Frankenthal
Bernd Leidig: Fahrrad ist bestes Fortbewegungsmittel in dieser Stadt
Wie lebt es sich denn so als Star?
(lacht) Das war tatsächlich ein Punkt, der mich etwas irritiert. Aber für den guten Zweck der Aktion Stadtradeln bin ich dann eben mal für drei Wochen ein Star. Ich fühle mich jedenfalls nicht wie einer …
Sie haben das Fahrrad Ihr Lieblingsfortbewegungsmittel genannt. Warum ist das so?
Ich sage es plakativ-provokativ immer so: Wer aus Frankenthal kommt, ist sozusagen mit dem Fahrrad auf die Welt gekommen. Das Rad ist und bleibt das beste Fortbewegungsmittel in dieser Stadt. Wenn man mal einen Kreis von einem Kilometer ums Rathaus zieht, dann liegt da schon fast ganz Frankenthal drin. Man ist mit Fahrrad einfach wahnsinnig schnell unterwegs. Bei Wettbewerben mit anderen, die für dieselbe Strecke ins Auto steigen, bin ich oft der Erste. Das ist schon so eine Art Spiel. Und am Ende bedeutet Radfahren für mich auch immer ein Stück Freiheitsgefühl.
Wie viele Räder stehen bei Ihnen in der Garage, im Hof oder im Keller?
Zum Leidwesen meiner Frau waren es bisher immer vier. Anlässlich unseres Umzugs musste ich mich jetzt von einem trennen: ein schönes, altes Hollandrad, das ich immer mal aufarbeiten wollte, aber wozu ich nie die Zeit gefunden habe. Nun sind es nur noch drei: mein Rennrad, mein Alltagsrad und ein „Bauer“ aus den 50er-Jahren, das noch nahezu im Originalzustand ist und nur bei besonderen Anlässen zum Einsatz kommt. Das ist wie ein Oldtimer, den man nur selten für eine Ausfahrt aus der Garage holt.
Wenn ich das so höre, bedeutet es für Sie kein allzu großes Opfer, am kommenden Samstag beim OB Ihren Autoschlüssel abzuliefern …
Grundsätzlich fällt mir das nicht schwer. Weil meine Frau auch viel mit dem Rad unterwegs ist, steht unser Auto tatsächlich mehr, als es fährt. Wir hatten kürzlich schon einmal darüber gesprochen, was wir machen, wenn demnächst wieder der Tüv ansteht. Vielleicht versuchen wir es ja dann ohne Pkw.
Es gibt ja inzwischen auch schöne Lastenfahrräder – fürs Einkaufen beispielsweise.
Ja, das stimmt. Letztlich bezahlen wir für ein Auto, das vor allem rumsteht. Und als Beigeordneter teile ich mir mit Bürgermeister Bernd Knöppel einen Dienstwagen. Aber, wie gesagt, die meisten dienstlichen Termine innerhalb Frankenthals versuche ich ohnehin mit dem Rad zu erledigen, sodass ich diese Möglichkeit bis auf weiter entfernte Ziele auswärts nicht so häufig brauche.
Gibt es eine bevorzugte Tour, auf der Sie häufiger mit dem Rennrad unterwegs sind?
Wenn es darum geht, einfach eine kurze Runde nach Feierabend zu drehen, dann fahre ich gerne runter an den Rhein. Die größere Lieblingsstrecke führt über Höningen und die Lindemannsruhe – alles in allem sind das etwa 60 Kilometer.
Unterm Strich klingt das ja so, als sei die am 22. August beginnende Stadtradel-Aktion wie für Sie gemacht?
Die Idee, die hinter der Aktion steht, spricht mir voll aus dem Herzen: Menschen dazu zu bringen, ihr Mobilitätsverhalten zu überdenken. Bei der Premiere im vergangenen Jahr haben ja auch sehr unterschiedliche Gruppen teilgenommen, sogar Schulen und Kitas waren mit dabei. Wie nachhaltig das am Ende ist, kann ich nicht abschließend beurteilen. Wenn das Stadtradeln aber den einen oder anderen dazu bringt, sich mal wieder aufs Fahrrad zu setzen und es häufiger zu nutzen, dann finde ich das eine prima Sache.
Wie viele Kilometer werden bei Ihnen in den drei Wochen zusammenkommen?
Naja, allzu viele werden es vermutlich nicht sein, weil ich mich vor allem im Bereich der Kernstadt bewege. Insofern habe ich da schlechte Karten als Star (lacht). Aber ich gebe mein Bestes … Interview: Jörg Schmihing
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