Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel „Aufwind“: Jobmesse bringt Flüchtlinge und Arbeitgeber zusammen

Mehrere Hundert Geflüchtete und knapp vier Dutzend Arbeitgeber aus der Region fanden im Ludwigshafener Pfalzbau zusammen.
Mehrere Hundert Geflüchtete und knapp vier Dutzend Arbeitgeber aus der Region fanden im Ludwigshafener Pfalzbau zusammen.

Hunderte Kunden des Jobcenters Vorderpfalz sind am Dienstag auf der Suche nach einem Job in den Ludwigshafener Pfalzbau gekommen. Rund 40 Arbeitgeber haben Geflüchtete dort zu individuellen Beratungen empfangen. Wie nahe sich beide Seiten kommen konnten.

„Normalerweise ist da drin Theater.“ Mit dieser Vorstellung der Lokalität bereiten die beiden Betreuer die zehnköpfige Truppe vor, die sich gerade auf den Weg in den Ludwigshafener Pfalzbau macht. „Heute ist dort aber Jobmesse, das ist so eine Art Markt für Arbeit.“ Organisiert hat diesen Marktplatz das Jobcenter Vorderpfalz. Im Vorfeld hat die für Ludwigshafen, Speyer, Frankenthal und den Rhein-Pfalz-Kreis zuständige Behörde ihre rund 5200 als arbeitsfähig registrierten Kunden aus neun Krisenländern auf unterschiedlichen Kanälen eingeladen, mit diversen Arbeitgebern aus der Region und Standesvertretungen in Kontakt zu kommen.

So unterschiedlich die Bedürfnisse Geflüchteter aus der Ukraine, Syrien, Afghanistan oder Nigeria sind, so unterschiedlich sind die Branchen, die jede helfende Hand gebrauchen können. Ihre Tische haben Personalvermittler und Handwerksbetriebe, Krankenhäuser und Pflegedienste aufgebaut. Mit Amazon, der BASF oder McDonalds konnten die Jobcenter-Geschäftsführer Anja Winnefeld und Alexander Hornschuch auch Branchenriesen zur Teilnahme animieren. Um nicht als Publikumsmagnet zu wirken, überragten deren Stände aber nicht die anderer Arbeitgeber.

Geschäftiges Gewusel

Geschäftiges Gewusel herrschte den gesamten Vormittag über im gläsernen Foyer des Pfalzbaus. Mal fungierten Integrationshelfer als Vermittler zwischen ihrer Besuchergruppe und denkbaren Chefs. Mal bewegten sich arbeitssuchende Geflüchtete von sich aus auf die Stände zu – oder deren Betreiber lockten sie mit freundlichem Blick an. Drei bunte Topfpflanzen auf dem Tisch von Stefanie Kerth reichten etwa schon, um Neugierige anzuziehen. „Manche dachten, sie könnten als Zimmerschmuck mitgenommen werden“, berichtete die Ausbildungsleiterin von Gartenleben Borchert. Er hat vor neun Jahren eine Niederlassung in Edigheim eröffnet, in der heute 45 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Caroline Münchbach vom Speyerer Diakonissen-Krankenhaus war eine gefragte Gesprächspartnerin.
Caroline Münchbach vom Speyerer Diakonissen-Krankenhaus war eine gefragte Gesprächspartnerin.
Prüfender Blick: Experten gingen mit Besuchern Bewerbungsunterlagen durch.
Prüfender Blick: Experten gingen mit Besuchern Bewerbungsunterlagen durch.
Auch die BASF war mit einem Stand vertreten.
Auch die BASF war mit einem Stand vertreten.

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Jedenfalls kam man rasch ins Gespräch – und zur Erkenntnis, dass die Arbeit in einer Landschaftsgärtnerei aus mehr besteht als nur Blumen gießen. „Wir arbeiten bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit draußen“, beschrieb Borchert den Alltag. „Wir bilden aus und schulen um“, versuchte sie, die Hemmschwelle hinsichtlich der Qualifikation von Bewerbern zu senken. An einer Jobmesse hat sich Borchert auf Einladung des Jobcenters erstmals beteiligt. „Mit solch einer Resonanz hätte ich nicht gerechnet“, bilanzierte Kerth.

Überrascht von der Resonanz

Überrascht war auch Caroline Münchbach, Beauftragte für die Personalplanung am Speyerer Diakonissen-Krankenhaus. Sie kam unter anderem ins Gespräch mit geflüchteten Ärzten – eine Klientel, die in der Domstadt genauso gesucht wird wie Pflegekräfte. Größtes Vermittlungshemmnis auch in diesen Fällen: Sprachkenntnisse und die Anerkennung von Abschlüssen aus dem Heimatland. Wie kreativ Arbeitgeber zur Überbrückung der Wartezeit werden, zeigt beispielhaft die einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer, während der Mitarbeiter wie Arbeitgeber ein Gespür für Anforderung und Eignung bekommen.

Kontakte knüpfen und einen Überblick erhalten über Bedarf und Voraussetzungen war ein wesentliches, aber nicht alleiniges Merkmal der Jobmesse „Aufwind“. Flankierend konnten Besucher ihre Bewerbermappen mit professioneller Assistenz vervollständigen oder Porträtaufnahmen von einem Fotografen anfertigen lassen. Industrie- und Handelskammer (IHK), die Handwerkskammer der Pfalz und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) informierten in Vorträgen über Ausbildungswege, Anerkennungsverfahren oder Sprachkursangebote. An die 1,5 Milliarden Euro habe der Bund voriges Jahr allein für Kurse zur Integration und Berufsförderung ausgegeben, informierte Dan-Marvin Frosting, regionale Bamf-Kontaktperson für die Vorderpfalz. „Weil wir wollen, dass Sie Deutsch lernen. Das ist Ihre Chance, hier anzukommen.“

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