Frankenthal
Bobenheim-Roxheim: Premiere von Kinderstück „Isidor wird Nachtgespenst“ am 10. November
Wie schleppen zwei Leichtgewichte einen Lulatsch? Wie frisiert man einen Dutt? Und wie kann die Gespensterfalle G-2000 blinken? Mit diesen Fragen schlägt sich Melina Eichenlaub gerade herum. Sie studiert im Hoftheater Hasch-Masch das Kinderstück „Isidor wird Nachtgespenst“ ein. Es ist die Premiere der 25-Jährigen als Regisseurin.
Krachend stürzt Thorben Frey zu Boden. Der fast zwei Meter große Hüne spielt den Hasenfuß Wunibald von Schreckenschrei – ein Junggespenst, das bei der kleinsten Gefahr umkippt. „Sehr schön gefallen“, lobt Eichenlaub schmunzelnd den Stunt. „Aber auf die falsche Seite.“ Frey wiederholt den Sturz, plumpst auf die richtige Stelle und mimt einen Bewusstlosen. Nun sollen ihn die zwei anderen Junggespenster von der Bühne ziehen. Ratlos stehen die eher zierlich gebaute Marisa Schäfer (Henrietta Nachtschatten) und Kieren Schmidt (Isidor Spukenburg) vor dem großen und schweren Frey. „Hej, da brauchen wir ja einen Gabelstapler“, kichert Schmidt. Nach einigem Zerren und Ziehen klappt der Abtransport, wobei jedoch einige Grabsteine aus Styropor umgeschubst werden.
Eichenlaub wendet sich einem modischen Problemen zu. Mia Junker spielt Frau Dr. Schimmelpilz. Als gestrenge Geisterjägerin braucht sie ein biederes Outfit, wofür in letzter Minute Ingeborg Brand gesorgt hat. Die gute Seele hat sich zwar nun mit 75 Jahren als Aktive im Theaterkreis Bobenheim-Roxheim verabschiedet. Wenn Not am Mann ist, zaubert sie mit ihrer vollautomatischen Brother-Nähmaschine aber immer noch ein Kostüm. Wie heute. Junker trägt einen fix geschneiderten Faltenrock. „Danke Ingrid“, ruft Eichenlaub und grübelt, wie sich das lange blonde Haar Junkers zu einem Dutt knüpfen lässt. Zu aufwendig, meint sie. Schließlich findet sie eine praktische Lösung: Junkers Haare werden in einem kurzen Zopf mit Stummelschwanz gebändigt. Das geht schnell und sieht schön streng aus, findet die Jungregisseurin.
Blinklicht für Gespensterfalle gesucht
Den Technikern hat sie im Vorbeieilen das Manuskript zum Theaterstück zugesteckt, vollgekritzelt mit Wünschen zu akustischen und optischen Effekten. David Andres ist Industriemechaniker, Johannes Feise arbeitet als Elektriker. Doch die Anmerkungen Eichenlaubs mit der vorhandenen Ausrüstung umzusetzen, ist keine leichte Aufgabe. Zum Beispiel soll die Gespensterfalle G-2000, die im Stück eine zentrale Rolle spielt, blinken. „Aber sie soll auf die Bühne gerollt werden. Da können wir keine Kabel einsetzen“, gibt Andres zu bedenken. Doch vielleicht gibt es jetzt, zur Hochsaison des Halloween, im Handel gruselig blinkende Lämpchen, die mit Batterie betrieben werden?
Exakte Aussprache wichtig
Während sich Andres und Feise zur Beleuchtung der Gespensterfalle beratschlagen, probt Eichenlaub mit den Darstellern die Szenen, die in der bisherigen sechswöchigen Probenzeit zu kurz gekommen waren. „Wir haben uns auf den ersten Akt konzentriert. Jetzt arbeiten wir am Mittelteil“, erklärt sie und ruft die acht Darsteller auf. Großes Augenmerk legt Eichenlaub auf die Aussprache. Beharrlich korrigiert sie Wörter wie „völlig“ und „ewig“, bei denen das „g“ als „ch“ gesprochen werden muss, damit die Aussagen authentisch und zugleich verständlich beim jungen Publikum ankommen.
Das Kinderstück aus der Feder von Christina Stenger setzt stark auf die Interaktion der Schauspieler mit den Zuschauern. Wie bei dem Zauberspruch „Spinnenbein und roter Mohn, böse Nebel, fliegt davon!“, mit dem die Junggeister die Macht der Geisterjägerin brechen wollen. Nur, wenn die Kinder diesen Spruch gemeinsam aufsagen, kann Schimmelpilz besiegt werden. „Du musst den Spruch so langsam vortragen, dass ihn auch die kleinsten Kinder wiederholen können“, verlangt Eichenlaub von Schmidt.
Mehrmals rezitiert Schmidt als Junggespenst Isidor Spukenburg den entscheidenden Zauberspruch. Bis die Regisseurin zufrieden ist. Mit ihrer schlanken Figur und 1,62 Metern Körpergröße wirkt Eichenlaub wie eine der schauspielernden Gymnasiasten. Doch sie verschafft sich bei ihrer Feuerprobe als Regisseurin durchaus Respekt. „Ich kann auch durchgreifen.“ Sie lasse die Akteure, die zwischen 13 und 16 Jahre alt sind, zwar mitbestimmen, sagt die 25-jährige Bobenheim-Roxheimerin. „Aber ich habe das letzte Wort. Sonst kommen wir nicht voran.“
Melina Eichenlaub erstmals Regisseurin
Im Kinder- und Jugendtheater des Theaterkreises hat Eichenlaub seit ihrem zehnten Geburtstag mitgespielt. Nach ihrem Studium im Fach Kulturmanagement in Wien bekam sie bei den Wormser Nibelungen-Festspielen eine Stelle und kehrte zum Theaterkreis zurück. Vor einem Jahr übte sie mit dem Verein Improvisationstheater, das sie in Wien bei einem Praktikum fasziniert hatte. Nun traut sich die Kulturmanagerin zu, eine komplette Inszenierung anzuleiten. „Ob ich die Mannschaft im Griff habe, wird sich bei der Premiere zeigen“, sagt sie und verhehlt nicht, dass sie eine gehörige Portion Lampenfieber hat. „Aber die Darsteller sind sehr motiviert und erfahren. Und es ist ein tolles Stück, das ich selber aussuchen durfte und in dem ich vor 13 Jahren meine erste große Rolle im Hoftheater gespielt habe.“
Termine
„Isidor wird Nachtgespenst“ an den Sonntagen 10., 17. und 24. November sowie 1. Dezember, jeweils 15 Uhr, im Bobenheim-Roxheimer Hoftheater Hasch-Masch, Frankenthaler Straße 7. Karten gibt es bei Freer Elektronik und online unter www.theaterkreis1975.de. Erwachsene zahlen elf Euro, Kinder unter 16 Jahren neun Euro. Kostenlose Parkmöglichkeiten gibt es auf dem Pestalozzi-Platz an der Grünstadter Straße.