Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Erinnerungen und Anekdoten dem Frauenbild auf der Spur

Schulgeschichte(n) sammeln, erzählen, wie’s früher war: ehemalige und jetzige KG-Schülerinnen im Erzähl-Café, veranstaltet von d
Schulgeschichte(n) sammeln, erzählen, wie’s früher war: ehemalige und jetzige KG-Schülerinnen im Erzähl-Café, veranstaltet von der Zeitzeugen-AG »Tacheles«.

Schulgeschichte(n) Ehemaliger bewahren will die Zeitzeugen-AG „Tacheles“ am Karolinen-Gymnasium. Diesmal waren zehn Frauen gekommen, die zwischen 1940 bis 1980 am KG waren.

Im Versammlungsraum im KG-Neubau ist die Kaffeetafel vorbereitet. Die Schülerinnen haben die Tische fein gedeckt, Kuchen gebacken, Brezeln geholt und Kaffee aufgesetzt. Die Wände sind geschmückt mit alten Kinoprogrammen und RHEINPFALZ-Ausgaben aus der Nachkriegszeit. Geschichte in Bildern und Schlagzeilen, und man sieht sich wieder Aug’ in Aug’ mit Konrad Adenauer, John F. Kennedy und „Sissi“-Darstellerin Romy Schneider. Der Laptop spielt Hintergrundmusik: Schlager aus der Wirtschaftswunderzeit und früher Rock ’n’ Roll. Die Gäste des Erzählcafés sind allesamt Frauen, denn das KG war bis weit in die Nachkriegszeit hinein eine reine Mädchenschule.

Marlene, Maja, Emmi und Noemi wandern von Tisch zu Tisch. Die Schülerinnen der achten und neunten Jahrgangsstufe sind Mitglieder der Zeitzeugen-AG „Tacheles“, einer Arbeitsgruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erlebnisse und Emotionen der Ehemaligen für die Nachwelt zu erhalten. Fachlich betreut werden sie dabei von den beiden Englisch- und Geschichtslehrerinnen Anneli Langhans-Glatt und Nicole Holzwarth.

Raumnot und Schichtunterricht

Auf den Tischen haben die Schülerinnen Zettel ausgelegt mit Fragen zu Lieblingsmusik und Lieblingsbuch, Stars, Filmen und Fernsehshows. Die historische Neugier der Jungen auf Schulleben und Alltag von einst trifft auf die Erzählfreude der Gäste. Auf eine 27-jährige Schulzeit zurückblickt Ute Diehl. Sie war von 1949 bis 1955 Schülerin und von 1978 bis 1999 Sekretärin am KG. Diehl erinnert sich an Raumnot in der Nachkriegszeit und erzählt von Schichtunterricht in ausgelagerten Räumen der heutigen Tom-Mutters-Schule am Speyerer Tor. Unterricht war wechselweise vor- oder nachmittags.

Schnell wird klar: Die Schulzeit kann ein ganzes Leben prägen, und auch negative Erinnerungen, etwa an den Sportunterricht, verlieren in der Rückschau ihren traumatischen Schrecken. Einige Gäste haben Erinnerungsstücke mitgebracht. Die Todesanzeige einer kürzlich verstorbenen Sportlehrerin macht die Runde mitsamt einiger Anekdoten. Ulli Gilcher, Abi-Jahrgang 1986, die Jüngste in der Runde, spielt am Flügel die Filmmelodie von „Pippi-Langstrumpf“. Marlene Hilbert, KGlerin von 1951 bis ’57, berichtet aus ihrer Kindheit, als amerikanische Panzer durch Flomersheim rollten. Kuriosa werden lebendig wie das Urteil von Physiklehrer Urban 1961 über eine schlecht ausgefallene Klassenarbeit. „Aufgrund des Schullandheimaufenthalts in Wyk auf Föhr seien die Schülerleistungen stark salzwassergeschädigt“, soll er gesagt haben.

Erste mündliche Abi-Prüfung mit Gitarre

Dass Mädchen in puncto Bildungsabschluss erst allmählich mit den Jungen gleichzogen, daran erinnert Christa Schmitt. Die KG-Schülerin und spätere Englisch- und Geschichtslehrerin musste ihr Abitur 1963 noch „drüben in der Jungen-Schule“ (am Albert-Einstein-Gymnasium) ablegen. Nebenbei: Die erste mündliche Abiturprüfung am KG war 1971 im Fach Musik – abgelegt von Elke Lauer an der Gitarre.

Bei angeregten Gesprächen vergehen zwei Stunden im Nu. Fragepunkte werden bearbeitet, denn hinter den Geschichten sind die Schülerinnen dem Frauenbild der 1950er- und 60er-Jahre auf der Spur. Eifrig werden Notizen gemacht. Die gesammelten Informationen sollen später, systematisiert und aufbereitet, aufgenommen werden ins Schuljahrbuch. Die Ehemaligen sind das Gedächtnis der Schule, ihre Erinnerungen seien, nennt es Schulleiter Christian Bayer, ein Schatz, der auch für künftige Zeiten bewahrt werden soll. Das 250-jährige Bestehen des KG im Jahr 2030 werfe schon jetzt seine Schatten voraus.

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