Frankenthal
Bobenheim-Roxheim: Theaterkreis begeistert mit neuer Komödie „Der Geizige“
Vergnüglich und kurzweilig war die Premiere von Molières Komödien-Klassiker „Der Geizige“ am Wochenende in Bobenheim-Roxheim. Rund 150 Besucher erlebten beim Theaterkreis zweieinhalb Stunden munteres Spektakel um Gold und Glück, Irrungen und Wirrungen, Liebe und Hiebe in einer durchweg stimmigen Inszenierung von Andrea Kühn.
Raffen, sparen, horten – dass das Motto „Geiz ist geil“ bereits im feudalen Paris des 17. Jahrhunderts, gerade bei Adel und Bürgertum, allgegenwärtig war, führte der französische Dramatiker Molière den Zeitgenossen mit seiner 1668 uraufgeführten Komödie recht drastisch vor Augen. Auch heute trifft das Stück noch einen Nerv. Das zeitlose Thema recht publikumswirksam zu inszenieren, hatte der Theaterkreis Bobenheim-Roxheim deshalb an Regisseurin Andrea Kühn delegiert. Die Theaterpädagogin meisterte ihre sechste Regiearbeit mit gestrafften Rollentexten, behutsam aktualisierter Sprache und sorgsam in Musikeinspielern platzierten Zeitbezügen. Für die historischen Kostüme war Ingeborg Brand verantwortlich. Die Requisiten, der Bühnenbau, Technik und Maske waren in bewährten Händen.
Voller Körpereinsatz
In der Titelrolle des Erzgeizkragens Harpagon brillierte Markus Fischer mit ausdrucksvoller Mimik, expressiver Sprachgestaltung und vollem Körpereinsatz. Die Textfülle verlangte dem Protagonisten einiges ab. Außerdem hatte er viele Einzelszenen, in denen sich der Geizige mal als misstrauischer Paranoiker, dann wieder als verbittertes Opfer oder als selbstherrlich stolzierender Gockel zeigen konnte. Ungleich weniger Persönlichkeitspotenzial gestand die Rolle seiner Bühnentochter Elise zu, die von Co-Regisseurin Tanja Frey gespielt wurde. Ihren Part legte sie allerdings etwas zu brav an. Mirka Besch spielte dagegen die Heiratsvermittlerin Frosine als raffinierte und zugleich kapriziöse Kupplerin mit Körpersprache und Wortwitz.
Der Koch ist der Kutscher
Johannes Geib ging als Cléante, Sohn des Geizigen und späteres Nebenbuhler seines Vaters um die Gunst der schönen Mariane (ganz bezaubernd: Karolin Eberle), in seiner Rolle als verliebter und zu allem entschlossener Held sichtlich auf. Auf der Bühne machte er in Puderperücke und Wams eine tolle Figur. Als Valère, Elises Liebhaber, schlich sich Klaus Beckerle unter falschen Vorzeichen bei dem Geizigen ein. Besonders in den Dialogszenen spielte er sein schauspielerisches Potenzial aus. Ein besonderes Erlebnis war auch Theaterkreis-Urgestein Helmut Dries. In der Doppelfunktion als Koch und Kutscher überzeugte er in wirkungsvollen Prügel- und Raufszenen, aber auch in differenzierten Kurzmonologen.
In bemerkenswerter Nebenrolle agierte Gerwin Schmitt als Vetter Anselme mit Schutzengel-Funktion und Retter in der Not. Thomas Novak gab den Lakai Baptist und später den Sekretär des Kommissars (Martin Krüger). Thorben Frey überzeugte als Cléantes Diener La Tour, Gabi Schäfer als resolute Haushälterin Madame Claude und Benno Schmidt als verschlagener Makler.
Allerbeste Satire
Besonders die Raufszenen und Wortgefechte sorgten für Lacher im Publikum. Gelungen war auch der letzte Akt, in dem sich die Szenerie schlagartig auflöst im Rückgriff auf das Erlebte. Verbindungen werden gestiftet: Vater und Sohn, Bruder und Schwester finden zusammen, zwei Liebespaare sowieso, und zum Schluss darf selbst der Geizige seine Schatz-Schatulle wieder in die Arme schließen. Dieses Happy End mal Fünf ist allerbeste Satire – und entlässt die Zuschauer mit dem guten Gefühl, ein Stück über Gesellschaftsethik ohne moralinsaure Botschaft genossen und sich dabei prächtig amüsiert zu haben.
Termine
Weitere Aufführungen von „Der Geizige“ auf der Freilichtbühne Im Busch, Oberer Busch 7, Worms, gibt es am 16., 17., 23., 24., 30. und 31. August. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt kostet 13 Euro (ermäßigt elf Euro). Karten gibt es bei D. Freer Elektronik in Bobenheim-Roxheim, bei Bücher Bessler in Worms, bei Ingeborg Brand unter Telefon 06239 6898 sowie im Netz unter www.theaterkreis1975.de.