Frankenthal „Bei uns tickt die Stoppuhr leiser“

Fühlt sich als Zahlenmensch im Gesundheitswesen ganz gut aufgehoben: Sozialstationschefin Manuela Orlik.
Fühlt sich als Zahlenmensch im Gesundheitswesen ganz gut aufgehoben: Sozialstationschefin Manuela Orlik.

Die 30 Jahre alte Diplom-Betriebswirtin Manuela Orlik leitet seit Oktober die Ökumenische Sozialstation Frankenthal. Ihr Arbeitsplatz ist die Geschäftsstelle in der Carl-Theodor-Straße 11, schräg gegenüber der Zwölf-Apostel-Kirche. Dort koordiniert Orlik zurzeit 54 in Teilzeit angestellte Mitarbeiter, 15 ehrenamtliche Helfer und den Einsatz der 19 Dienstfahrzeuge für die rund 280 betreuten Patienten.

Eine Aufgabe, die die engagierte Protestantin befriedigt: „Hier kann ich viel mehr bewegen als im Krankenhaus“, sagt sie. Die in Ludwigshafen-Oggersheim geborene Manuela Orlik machte nach dem Abitur zunächst eine Lehre als Bürokauffrau im Vincentius-Krankenhaus Speyer und sattelte anschließend ein Studium an der Berufsakademie Mannheim zur Diplom-Betriebswirtin im Gesundheitswesen drauf. Krankenschwester oder Ärztin habe sie nicht werden wollen, gesteht Orlik. Sie könne besser als Zahlenmensch ihren Beitrag im Gesundheitswesen leisten. Erste Berufserfahrungen hat Orlik in den Krankenhäusern Sinsheim und Schwetzingen gesammelt. Doch die Fahrzeiten zur Arbeit habe sie auf Dauer als wenig familienfreundlich erlebt. So habe sie – nach einjähriger Auszeit, während der sie ihrem Vater in Frankenthal beruflich zur Hand ging – im August 2017 bei der Ökumenischen Sozialstation ein neues Tätigkeitsfeld gefunden: Zuerst in der Buchhaltung, dann seit Mai 2018 als Mitglied der Geschäftsleitung und seit Oktober in der Nachfolge von Ingrid Wirth als deren Geschäftsführerin, unterstützt von drei Mitarbeiterinnen in der Verwaltung. Manuela Orlik arbeitet zunächst in Teilzeit, das biete bei zwei Kindern (fünf und acht Jahre) mehr Flexibilität. Arbeit im Teilzeitprinzip, im Gesundheits- und Betreuungswesen weit verbreitet, biete den fast ausnahmslos weiblichen Beschäftigten auch in der Ökumenischen Sozialstation etliche Vorteile, ist Orlik überzeugt. Hier gebe es eine große Palette an Arbeitsmöglichkeiten in der Gleitzone zwischen 450 und 850 Euro, auch für berufliche Um- und Wiedereinsteigerinnen. Die Sozialstation ist als Verein strukturiert und wurde in den 1970er-Jahren eingerichtet. Mitglieder sind die vier örtlichen Krankenpflegevereine und die Kirchengemeinden. Ihre Tätigkeitsfelder gliedern sich in die fünf Bereiche Hauswirtschaft, Verwaltung, Betreuung, Nachbarschaftshilfe und den Hauptbereich der Pflege. Ein klassisches Ehrenamt, in dem sich hauptsächlich Frauen zwischen 65 und 75 Jahren engagierten, sei die Nachbarschaftshilfe. Im Bereich Betreuung dagegen sind ausgebildete Alltagshelfer auf 450-Euro-Basis beschäftigt. Im Bereich Altenpflege sei eine Ausbildungsstelle offen. An ihrer Funktion als Geschäftsführerin reizt Manuela Orlik vor allem die Koordination der Verwaltungsaufgaben nach arbeitsrechtlichen und gesetzlichen Vorgaben. Dass infolge des demografischen Wandels in den nächsten Jahren der Bedarf an ambulanten Pflegeleistungen steigen dürfte, sieht die Chefin der Sozialstation als Herausforderung, der sie sich langfristig gerne stelle. Dass sie einen kirchlichen Arbeitgeber habe, empfindet Orlik als Vorteil – gerade wenn es ums Abwägen der Faktoren Wirtschaftlichkeit und Dienst am Menschen gehe: Der Mensch stehe immer im Vordergrund, nicht das Geld. Das Gefühl der Gemeinschaft, der Sorge füreinander werde bei kirchlichen Trägern großgeschrieben, ist Orlik überzeugt. So könnten die Kirchengemeinden bei Bedarf finanziell einiges abfedern, wenn es darum gehe, dass man einmal mehr Zeit beim Patienten verbringe. Zwar ticke überall im Gesundheitswesen – Stichwort Pflegenotstand – die Stoppuhr, aber „bei uns tickt sie leiser“. Seit jeher der Kirche eng verbunden, hat Orlik 2006 die evangelische Kinder- und Jugendarbeit in Eppstein als Gruppenleiterin mit aufgebaut und leitet das Projekt Kinderkirche im evangelischen Gemeindehaus Flomersheim.

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