Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Chöre vor dem Neustart

Proben ohne Abstand – das ist für den Frankenthaler Gospelchor Pilgerpfad seit Pandemiebeginn nicht mehr möglich.
Proben ohne Abstand – das ist für den Frankenthaler Gospelchor Pilgerpfad seit Pandemiebeginn nicht mehr möglich.

Die Pandemie hat die Chorlandschaft im Land fest im Griff. Auch nach Monaten sind Proben nur in kleinen Gruppen im Freien erlaubt. Trotzdem bleiben die meisten Sängerinnen und Sänger ihren Vereinen nach eigenen Aussagen treu. Mit Aktionen und einem Motivationslied wollen sich die hiesigen Vereine jetzt wieder aufrappeln.

Als es mit Corona losging, habe man sofort alle Proben abgesagt, „noch bevor es offiziell verboten war“, betont Manfred Sippel von der Männerchorgemeinschaft Beindersheim, Dirmstein und Heßheim. Die meisten der rund 30 aktiven Sänger seien betagter und bereits geimpft. Noch sei aber unklar, ob das ausreiche, um wieder gemeinsam Proben zu dürfen.

„Das Vereinsleben lag total brach“, berichtet Siegried Schäfer von der Chorvereinigung Bobenheim-Roxheim mit 100 Sängerinnen und Sängern. Eine Besserung der Situation durch die fortschreitende Impfkampagne spüre sie noch nicht, so Schäfer. Ähnlich ist die Situation beim GMV Lambsheim. „Das gemeinsame Beisammensein und Singen ist nahezu vollständig eingeschlafen“, teilt der 1. Vorsitzende, Bernd Ullmann, mit. Es habe zwar digitale Angebote mit Rhythmus- und Textübungen gegeben. Viele ältere Mitglieder konnten daran aber nicht teilnehmen.

Seit Oktober keine Präsenzproben

Nach drei Monaten mit Proben auf Abstand war für den Frankenthaler Gospelchor Pilgerpfad im Oktober vergangenen Jahres coronabedingt Schluss – seither halten die 25 Sängerinnen und Sänger über Gruppenchats Kontakt. Wann sie wieder im Ökumenischen Gemeindezentrum Pilgerpfad zusammenkommen können, wissen sie bisher nicht, ebenso wenig, ob alle Sänger aus der Zwangspause zum Verein zurückkehren werden. „Aber der harte Kern bleibt“, ist sich Ulrike Hartenstein, ein langjähriges Mitglied, sicher. Schließlich helfe das gemeinsame Singen in diesen Zeiten – und diene auch der Gesundheit.

Der GMV Lambsheim konnte zumindest von März bis September vergangenen Jahres in kleinen Gruppen und zeitlich begrenzt im Freien singen. „Die Hoffnung ist groß, dass bei weiterem Fortschreiten der Impfkampagne in naher Zukunft wieder Präsenzproben stattfinden können“, so Ullmann.

„Hängen in der Warteschleife“

Die Männerchorgemeinschaft hatte laut Sippel im August, als sich die Lage besserte, in der ASV-Sporthalle unter Corona-Bedingungen wieder angefangen zu proben. Um die Abstände einzuhalten, wurden mit Schnüren die genauen Abstände der Stühle abgemessen – fünf Meter zwischen Chorleiter und erster Reihe, zwischen den Sängern zu allen Seiten drei Meter. Wenn die Fenster nicht sowieso schon offen waren, wurde alle 30 Minuten gelüftet. Da die Akustik in der Halle nicht gut sei, habe man über vier Proben hinweg verschiedene Aufstellungen getestet, um das Optimum herauszuholen. Doch die Mühen zahlten sich nur kurz aus – Ende Oktober mussten die Proben im Zuge der zweiten Welle bereits wieder eingestellt werden. „Seitdem hängen wir in der Warteschleife“, sagt Sippel.

Unter den derzeit gültigen Vorgaben – Proben mit maximal zehn erwachsenen Personen und Chorleiter im Freien – könnte nur eine Stimme gleichzeitig proben. Die Männerchorgemeinschaft will warten, bis wieder eine größere Personenanzahl zulässig ist. „Wir rechnen mit einem Neustart Mitte Juli, Anfang August“, sagt Sippel. In den kommenden Monaten ist es sein Ziel, die Chorgemeinschaft „aus dem Dornröschenschlaf zu wecken“.

Auch wenn sie sich wünsche, dass die Pandemie bald vorbei geht: „Gesundheit geht vor, wir halten uns an alle Regeln“, betont Schäfer von der Chorvereinigung Bobenheim-Roxheim – auch wenn diese aus ihrer Sicht teilweise zu streng gedacht seien. „In unseren Vereinsheim wären 20 bis 25 Personen gut unterzubringen.“ Man könne für die Proben die Stühle weit auseinanderstellen, dennoch bleibe das gemeinsame Singen verboten. „Im Freien fehlt einfach der Klangraum für die Stimmen“, sagt die 75-Jährige. „Unser Proberaum ist sehr groß, wir können Abstand halten und lüften“, argumentiert auch Hartenstein vom Gospelchor Pilgerpfad für Präsenzproben.

„Kultur ist ebenso wichtig wie Sport“

„Die kulturschaffenden Vereine sollten mehr in den Fokus von Politik und Gesellschaft gerückt werden“, findet Ullmann vom GMV Lambsheim. Die Vereinsförderung der Politik beziehe sich in erster Linie auf den Sport, während die Kultur das Nachsehen habe. „Kultur ist ebenso wichtig wie Sport.“ Angepasste Regelungen für Proben in Innenräumen „unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der Aerosol-Forschung wären erstrebenswert“.

Dem GMV geht es nun darum, mit verschiedenen Veranstaltungen und Werbeaktionen die aktuellen Mitglieder zu aktivieren und neue zu gewinnen. Außerdem soll es wieder Proben in Kleingruppen im Freien und schnellstmöglich auch in der Vereinshalle geben. „Zum Stimmtraining möchten wir außerdem eine Chorfreizeit durchführen, sodass wir im kommenden Jahr wieder an Auftritte denken können“, so der Verein. Große Pläne macht der Gospelchor Pilgerpfad dagegen noch nicht. „Wir müssen erst mal wieder ins Proben reinkommen“, so Hartenstein. Sie schätzt, dass es nach den Sommerferien wieder losgehen könnte.

Motivationslied gegen Corona-Blues

Schon ab Mitte Juni plant der Gospelchor der Chorvereinigung Bobenheim-Roxheim, in kleinen Gruppen im Freien zu proben. Auch ein „riesen Konzert mit drei Chören“ sei geplant, verrät Schäfer. Ob und wann ein solches durchführbar sei, ist bislang aber unklar. Um die Stimmung im Verein wieder anzukurbeln, hat die 75-Jährige ein „Corona-Motivationslied“ in Auftrag gegeben, dass sie mit allen Mitgliedern lernen will. „Schei... Corona“ heißt es darin.

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