Frankenthal Barrierefreies Wohnen wird wichtiger
Die Betriebe der Schreiner-Innung Vorderpfalz mit ihren rund 200 Mitarbeitern profitieren von der starken Baukonjunktur. „Das letzte Jahr war gut“, sagt Helmut Schreider, wiedergewählter Obermeister aus Frankenthal, auch mit Blick auf das eigene Unternehmen. Qualität und individuelle Lösungen seien bei den Kunden gefragt.
Der abgedroschene Werbeslogan „Geiz ist geil“ treffe die Stimmung der meisten Kunden nicht mehr, glaubt Schreider, Chef eines Familienbetriebs mit neun Mitarbeitern im Frankenthaler Norden. Die Auftraggeber erwarteten eine fachlich qualifizierte Leistung, die dann ihren angemessenen Preis haben könne. Über den Umstand, dass in der Baubranche „Ein-Mann-Unternehmer“ mit fragwürdigen Fähigkeiten und Tiefstpreisangeboten unterwegs seien, müssten sich solide arbeitende Fachbetriebe keine großen Sorgen machen. Die Erfahrung zeige: „Qualität setzt sich durch“, sagt der 55-Jährige im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Und die – freiwillige – Zugehörigkeit zur Innung „ist für uns auch ein Qualitätsmerkmal“. Die Schreiner-Innung Vorderpfalz mit ihren 40 Vollmitgliedern im Raum Frankenthal-Ludwigshafen-Speyer sei eine der wenigen, „bei der es keinen Rückgang gibt“, hält der Obermeister mit gewissem Stolz fest. Schreider steht seit 2014 an der Spitze der Innung; zuletzt wurde er im Oktober wiedergewählt. Vize-Chef war er zuvor bereits seit 2006. Fachliche Information der Mitgliedsbetriebe – etwa zu Rechtsfragen – ist ein wesentliches Thema, um das sich die Innung in Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft kümmert. Dieses Engagement koste Zeit, räumt der Frankenthaler ein. Aber man komme dadurch auch früh an wichtige Informationen, stehe im Austausch mit vielen Kollegen „und man profitiert auch von dem, was man lernt“. Schreiders eigener Berufsweg begann 1978 mit der Schreinerausbildung in einem Drei-Mann-Betrieb in Ludwigshafen. Meister ist er seit 1990, den Abschluss als Betriebswirt des Handwerks erwarb er berufsbegleitend 1991. 1994 übernahm er den elterlichen Betrieb in der Beindersheimer Straße, der mittlerweile 53 Jahre besteht. Den „Bau von Möbeln und den Innenausbau generell“ nennt Schreider als seine besonderen Interessengebiete. „Das ist ein sehr vielseitiges Thema“, sagt er. Denn da könne man kaum mit Standardlösungen arbeiten, müsse zusammen mit Kunden individuelle Wege finden – und das sei immer interessant. Das Thema Sicherheit und Schutz vor Einbrechern ist ein Spezialgebiet der Schreinerei Schreider. Der Inhaber verweist darauf, dass sein Unternehmen seit 2010 als Fachbetrieb vom Landeskriminalamt gelistet sei. Dass das Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen Beratung zum Thema anbietet, findet er gut. Diese Arbeit zahle sich auch aus: „Mit der Vorsorge ist es besser geworden“, sagt er. Die Nachfrage nach Sicherheitsprodukten steige. Wohnungen mit Blick auf eine älter werdende Gesellschaft barrierefrei umzugestalten – das ist ein wachsender Markt. Schreider engagiert sich zusammen mit weiteren pfälzischen Handwerkern in der neu gegründeten Gütegemeinschaft lebensgerechte Handwerksleistungen, die solche Leistungen anbietet. Der Trägerverein sei bisher „das einzige Projekt dieser Art in Deutschland“, sagt er. Qualifiziertes Fachpersonal zu finden ist nach Schreiders Erfahrung nicht ganz einfach. Auch darum bildet er regelmäßig aus: Ein Azubi gehört fest zum Personalstamm. Ausbildungsmessen bieten nach seiner Erfahrung gute Gelegenheiten, Nachwuchs zu finden. „Von alleine“ kämen die Bewerbungen heute nicht mehr unbedingt. Gerne nehme er auch engagierte Praktikanten, sagt Schreider. Wenn es passe, könne ein Praktikum zum Ausbildungsvertrag führen. Neben Privatleuten zählt Schreider auch Verwaltungen und viele kleinere und größere Betriebe zu seinen Kunden. Das Geschäft sei „weitgehend konstant“, sagt der 55-Jährige. Zum Umsatz des abgelaufenen Jahres will er keine Zahlen nennen; die aktuelle geschäftliche Entwicklung würde er mit der Note „zwei“ bewerten. Privat setzt sich der dreifache Familienvater, der den Betrieb zusammen mit seiner Frau Christiane führt, für die Frankenthaler Gockelswoog ein, die alljährlich zur Fasnachtszeit Geld für soziale Zwecke erwirtschaftet. In Verbindung mit seinem Beruf ist er auf weiteren Feldern aktiv: als Mitglied der Prüfungskammer, als öffentlich vereidigter Sachverständiger, als Beauftragter des Handwerks für die Stadt Frankenthal, der den Kontakt zur Politik hält, und seit Dezember 2017 auch als Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft.