Frankenthal Aus der Tiefe durch den Filter ins Leitungsnetz

Die Leser bestaunen die komplexe Technik – in diesem Fall die zur Filteranlage führenden Rohre.
Die Leser bestaunen die komplexe Technik – in diesem Fall die zur Filteranlage führenden Rohre.

Über den Weg des Trinkwassers von der Förderung in den bis zu 250 Meter tiefen Brunnen bis zum Wasserhahn in den einzelnen Haushalten informierten sich gestern 15 Leser bei einer RHEINPFALZ-Sommertour im Wasserwerk Nord der Stadtwerke. Der Leiter des Werks, Marco Hoffmann, nahm die Besucher mit auf einen Rundgang.

Für die Trinkwasser-Versorgung von rund 70.000 Bürgern in Frankenthal, Bobenheim-Roxheim sowie in Teilen der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim zeichnen die Stadtwerke verantwortlich. Das Wasser für das Stadtgebiet wird im Wasserwerk Nord eingespeist, das seit 1967 in Betrieb ist. Das Verbandsgemeindegebiet wird von einem Brunnen in Großniedesheim versorgt, wo als weit sichtbares Zeichen noch der alte Wasserturm in Betrieb ist. Nicht ganz so alt wie in der Ankündigung zur Sommertour beschrieben sei das Wasser, das in das Verteilernetz gepumpt wird. Statt der auf einer Fehlinformation der Stadtwerke beruhenden 1,5 Millionen Jahre sind es immer noch rund 10.000 Jahre. Elf Brunnen fördern es aus der Tiefe. In der Leitwarte erklärt Marco Hoffmann, welche Anstrengungen unternommen werden, damit die Qualität des Naturprodukts für den Abnehmer makellos ist. Institute überprüfen regelmäßig die Wasserqualität. Dem Wasser werde nichts künstlich zugesetzt, um es zu reinigen, betonte Hoffmann. Rege fragen die Leser nach. Der Nitratwert liege weit unter den geforderten Höchstwerten, stelle für die Stadtwerke kein Problem dar. Die Härte des Frankenthaler Wassers liege zirka bei 13,6 Grad, erklärt der Werkleiter. Das Filtern des geförderten Wassers ist der erste Schritt der Bearbeitung. Das Wasser wird mit Sauerstoff angereichert, damit Ammonium, Eisen und Mangan oxidieren und sich absetzen. Nach einem Durchsatz von jeweils 20.000 Kubikmetern Wasser muss jedes der sechs Filterbecken gereinigt werden – wiederum ausschließlich mit Wasser. Dieses wird in Absetzbecken in der Außenanlage gespült. Das Wasser versickert, der Eisen-Mangan-Schlamm wird vom Eigen- und Wirtschaftsbetrieb (EWF) abgepumpt und verdünnt der Kläranlage zugeführt, weil das Wasserwerk selbst nicht an einen Abwasserkanal angeschlossen ist. Als beim Rundgang an den Absetzbecken aus Lautsprechern eine Tonfolge ähnlich der wie vor einer Durchsage im Strandbad erfolgt, haben mehrere Leser den gleichen Gedanken. Mehrstimmig ist zu hören: „Es ist verboten, von der Seite in das Becken zu springen.“ Rund 13.000 Kubikmeter Trinkwasser lagern am Ende in drei Behältern, mit denen mittels Pumpen das Leitungsnetz gespeist wird. Das entspricht laut Hoffmann in etwa dem Verbrauch der Frankenthaler an einem warmen Sommertag. Viele Vorkehrungen haben die Stadtwerke für den Fall von Störungen getroffen. Die Städte Frankenthal und Ludwigshafen können sich gegenseitig helfen. Einen Übergabepunkt gibt es beim Ranney-Brunnen im Südosten der Stadt. Steuern lässt sich das Wasserwerk nicht nur mit Computern, sondern auch per Hand: im Wasserwerk selbst und aus dem Keller der Stadtwerke heraus. Es gibt eine Chloranlage, sollte das Wasser Keime aufweisen. Sie ist laut Hoffmann noch nie zum Einsatz gekommen. Ein Notstromaggregat steht bereit. Es „frisst“ unter Höchstlast 192 Liter in der Stunde – kein Wasser, sondern Diesel. Einen Tipp hat Hoffmann: Wer in Urlaub war, der sollte nach seiner Rückkehr drei bis fünf Minuten zuhause die Wasserhähne öffnen, damit die Leitungen gespült werden. Denn stehendes Wasser sei anfällig für Verunreinigungen.

Werkleiter Marco Hoffmann erklärt die Funktionsweise der Leitwarte im Frankenthaler Wasserwerk.
Werkleiter Marco Hoffmann erklärt die Funktionsweise der Leitwarte im Frankenthaler Wasserwerk.
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