Frankenthal
B9-Brücke: Baustart im Frühjahr 2024
Bis zu 1200 Lastwagen täglich steuern die im Sommer 2022 in Betrieb genommene Abfertigung Nord des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF im Industriegebiet Im Spitzenbusch an. Dazu kommt weiterer Schwerlastverkehr von und zur Spedition und anderen Betrieben, die dort ansässig sind. Experten sind sich einig: Mit einer Fahrbahnbreite von sechs Metern genügt die vorhandene Brücke den Anforderungen des modernen Güter- und Individualverkehrs nicht mehr. Den aktuellen Verkehrsbedingungen – „länger, größer, breiter, schwerer“ – sei das marode Bauwerk nicht gewachsen, betont Boris Egem, stellvertretender Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Speyer, bei der Vorstellung der Neubaupläne in einer gemeinsamen Sitzung von Planungs- und Umweltausschuss und Ortsbeirat Mörsch am Donnerstag.
Demnach soll es nun relativ flott gehen. Bis Ende des Jahres hofft man beim LBM, einer Baufirma den Zuschlag für das rund 1,2 Millionen Euro teure Projekt geben zu können. Baubeginn könnte dann im März oder April sein, die Bauzeit wird auf neun bis elf Monate geschätzt. Von bisher 9,50 Metern soll das Bauwerk auf 12,90 Meter verbreitert werden, die Fahrbahnbreite wird um einen Meter auf sieben Meter erweitert. An der Gesamtlänge von 37,70 Metern ändert sich nichts. Eine deutliche Verbesserung bringt der Neubau auch für Fußgänger und Radfahrer. Die beliebte und viel frequentierte Strecke nutzen neben Berufspendlern auf dem Rad auch Ausflügler als Verbindung zum Rhein. Ein drei Meter breiter, von der Fahrbahn abgetrennter Fuß- und Radweg – der damit doppelt so breit wie bisher ist – soll künftig an der Südseite für beide Fahrtrichtungen zur Verfügung stehen.
Strecke nach Mörsch monatelang gesperrt
Gebaut wird mit Stahlbeton-Fertigteilen. „Das spart Bauzeit“, erläutert der LBM-Verantwortliche Egem. Zudem könne dadurch während der Arbeiten der Verkehr auf der B9 bis auf wenige Vollsperrungen ungehindert zweispurig fließen. Ein weiteres Plus auf der viel befahrenen Strecke Richtung Mainz und Speyer. Nach jetzigem Stand stehen drei größere Vollsperrungen an. Gleich zu Beginn während der Abbrucharbeiten soll etwa ein Wochenende lang der Verkehr über die A6 weiter zur L523 durch Bobenheim-Roxheim auf die K1 wieder zur B9 umgeleitet. Für die Anlieferung und den Einbau der Fertigteile könnte ein weiteres Wochenende mit Umleitungen nötig sein, der Abbau der Trag- und Schutzgerüste soll etwa einen Tag lang für Verkehrsbehinderungen sorgen. Um den Rettungsdiensten eine schnelle Anfahrt zu ermöglichen, sollen während der Vollsperrungen die Mittelschutzplanken der B9 geöffnet und eine Überfahrtrampe eingerichtet werden.
Massive Einschränkungen gibt es auf der Strecke vom Vorort Mörsch in das Industriegebiet. Der Petersauer Weg bleibt während der gesamten Bauzeit gesperrt, sodass es keine direkte Verbindung mehr gibt. Der Verkehr soll von Norden kommend über die B9 zum Autobahnkreuz der A6 wieder zurück zur B9 und zur Ausfahrt Spitzenbusch umgeleitet werden. Von Süden her ist die Ausfahrt laut LBM ohne Umleitung erreichbar. Die Abfahrt nach Norden sei ungehindert möglich. Wer nach Süden abfahren will, müsse bei der Anschlussstelle Petersau drehen. „Wer sich an die Umleitungen hält, fährt nicht in die Innenstadt“, entkräftet Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) Befürchtungen, dass die Verkehrsbelastung von Anwohnern in Frankenthal steigen könnte.
Neuer Radweg Richtung Rhein
Die Kosten für den Brückenbau trägt das Land, den Anteil für die Erneuerung des Fuß- und Radweges übernimmt die Stadt. Die Rede ist am Donnerstag von 15 Prozent der Gesamtkosten. In der Vergangenheit hatte die BASF wiederholt zugesagt, die Arbeiten finanziell unterstützen zu wollen. Dass sich das nur auf den Fuß- und Radweg beziehen könne, betont Hebich. „Brückenbau ist öffentliche Aufgabe.“
Die Sanierung der Brücke über die B9 soll auch dafür genutzt werden, die Rad- und Gehwegeführung entlang des Petersauer Wegs von Mörsch bis zur Brücke neu zu gestalten. Weil der LBM für seine Planung eine verbindliche Auskunft brauche, wie der Radweg an die Brücke herangeführt wird, stimmen Ortsbeirat und Ausschuss am Donnerstag zunächst über den Abschnitt von der Unterführung der A6 bis dorthin ab.
Grünes Licht gibt es für eine Variante, die zwischen Hundesportplatz und Autobahn entlang führt und bei der keine Querung des Petersauer Wegs nötig ist. Beides erhöhe die Sicherheit Die Planungsleistungen sollen noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden. Ein „Nadelöhr“ ist aus Sicht von Verwaltung und Kommunalpolitik allerdings die Autobahnunterführung. Die Stelle sei unübersichtlich, der Autoverkehr müsse hier einspurig werden oder Radfahrer auf der Fahrbahn fahren, allerdings gebe es weniger Schwerlastverkehr führt OB Hebich aus. Offen ist noch die weitere Streckenführung vom Ortsausgang Mörsch bis zur Unterführung. Hier gebe es noch Klärungsbedarf in der Planung, sie werde später vorgelegt.
