Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Bäume unter Hitzestress: Was bringt der Regen?

Mit solchen direkt am Stamm aufgestellten Säcken, aus denen kontinuierlich Wasser sickert, hat die Stadt Ludwigshafen keine gute
Mit solchen direkt am Stamm aufgestellten Säcken, aus denen kontinuierlich Wasser sickert, hat die Stadt Ludwigshafen keine guten Erfahrungen gemacht.

Bäume in den Städten leiden zunehmend unter Hitzestress. Wie reagieren die Verwaltungen in Ludwigshafen, Frankenthal und Speyer darauf? Und was hat der Regen der vergangenen Wochen im Kampf gegen Trockenschäden gebracht?

Nach einigen heißen und trockenen Wochen hat es zuletzt ausgiebig geregnet. Was bringt das den gestressten Stadtbäumen?

In der Summe nicht viel. Der Starkregen mit viel Niederschlag über einen kurzen Zeitraum sei zu einem guten Teil oberflächig abgeflossen. Die Straßenbäume, deren Wurzelbereich unter Pflasterflächen oder Asphalt liegt, konnten von diesen Niederschlägen kaum profitieren, informiert die Stadt Frankenthal. Tiefere Bodenschichten würden erst durch einen länger andauernden, aber weniger intensiven Landregen erreicht. Zumindest für die Jungbäume, deren Wurzeln noch in den oberen Bodenschichten sind, hätten Regen und sinkende Temperaturen für eine kleine Erholung gesorgt. Der Oberboden sei im Moment bis zu einer Tiefe von 35 Zentimetern durchfeuchtet. Das werde nicht ausreichen, um die Bäume durch den Sommer zu bringen, betont die Speyerer Pressestelle. Zumal bei älteren Bäumen mit dichter Krone nicht die volle Niederschlagsmenge am Boden ankomme.

Wie stark schaden hohe Temperaturen und Trockenheit den Bäumen?

Die Hitze schwächt Bäume. Schädlinge wie Insekten und Pilze haben dann ein leichtes Spiel – was den Baum weiter schwächt, bis er ganz abstirbt. Von rund 500 Bäumen, die in den zurückliegenden fünf Jahren unter anderem wegen Trockenschäden, aber auch aus anderen Gründen, gefällt wurden, berichtet die Stadt Speyer. Zugleich habe man 917 Bäume nachgepflanzt – bevorzugt klimaresistente Arten wie Zelkove und Persischen Eisenholzbaum. In Ludwigshafen wolle man ab diesem Jahr hitze- und trockenheitsbedingte Schäden gesondert dokumentieren, heißt es auf Anfrage. Bislang kann man hier ebenso wie in Frankenthal dazu keine genauen Angaben machen.

Merkt man gleich, wenn ein Baum an Hitzeschäden leidet?

Meist nicht. Häufig sterben die Pflanzen erst im Herbst oder Winter ab oder treiben im nächsten Frühjahr nicht mehr aus. Nach extrem heißen, trockenen Sommern müssten deutlich mehr Bäume gefällt oder Totholz entfernt werden, so die Erfahrung in Speyer. Allerdings sei die Ursachenforschung schwierig, weil auch Wühlmäuse, zu wenige Nährstoffe oder Belastung des Bodens die Pflanzen schädigen. Und selbst Bäume, die in einem Jahr frühzeitig ihr Laub abwerfen, könnten im nächsten Frühling wieder normal austreiben, betont die Stadt Frankenthal. Nicht jedes angewelkte Blatt deute auf einen sterbenden Baum hin, unterstreicht die Ludwigshafener Pressestelle. Ältere Bäume könnten bei Wassermangel einen Teil ihres Laubes fallen lassen, um die Verdunstung zu reduzieren. Bei ausreichender Wasserversorgung würden die Blätter dann wieder durchtreiben.

Werden alle Bäume im Sommer gegossen?

In Ludwigshafen gibt es beispielsweise rund 140.000 Bäume im Stadtgebiet. Nur ein Bruchteil – etwa 2500 – bekommt im Sommer je nach Witterung wöchentlich oder alle zehn Tage Wasser. Wie in Speyer und Frankenthal werden hauptsächlich Jungbäume bis zu einem Alter von drei bis sechs Jahren versorgt. Außerdem werden in Frankenthal 120 Innenstadtbäume, die aus dem Untergrund zu wenig Wasser bekommen, gegossen – in heißen Wochen sogar zweimal zeitgleich mit dem Wechselflor. Etwas längere Abstände lässt man in Speyer: Hier fahren zwei Unimogs und ein Laster mit Gießfässern mit einem Volumen von 3000 bis 5000 Litern alle 14 Tage die etwa 500 Jungbäume an. Pro Gießgang bekommen sie – ähnlich wie in Frankenthal und Ludwigshafen – 75 bis 100 Liter aus dem Brunnen der Stadtgärtnerei.

Gibt es für Extremhitze einen Notfallplan?

In Frankenthal entscheide man tagesaktuell, ob zusätzliche Bewässerungsgänge durch den Eigen- und Wirtschaftsbetrieb oder eine Fremdfirma nötig sind. Anders als in Ludwigshafen beteiligt sich hier ebenso wie in Speyer die Feuerwehr grundsätzlich nicht. Doch auch in der Chemiestadt mussten die Löschfahrzeuge diesen Sommer noch nicht ausrücken. Zusätzlich könne man im Notfall zunächst Fahrzeuge aus anderen Abteilungen zur Unterstützung heranziehen.

Können Bürger auch etwas tun?

Alle drei Städte begrüßen es, wenn Anwohner die Bäume in ihrer Umgebung mitversorgen. Verlassen könne man sich darauf aber gerade in der Urlaubszeit nicht, sagt beispielsweise die Ludwigshafener Verwaltung, die in ihrer Kampagne „Ran an die Kanne“ faltbare Gießkannen für den Einsatz verschenkt. Zehn Liter oder mehr sollten es schon sein, informiert das Frankenthaler Rathaus. Ein feuchter Boden könne auch Niederschlag besser aufnehmen. Und: Weil Bäume auch über die Blätter Feuchtigkeit aufnehmen, könne man auch frühmorgens die Baumkrone wässern. Eher seltener, aber dafür mengenmäßig mehr gießen – diese Faustregel gibt die Domstadt Bürgern an die Hand.

Außer Schlauch und Kanne: Welche Methoden zur Bewässerung gibt es noch?

Weit verbreitet sind sogenannte Bewässerungssäcke mit einem Fassungsvermögen von bis zu 150 Litern, aus denen das Wasser nach und nach heraustropft. Allerdings hat man in Ludwigshafen 2022 die Erfahrung gemacht, dass die Dauerfeuchtigkeit den Stamm schädigt und zu Ameisennestern führen kann. Neu gepflanzte Bäume bekommen jetzt einen Gießring aus Kunststoff, die vorhandenen Säcke werden nach und nach an seitlich stehende Pfähle versetzt.

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