Frankenthal
Arztpraxen schildern Betrieb in Zeiten von Corona
In der Praxis von Barbara Kliewer lassen es die recht großzügigen räumlichen Verhältnisse zu, dass die Patienten separiert werden und nicht miteinander in Kontakt kommen. Die Eppsteiner Allgemeinmedizinerin, zu der viele ältere Menschen kommen, wickelt den Sprechstundenbetrieb vorwiegend über verschiedene Fenster ab und sorgt dafür, dass ein Sicherheitsabstand eingehalten wird.
Und wie sieht es mit Atemschutzmasken aus? „Wir sind in der glücklichen Lage, auf Restbestände von der Schweinegrippe zurückgreifen zu können“, erklärt Kliewer. Von der BASF sei sie mit Desinfektionsmittel versorgt worden, die Kassenärztliche Vereinigung habe Atemschutzmasken geliefert. Bei Corona-Verdacht würden die Patienten an die Fieberambulanz verwiesen. Tests in der Praxis seien wegen der fehlenden Spezialausstattung – Schutzbrille, Brille, Handschuhe – problematisch.
Kinderarzt Maurer: weniger Vorsorgetermine
Einen leichten Rückgang der Vorsorgeuntersuchungen beobachtet der Frankenthaler Kinder- und Jugendarzt Lothar Maurer. Auch in seiner Praxis ist „Abstand halten“ oberstes Gebot. Bei allen Covid-19-Verdachtsfällen sei das Testergebnis negativ ausgefallen. An Schutzmasken herrsche bei ihm kein Mangel, Desinfektionsmittel habe er über die Stadtklinik bekommen, berichtet Maurer.
Bei der im Pilgerpfadgebiet praktizierenden Allgemeinmedizinerin Nicole Pöhlchen wurden in den vergangenen Wochen wegen der Corona-Pandemie viele Termine abgesagt. „Hauptsächlich die chronisch Kranken haben Angst“, stellt sie fest. Ein Praxisbesuch sei einigen zu riskant. Mehr als fünf Patienten dürften sich nicht gleichzeitig in den Räumen aufhalten. Zuvor bekämen sie Fieber gemessen und müssten sich die Hände desinfizieren.
Hausarzt Lang: Patienten diszipliniert
Von der Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen, haben bei ihr Patienten wiederholt Gebrauch gemacht. „Dabei wird der vom Deutschen Hausärzteverband entwickelte Katalog abgefragt.“ Aufgrund der geschilderten Symptome seien manche Patienten auch direkt an die Fieberambulanz verwiesen worden. Was den Infektionsschutz betrifft, hat Nicole Pöhlchen rechtzeitig vorgesorgt und sich über ihr Gesundheitsnetzwerk mit ausreichend professionellen Mund-Nasen-Masken (FFP2) eingedeckt.
„Wir schleusen unsere Patienten einzeln und mit Abstand in die Praxis“, beschreibt Claus Lang die gegenwärtige Situation und lobt gleichzeitig das disziplinierte Verhalten, das bei den Jüngeren stärker ausgeprägt sei als bei den Senioren. „Die persönlichen Kontakte sind weniger und deutlich kürzer geworden“, sagt der in Beindersheim niedergelassene Mediziner. Vieles werde am Telefon oder per E-Mail erledigt. Auch Krankschreibungen, die glaubhaft klangen, seien auf diesem kontaktlosen Weg erfolgt. Einige Patienten hätten ihm aus ihrem privaten Fundus Schutzmasken zur Verfügung gestellt und erklärt: „Ihr braucht sie dringender als ich“, berichtet Lang.
Kardiologin Guth: Leute haben Angst, sich anzustecken
Dass in der Corona-Krise die Patientenzahlen in ihrer Praxis zurückgegangen sind, beobachtet die Frankenthaler Kardiologin Angelika Guth mit einiger Sorge. „Aus Angst vor einer Ansteckung gehen die Leute nicht mehr zum Arzt und nehmen ihre Krankheit nicht ernst genug.“ Auch in vielen Krankenhäusern sei es zu einem Rückgang der zu versorgenden Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten gekommen, schildert Guth. Als Landesvorsitzende im Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) macht sie sich die Forderung ihrer Berufsorganisation zu eigen, die Fachpraxen, die ihren Betrieb teilweise auf das Nötigste heruntergefahren hätten, adäquat mit Schutzkleidung auszustatten. Die Lieferung von Masken laufe langsam an, Desinfektionsmittel habe sie von der BASF bekommen, informiert Guth.
Positiv überrascht über das Verständnis seiner Patienten und die vielfältigen Hilfen auf lokaler Ebene zeigte sich Ulrich Geibel. „Wir führen unsere Praxis derzeit vom Fenster aus“, sagt der Lambsheimer Allgemeinmediziner. Bei einem Corona-Verdacht würden die Patienten gleich weitergeleitet, da er nicht über die für Abstriche notwendige Schutzkleidung verfüge. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt klappe gut, für eine Fieberambulanz gebe es in Lambsheim keinen Bedarf, erklärt Geibel. Für chronisch Erkrankte stelle er auch ohne Praxisbesuch Atteste aus. Und bei hoher Infektanfälligkeit könnten sich Arbeitnehmer weiterhin telefonisch krankschreiben lassen.