Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Berufsbegleitender Dienst: Belastungen besser bewältigen

Sabine Bormeth in ihrem Büro in der Bahnhofstraße 38.
Sabine Bormeth in ihrem Büro in der Bahnhofstraße 38.

Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten, Mobbing, körperliche und psychische Überlastung – die Probleme, mit denen sich Menschen an den Berufsbegleitenden Dienst wenden, sind vielfältig. Beraterin Sabine Bormeth, die Klienten in Frankenthal, Ludwigshafen und Eisenberg betreut, verspricht: „Hier geht keiner ohne Hilfe raus.“

Depression und Burn-Out führten Johanna Brecht (Name geändert) in Bormeths Büro in der Frankenthaler Bahnhofstraße. In dem mittelständischen Unternehmen, in dem die 56-Jährige arbeitet, standen Umstrukturierungen an. „Das hat mich sehr belastet, dazu kamen noch private Sorgen“, sagt die kaufmännische Angestellte. Bei der Arbeitsagentur habe man sie auf die Fachdienste für Arbeit und Integration der Evangelischen Heimstiftung Pfalz aufmerksam gemacht.

Früher als Psychosozialer Dienst bekannt

Der Berufsbegleitende Dienst ist ein Angebot des Trägers, das dieser in den 80er-Jahren unter dem Namen Psychosozialer Dienst aufgebaut hat. Mit Sabine Bormeth habe sie geschaut, was man an ihrer Situation ändern kann, Schritt für Schritt. „Dass hier jemand ist, der mir sagt, es geht weiter, wir suchen eine Lösung, das entlastet mich sehr“, sagt Brecht. Hilfreich sei, dass der Berufsbegleitende Dienst außerhalb der Firma und damit unabhängig und neutral sei. Oberstes Ziel ihrer Beratung sei die Arbeitsplatzsicherung, sagt Bormeth. Reha-Maßnahmen, ein Coaching und Mediation mit Vorgesetzten und Kollegen, reduzierte Arbeitszeiten oder ein neuer Job können mögliche Schritte sein. Greift all das nicht, finden Klienten bei ihr auch Unterstützung auf dem Weg in die Rente. „Wir machen keine Therapie und auch keine Rechtsberatung“, betont Sabine Bormeth. Als Sozialarbeiterin betrachte sie das System Arbeitsplatz und Familie und verweise bei Bedarf an andere Institutionen. „Unsere Rolle ist eher die eines Moderators, der versucht, Probleme zu objektivieren und bei den Beteiligten Verständnis für die Sicht des jeweils anderen zu wecken.“

Abgelehnt wird niemand

Etwa einmal im Monat kommt Johanna Brecht, die zusätzlich in psychologischer Betreuung ist, in das Büro des Berufsbegleitenden Diensts – bei Bedarf auch öfter. „Ich kann auch mal einen Hilferuf loslassen“, sagt die 56-Jährige. Im Schnitt ein bis zwei Jahre begleitete man die Klienten, so Bormeth. 22 Menschen betreut sie in Frankenthal zurzeit. Man lehne niemanden ab und führe keine Warteliste. „Wenn jemand Probleme hat, dann hat er die jetzt.“ Frauen und Männer nehmen das Angebot nach ihrer Statistik etwa zu gleichen Teilen in Anspruch. Gut 70 Prozent der Klienten seien psychisch belastet. „Auch bei Schwerbehinderung und nach schweren Krankheiten wie Krebs spielt die Psyche eine große Rolle“, weiß die Fachberaterin. Generell beobachtet sie, dass die Belastungen in der Arbeitswelt steigen. „Man muss funktionieren“, sagt auch Johanna Brecht. Viele hätten Angst, sich anmerken zu lassen, dass sie die Anforderungen nicht mehr packen. Wer die Unterstützung der Berufsbegleitenden Dienste in Anspruch nehmen will, muss sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein mit mindestens 15 Stunden die Woche und braucht eine fachärztliche Bescheinigung oder den Nachweis einer Schwerbehinderung. Die Betreuung ist abhängig vom Arbeitsort. Ihren Klienten hilft Sabine Bormeth auch bei Anträgen und mit Formularen: „Das alles alleine durchfechten, ist anstrengend.“

Vermittlung bei Problemen im Job

Wenn die Klienten zustimmen, nimmt der Berufsbegleitende Dienst Kontakt zu Personen am Arbeitsplatz auf. Bei etwa 80 Prozent sei das der Fall, so Bormeth. Das müsse nicht immer direkt der Vorgesetzte sein. „Wir suchen uns Verbündete im Betrieb.“ Umgekehrt könnten auch Arbeitgeber das Angebot in Anspruch nehmen, etwa, wenn es um die Beschäftigung eines Schwerbehinderten, um Konfliktgespräche oder um Workshops zu Behinderungen im Arbeitsleben gehe. Etwa fünfmal im Jahr wende sich ein Arbeitgeber an sie, sagt Bormeth. „Es sollten viel mehr Leute wissen, dass es dieses Angebot gibt“, findet Johanna Brecht. Damit Konflikte nicht eskalieren, wünscht sich Bormeth, dass Betroffene frühzeitig auf den Dienst aufmerksam werden. „Am besten sobald man merkt: Ich habe ein Problem am Arbeitsplatz und schlafe nachts schlecht.“


Kontakt

—Fachdienste für Arbeit und Integration, Berufsbegleitender Dienst, Bahnhofstraße 38, Frankenthal. —Sprechzeiten jeweils mittwochs nach Vereinbarung unter Telefon 0621 510011 und per E-Mail an fai.lu@evh-pfalz.de.

Mobbing, Burn-Out oder Krankheit: Wer ein Problem am Arbeitsplatz hat, kann sich an den Berufsbegleitenden Dienst wenden.
Mobbing, Burn-Out oder Krankheit: Wer ein Problem am Arbeitsplatz hat, kann sich an den Berufsbegleitenden Dienst wenden.
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