Frankenthal Baustart mit vier Jahren Verzögerung
Derzeit arbeitet die 1993 gegründete Waldorf-Kita Sterntaler im Untergeschoss der Waldorfschule in der Julius-Bettinger-Straße. Zwei Regelgruppen mit zusammen 50 Plätzen sind dort untergebracht. Seit Jahren werde schon über den Umzug in einen Neubau diskutiert, weil es Nachfrage für ein erweitertes Angebot gebe, sagten Kirsten Ziesche, Vorstandsmitglied des Kita-Trägers, des Waldorfschulvereins Frankenthal, und Geschäftsführer Carsten Felgenhauer im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Künftig soll es auch Raum für zwei Kleinkindgruppen unter drei Jahren (U 3) mit je zehn Plätzen geben. Außerdem will man Betreuung am Nachmittag nicht mehr nur bis 14 Uhr, sondern bis 16.30 Uhr bieten. „Dafür sind zusätzliche Räume nötig“, sagt Kirsten Ziesche. Bei verlängerten Öffnungszeiten könne an die Kita-Kinder Mittagessen ausgegeben werden. Auch die Kita soll damit bieten können, was die Waldorfschule mit ihren rund 410 Schülern schon heute kann: wahlweisen Ganztagsbetrieb, wie er den Bedürfnissen vieler Familien entgegenkommt. Der Kita-Neubau südlich der Schule ist mit Kosten von 1,3 Millionen Euro kalkuliert. Eine Vereinbarung über die Finanzierung auszuhandeln war deshalb schwierig, weil das rheinland-pfälzische Kindertagesstätten-Gesetz dazu nur recht allgemein formulierte Vorgaben macht. Federführend ist das Jugendamt der Kommune, in der die Einrichtung ihren Sitz hat, also Frankenthal. Die Stadt ihrerseits hatte über Kostenbeteiligungen zu verhandeln mit Ludwigshafen, Rhein-Pfalz-Kreis und Kreis Bad Dürkheim. „Bei Kindertagesstätten freier Träger sollen die im Einzugsbereich liegenden Gemeinden entsprechend ihrer Finanzkraft zur Deckung der Kosten beitragen“, heißt es im Gesetz. Die jetzt abschließend zwischen Stadt Frankenthal und Kreis Bad Dürkheim besprochene Kostenverteilung sieht so aus: Frankenthal finanziert maximal 635.000 Euro vor. Die Hälfte davon (317.500 Euro) soll von den drei kommunalen Partnern verteilt auf 20 Jahre übernommen werden. Dabei gilt der Grundsatz: Umlandkommunen zahlen entsprechend ihrem Kinderanteil. Sollten aber, bezogen auf die maximale Gruppengröße, „Plätze leerbleiben, tritt die Stadt Frankenthal ein“, erläutert Bürgermeister Andreas Schwarz die in Details recht komplizierte Kompromissformel. Vom Land erwartet der Waldorf-Trägerverein nach Angaben seines Geschäftsführers 232.000 Euro an Fördergeldern. Den Restbetrag von mehr als 400.000 Euro müsse man selbst schultern. Die lange Zeit der Unklarheit über die weitere Entwicklung hat sich negativ in den Anmeldezahlen der Waldorf-Kita niedergeschlagen. „Nicht zufriedenstellend“ nennt Carsten Felgenhauer die Tatsache, dass derzeit nur noch 35 von 50 Plätzen belegt seien. Davon stammten zehn Kinder aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, fünf aus dem Kreis Bad Dürkheim, vier aus Ludwigshafen. „Vormerkungen“ gebe es 39, sagt Felgenhauer, und darüber hinaus „zahlreiche Anfragen von Eltern, deren Kinder eine Betreuung vor dem dritten Lebensjahr benötigen oder die eine Ganztagesbetreuung erwarten.“ „Es gab Irritationen, wir hatten Differenzen, aber das ist nun klargestellt“, sagt auf Anfrage der Dürkheimer Kreisbeigeordnete Claus Potje (SPD) zum jüngsten Dreier-Gespräch mit Frankenthal und Rhein-Pfalz-Kreis. Der Kreis Bad Dürkheim selbst stehe bei der Kinderbetreuung gut da. Das Waldorf-Projekt in Frankenthal habe da vergleichsweise untergeordnete Bedeutung. Die Waldorf-Verantwortlichen hoffen nun, dass die Vereinbarung der Kommunen möglichst bald abgeschlossen wird. Andernfalls wäre man auch bereit gewesen zu klagen, signalisiert Carsten Felgenhauer. Ein Verfahren vor dem Frankenthaler Stadtrechtsausschuss, das im September 2014 auf der Tagesordnung stand, ist zurzeit „ausgesetzt“. Ärgerlich sei, dass das Landesjugendamt die bereits erteilte Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn wieder zurückgezogen habe – wegen der anhaltenden Differenzen zwischen den kommunalen Zuschussgebern.