Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Chance-Laden in der Schnurgasse wird zehn Jahre alt

Vom Spielzeug bis zum Kinderstuhl: Im Chance-Laden versorgt Anita Werkmann-Granz mit ihrem Team arme Menschen aus Frankenthal.
Vom Spielzeug bis zum Kinderstuhl: Im Chance-Laden versorgt Anita Werkmann-Granz mit ihrem Team arme Menschen aus Frankenthal.

Eine Anlaufstelle für Menschen, die brauchen, was andere nicht mehr haben wollen: Im Chance-Laden, Schnurgasse 10, bekommen Bedürftige Dinge des täglichen Gebrauchs – gegen eine symbolische Gebühr. Im Juni wird die Einrichtung zehn Jahre alt.

„Unser Laden hat sich etabliert“, sagt Anita Werkmann-Granz, Vorsitzende des Trägervereins Chance e.V., der den Laden betreibt. Sie schätzt, nicht ganz ernst gemeint, dass in den zehn Jahren seit dessen Gründung „Waren im Umfang des Monte Scherbelino“, des fast 120 Meter hohen Schuttbergs am Strandbad, den Besitzer gewechselt hätten.

Gegründet wurde der Chance-Laden am 1. Juni 2010 von einer Handvoll im Umfeld der Kirche des Nazareners aktiver Christen, ausgehend von dem Bibelspruch „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7). Einen ersten Standort, 60 Quadratmeter groß, fanden sie in den Räumen einer ehemaligen Bäckerei in der Welschgasse. Nach zwei Jahren, im Juli 2012, folgte der Umzug in die Schnurgasse 10, direkt am Beginn der Fußgängerzone.

Elektrogeräte besonders gefragt

Seitdem stehen in den Räumen der früheren Metzgerei auf 160 Quadratmetern Fläche Waren aller Art bereit: Möbel, Haushaltsgeräte, Kleidung und Schuhe für Kinder und Erwachsene, Musik, Bücher und Spielsachen. „Wir achten auf gute Second-Hand-Qualität“, betont Werkmann-Granz. Besonders groß sei die Hilfsbereitschaft 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle gewesen. Zurzeit seien Elektrogeräte gefragt – besonders Staubsauger und Küchenhelfer.

Bestückt wird der Chance-Laden von privaten Gönnern und einigen Firmen, darunter das Achat-Hotel. Einen jährlichen Geldbetrag steuern unter anderem die Stadtwerke Frankenthal bei. Aufnahme und Verteilung der Waren übernehmen etwa ein Dutzend Ehrenamtliche. Neben Frauen sind das beim Möbelschleppen auch „drei Männer fürs Grobe“. Unterhalt und Betriebskosten des Ladens stemmt der zehn Mitglieder zählende Trägerverein. Er finanziert sich ausschließlich über Spenden.

Öffnungszeiten eingeschränkt

Kunden des Chance-Ladens sind Menschen, die das brauchen, was andere nicht mehr haben wollen: vom Dosenöffner bis zum Kuscheltier. Voraussetzung für den Einkauf ist der Besitz der Frankenthaler Ermäßigungskarte oder eines entsprechenden Nachweises von Caritas oder Diakonie. Gegen einen kleinen Obolus von zwei Euro pro großer Tragetasche können sie dort einkaufen. „Not hat viele Gesichter“, hat Vorsitzende Werkmann-Granz in den zurückliegenden zehn Jahren festgestellt. Ihre Arbeit verstehen sie und ihre Mitstreiter als „Zeichen der Wertschätzung und Nächstenliebe“. Auch während der Corona-Krise wolle man ein Zeichen setzen, hilfsbereit sein und Hoffnung vermitteln, trotz zurzeit verringerter Öffnungszeiten.

Das zehnjährige Bestehen sollte eigentlich mit einem Straßenfest gefeiert werden, doch Corona kam dazwischen. So wolle man sich nun auf anderem Weg bei Spendern und Sponsoren bedanken. Krisenbedingt sei aktuell nicht abzusehen, wie es künftig finanziell und personell weitergehen soll, doch Vereinsvorsitzende Anita Werkmann-Granz ist zuversichtlich: „Es liegt ein Segen auf uns.“

INFO

Chance-Laden, Schnurgasse 10, Telefon 06233 42714. Geöffnet ist zurzeit nur dienstags von 14.30 bis 16.30 Uhr.

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