Mannheim
Ansichten vom Freund und Helfer: REM zeigen Ausstellung zu Polizeifotografie
Bilder von und mit der Polizei werden meist mit einem Tatort, mit Verbrechen in Verbindung gebracht. Aber es gibt auch eine andere Seite: Beamte auf der Kirmes, beim Pizzaessen oder als Geleitschutz für Enten. Eine Fotografie-Ausstellung im Zephyr widmet sich einem Polizeibild fern der Gewalt, sie möchte sich dem Alltag, den Menschen hinter der Uniform nähern. Mit Aufnahmen, die von Beamten selbst „geschossen“ wurden. Ganz ohne künstlerischen Hintergedanken. Eröffnet wird aber erst im Herbst.
Erst am 8. November wird die Schau „Polizeifotografie – vor und hinter der Absperrung“ im Raum für Fotografie (C4,12) eröffnet. Doch schon jetzt gibt es im Zephyr der Reiss-Engelhorn-Museen eine große Pressekonferenz. Knapp 1.000 persönliche Bilder, welche Polizeibeamte aus Baden-Württembergs hochladen konnten, wurden von Kuratorin Stephanie Herrmann bereits gesichtet. Ein erster Einblick zeigt eine überraschende und ehrliche Vielfalt: von der klassischen Spurensicherung über kuriose Unfälle. Vom freundlichen Zuwinken beim Southside-Festival bis zum schlammigen Einsatz in Lützerath zur „Räumung“ von Umweltaktivisten.
Skurrile Schnappschüsse abseits des Spektakulären und Brutalen
Manche Bilder seien „mit dem Handy aus der Hüfte geschossen“: etwa beim AfD-Parteitag in Offenburg 2023, als über 50 Beamten verletzt wurden. Dann gibt es wieder skurrile Schnappschüsse abseits des Spektakulären und Brutalen: ein Streifenwagen, der vorm EM-Stadion zum provisorischen Public Viewing am Laptop wird, mit „zwischenmenschlichen Momenten“, die das Leben schreibt. Oft positiv, teils berührend, und in ihrer Absurdität auch mal zum Schmunzeln. Etwa beim Kita-Besuch samt Bobby-Car-Fahrtraining.
Mit der Ausstellung möchte man Hemmschwellen und Vorurteile abbauen, auch den gewöhnlichen Beamten-Alltag zeigen, einen menschlichen Blick hinter die Kulissen werfen, aber auch ein Bewusstsein für die Komplexität und Gefahren des Polizeiberufs schaffen. „Als Polizist wird man mit der ganzen Bandbreite an Lebenssituationen und Emotionen konfrontiert. Zwischen Hochgefühlen und unsagbarem Leid, höchster Anstrengung und totaler Erschöpfung, freundlichen Danksagungen und bösen Beleidigungen, selbstlosem Engagement und eigener Hilflosigkeit. Je nach Einsatzlage kann die Welt von der einen auf die andere Minute eine andere sein. Das hat der Tod von Rouven Laur gezeigt“, sagt der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl, der zuletzt eher zu anderen, traurigen Anlässen gen Mannheim reiste.
Die menschliche Seite, unverstellt, aus der Eigenperspektive
Die Idee für die Ausstellung aber reifte schon vor dem tragischen Tod des Mannheimer Polizisten. Schon 2007 blickte das Zephyr mit dem Format „Spurensuche“ auf die Polizeifotografie. „Aber das war sehr tatortbezogen. Nun zeigen wir mehr die menschliche Seite, unverstellt, aus der Eigenperspektive, mit Bildern abseits der öffentlichen Wahrnehmung. Die Fotos sind alle in situ, authentisch, ohne Drehbuch oder Skript“, betont Herrmann. Insbesondere aus dem Mannheimer Präsidium seien viele Bildvorschläge eingegangen, der Prozess aber noch nicht abgeschlossen.
Für Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht ist es fast verwunderlich, warum Polizeifotografie so schwer Zugang in die Kunstwelt findet. „Man denkt schnell an Fahndungsbilder, wie die der RAF-Terroristen in den 70ern“, betont er. Tatsächlich gab es schon ab 1843, vier Jahre nach der Geburtsstunde der Fotografie, die ersten polizeilichen Steckbriefe und Personenkarten, wurden Strafgefangene vor ihrer Entlassung porträtiert und erkennungsdienstlich erfasst. Schon ab den 1890ern etablierte sich die Tatortfotografie als eigenes Spezialgebiet.
Lange Kooperation zwischen Museum und Polizei
Und doch: Museum und Polizei - für gewöhnlich finden diese beiden Suchbegriffe eher bei einem Kunst- oder Schmuckraub zueinander. Tatsächlich aber bestehe schon lange eine Kooperation zwischen dem Rem und dem Institut für Kriminaltechnik. „Zur Erforschung von Knochenfunden oder Blutspuren wird unsere Archäometrie genutzt. Die Tatorte der Vergangenheit haben wir also im Griff und uns die Ausstellung redlich verdient“, sagt Wilfried Rosendahl, der Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim.
Ein großes Begleitprogramm soll es für die bis zum 27. Juni 2027 währende Ausstellung geben. Dem Museumsleiter schwebt unter anderem ein Polizeifest auf dem Toulon-Platz vor. Im Anschluss solle die mit vermutlich 120 Bildern gespickte Schau auch in andere Museen weiterwandern.