Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Cellistin Marie Spaemann spielt mit Duo-Partner in der protestantischen Kirche

Marie Spaemann mit Duo-Partner Christian Bakanic.
Marie Spaemann mit Duo-Partner Christian Bakanic.

Schon 2019 hat Marie Spaemann in der protestantischen Kirche zu Roxheim als Solistin den allerbesten Eindruck gemacht. Jetzt kam sie erneut – im Duo mit Akkordeonist Christian Bakanic und ohne Brille.

Die Klassik war ihr zu wenig, sie wollte auch selbst Musik schreiben. Heute sieht sie sich als Singer-/Songwriter-Cellistin. Bei ihrem ersten Besuch in Roxheim hatte sie nur eine Loopstation dabei. Mit deren Hilfe nahm sie live Spuren auf, zu deren Abspielen sie dann weitere Klänge hinzufügte. Schon damals fiel den Zuhörern auf, wie vielseitig die Musikerin das Cello zu nutzen weiß. Höchst gespannt war man deshalb auf den neuerlichen Auftritt, diesmal mit Duopartner. Die Kirche war voll besetzt.

Das erste Stück, „Oscar's Dream“ hat Christian Bakanic seinem kleinen Sohn gewidmet. Dem hat er beim Schlafen zugesehen, und offenbar hat der Junge lebhaft geträumt. Es beginnt mit einem schnell wiederholten, immer größer werdenden Akkord, zu dem Marie Spaemann dann ihre Stimme ebenso wie ihr Cello mit langen Tönen dazu gibt. Die aufbauenden Klänge steigern sich, dann ein Break – und es geht in schnelle Läufe, offenbar eine neue Phase des Traums.

Klanglich passen das Knopfgriff-Akkordeon und das Cello ganz hervorragend zusammen. Gerade in den tiefen Registern können die Klänge so verschmelzen, dass man die Instrumente nicht mehr auseinanderhalten kann. Aber ebenso gibt es bewusste Kontraste. Die Musiker verstehen es auf beeindruckende Art, mit einer enorm breiten Palette von Klangfarben zu spielen. Bakanic spielt jazzig farbige Akkorde, seine Klangsprache hat einige Elemente des Tango Nuevo – was später in einigen Stücken noch besonders betont wird. Er singt auch und sitzt auf einem Cajon, einer südamerikanischen Kastentrommel, die er immer wieder mal beklopft.

Und Marie Spaemann weiß ihr Cello auf tausendundeine Art zu spielen: Natürlich kann sie es klassisch „schön“ in allen Lagen singen lassen. Sie kitzelt Flageoletts heraus, aber kann genauso gut Powerchords schrubben, zupft Basslinien und –grooves wie ein Kontrabasser im Jazz oder skizziert die Akkorde mit gestrichenen Doppelgriffen. Einen ganz eigenen Overdrive-Klang erzeugt sie mit einem besonderen Bogenstrich nahe am Steg. Und wenn’s passt, klopft sie auch Rhythmen auf dem Korpus. Die Musik hat so einen ganz eigenen und originellen Stil. Völlig nahtlos vereint das Duo Einflüsse aus Jazz, Tango und Folk, bis hin zu Liedern aus dem Orient. Es ist sehr schön zu erleben, dass die im besten Sinne eigensinnige Cellistin in Bakanic einen Duopartner auf Augenhöhe gefunden hat.

Bakanic stammt wie Spaemann aus Österreich. Er studierte Volksmusik und klassisches Akkordeon. Wie Spaemann bewegt er sich locker über alle Genregrenzen hinweg und ist in verschiedenen Projekten und Kombinationen unterwegs, von Folk bis Modern Jazz. Spaemann wurde 1988 in Wien geboren und begann mit sieben das Cellospiel. Eigentlich hatte sie nie die Absicht, damit Profi zu werden, aber es kam anders. An Roxheim hat sie eine besondere Erinnerung: Bei ihrem letzten Konzert hier hatte sie die Kontaktlinsen im Hotel vergessen und spielte deshalb mit Brille.

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