Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Bilder einer Stadt: Ausstellung zum Jubiläum im Kunsthaus

Frankenthaler Ansichten: Motive aus der Stadt dominieren den großen mittleren Raum im Erdgeschoss des Kunsthauses.
Frankenthaler Ansichten: Motive aus der Stadt dominieren den großen mittleren Raum im Erdgeschoss des Kunsthauses.

Manche Bilder hingen bisher in Büros oder auf Fluren im Rathaus, einige verstaubten auf dem Dachboden: Ausgewählte Werke der städtischen Sammlung sind nun einen Monat lang im Kunsthaus zu bewundern. Anlass ist das Jubiläum „1250 Jahre Frankenthal“.

Es ist nahezu Millimeterarbeit für die Herren vom Eigen- und Wirtschaftsbetrieb, bis das großformatige Bild von Hanns Fay exakt so hängt, wie es soll. Museumsleiterin Maria Lucia Weigel und Restauratorin Joanna Bella sind nach ein paar Korrekturen und anschließendem Nachmessen zufrieden. Die Werke sollen wirken. Und das tun sie in den repräsentativen Räumen des Kunsthauses auch ohne die erklärenden Texttafeln, die noch fehlen.

Zum Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung Frankenthals vor 1250 Jahren bekommt die ungleich jüngere Kunstsammlung der Stadt mal wieder einen großen Auftritt. Seit 1949 hat die Verwaltung entweder selbst angekauft oder ist aus Nachlässen bedacht worden. Aus dem mehrere Hundert Objekte großen Fundus hat Weigel eine Ausstellung kuratiert, die sich auf Frankenthaler Motive und Frankenthaler Künstler konzentriert – darunter durchaus große Namen: Fay, Foeller, Bruns und Perron.

„Farben strahlen wieder“

Vor zwei Jahren hat das Erkenbert-Museum die Verantwortung für die Kollektion übertragen bekommen. Im Nachhinein wohl die Rettung für das eine oder andere Bild: Ein Teil der Werke war im Dachboden des Rathauses verstaut, einige hingen auf Fluren und in Mitarbeiterbüros. Die Kunst sei jedenfalls „nicht nach Museumsstandard“ behandelt worden, fasst Maria Lucia Weigel zusammen. Die Folgen: Probleme mit Schimmel einerseits, mit Trockenheit andererseits.

Die Sammlung werde nun inventarisiert und konserviert, berichtet Weigel. Am Beispiel des Bildes „Lebendige Stadt – Frankenthal“ von Ilse Feldberg, das auf dem Plakat und auf Flyern zur Ausstellung zu sehen ist, erklärt die Kunsthistorikerin, was nur mit schlichtem Reinigen zu erreichen ist. Seit Expertin Bella sich des Werks angenommen hat, wirke es, als sei ein Schleier weggezogen: „Die Farben strahlen wieder.“

Das Erdgeschoss des Kunsthauses ist für den kommenden Monat drei Schwerpunkten gewidmet: Figurative Darstellungen – darunter als eine der wenigen Plastiken der „Sitzende Knabe“ Walther Perrons – prägen einen Raum, im großen, mittleren dominieren Stadtansichten, Naturimpressionen den dritten. Ausgewählt hat Weigel, der Größe der Räumlichkeiten geschuldet, Werke „mit gewissem Format“ – vorwiegend Acryl- und Ölmalerei, keine kleinteiligen Grafiken.

Rätselhaftes Porträt

Weigels persönlicher Favorit in der Jubiläumsschau ist übrigens ein weniger wuchtiges, aber nach ihrem Empfinden beeindruckendes Werk: ein Selbstporträt der Malerin Karin Bruns. Sie sehe darin die emanzipierte Künstlerin als auch ihren sich im Spiegel selbsterforschenden Blick. Direkt daneben ein weiteres Bild Bruns’, dessen Geheimnis möglicherweise Besucher der Ausstellung lüften können, hofft die Museumsleiterin. Es zeigt im Stil eines Standesporträts eine offensichtlich wohlhabende Frankenthalerin mit Stola, Ohrringen und Halskette.

Maria Lucia Weigel hofft auf große Resonanz: Zum letzten Mal öffentlich gezeigt wurden Werke aus der Sammlung vor zehn Jahren, unterstreicht sie den besonderen Charakter. Unbekannte Schätze seien ihr beim Sichten des Bestands zwar nicht in die Hände gefallen. Weigel hält aber fest: „Wir haben sehr qualitätvolle Werke von teils sehr bekannten Künstlern.“

Termin

Jubiläumsausstellung vom 4. September bis 2. Oktober im Kunsthaus Frankenthal, Mina-Karcher-Platz 42a. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag, 14 bis 18 Uhr, Sonntag, 11 bis 18 Uhr. Vernissage am Samstag, 3. September, 19 Uhr.

Museumsleiterin Maria Lucia Weigel mit dem ihrer Ansicht nach spannendsten Motiv der Ausstellung: ein Selbstporträt von Karin Br
Museumsleiterin Maria Lucia Weigel mit dem ihrer Ansicht nach spannendsten Motiv der Ausstellung: ein Selbstporträt von Karin Bruns.
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