander Stock vom Penny Lane in der Westlichen Ringstraße hat noch kein abschließendes Meinungsbild, was er von der Schließung halten soll. Aus wirtschaftlicher Sicht sei es ganz klar schlecht. Leute, die investiert, beispielsweise Filter eingebaut hätten, würden jetzt doppelt bestraft. Das Penny Lane wolle sofort auf den Außer-Haus-Service umstellen. „Wir sind ja jetzt geübt darin“, sagt Stock. Das Angebot werde auf der Homepage und über Facebook beworben. Stock: „Da wir mit verderblichen Waren arbeiten, keine Tiefkühlkost verwenden, müssen wir nun über das Wochenende schauen, wie wir unsere Einkäufe wegbekommen.“
„Es ist furchtbar“, sagt Ljillana Kalajdzic, Wirtin in der Gaststätte des ASV Mörsch. „Wir haben doch alles gemacht – Tische getrennt, die Gäste ermahnt, ihre Masken aufzusetzen.“ Sie meint, man hätte die Öffnungszeiten begrenzen können. Aber gleich ganz zumachen, das sei nicht verhältnismäßig. Ihre vier Angestellten müssten auch leben. Schon in Frühjahr habe sie große Teile ihrer Ware wegwerfen müssen. Von Freitag bis Sonntag will sie nun Speisen zum Abholen anbieten. „Ich kann nicht nur zu Hause sitzen. Da drehe ich durch.“ Kalajdzic hofft, dass ab Mitte November die Komplettschließung aufgelockert wird.