Frankenthal „Angebot eine Provokation“
„Das Angebot der Arbeitgeber war kein Angebot, sondern eine Provokation.“ So hat der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal, Günther Hoetzl, beim DGB-Treffen am Dienstagabend den Auftakt der aktuellen Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie gekennzeichnet.
Obwohl die Wirtschaft boome und die Unternehmerseite zugebe, dass die geforderte Tariferhöhung für sie kein Problem darstelle, wolle sie in Sachen Arbeitszeit nicht mit sich reden lassen, sagte Hoetzl. „Der Knackpunkt sind die 28 Stunden“, verdeutlichte der Betriebsratsvorsitzende des Frankenthaler Maschinenbauers Howden Turbo GmbH, Hilmar Feisthammel. Neben sechs Prozent Lohnerhöhung fordert die IG Metall die individuelle Möglichkeit, auf 28 Stunden Arbeitszeit in der Woche zu gehen und das Recht, wieder in die Vollzeit zurückzukehren. Dies solle Beschäftigten mit besonderer Arbeitsbelastung, wie beispielsweise Schichtarbeit, aber auch bei Erziehungszeiten oder häuslichen Pflegeleistungen inklusive eines Lohnausgleiches gewährt werden. Zufrieden zeigte sich Hoetzl mit der Beteiligung an den Warnstreiks. 18 habe es bisher im Bereich der Geschäftsstelle gegeben. Gefreut habe er sich besonders, dass die Frankenthaler Bender-Werke, die nicht der Elektro- und Metallindustrie, sondern dem Bereich Holz und Kunststoff angehören, ebenfalls gestreikt hätten. Nun plane man die zweite Warnstreikwelle, dazu auch Demonstrationen durch die Städte. Sollte nächste Woche keine Einigung zustandekommen, werde man in der letzten Januarwoche zu einer neuen Arbeitskampfform greifen. Dann soll in jedem Geschäftsstellenbereich in einem Betrieb ein 24-stündiger Warnstreik stattfinden. Auch bei der IG Bau-Agrar-Umwelt (BAU) wird ab dem 7. Februar über Lohnerhöhungen verhandelt. Der Bezirksvorsitzende von Rheinhessen-Vorderpfalz, Rüdiger Wunderlich, berichtete von einem Plus bei den Auftragseingängen von 15,8 Prozent im ersten Halbjahr 2017. „Die Betriebe schieben drei Monate die Aufträge vor sich her“, sagte er. Auf manche Ausschreibungen würden gar keine Angebote mehr abgegeben. Die Gewerkschaft fordert für das Bauhauptgewerbe neben einem 13. Monatsgehalt sechs Prozent mehr Lohn. Außerdem solle die Wegezeit als Arbeitszeit bezahlt werden. Die Fahrten zur Baustelle würden immer länger. Da sei es nicht akzeptabel, dass sie nur der Fahrer des Busses vergütet bekomme. Für Auszubildende fordere man die Übernahme der Ausbildungskosten durch die Unternehmen, ebenso eine Übernahmegarantie nach Abschluss der Lehre. Im diesem Frühjahr stehen auch Betriebsratswahlen ins Haus. Bei der IG Metall seien die meisten Wahlgänge im März, erklärte Hoetzl. Auch bei Renolit SE werben im Frühjahr Mitglieder der IG Chemie, Bergbau und Energie (BCE) um das Vertrauen ihrer Kollegen, bei der Frosta AG in Bobenheim-Roxheim Angehörige der IG Nahrung, Gaststätten und Genuss (NGG). Bei Amazon, wo am 1. April der Betrieb aufgenommen werde, müsse man sich noch etwas Zeit lassen, bis die Kollegen im Betrieb „angekommen“ seien und man einen Überblick über die Lage habe, sagte der DGB-Stadtverbandsvorsitzende Rüdiger Stein. Es seien ja bei Betrieben ohne Betriebsrat jederzeit Wahlen möglich. Eine Werbeaktion für die Wahl von Betriebsräten solle ebenfalls wieder stattfinden. Günther Hoetzl warb dafür, diese bei Betrieben ohne Betriebsrat zu machen. Immerhin gebe es Betriebe mit mehreren Hundert Beschäftigten in der Region, die keine Arbeitnehmervertretung hätten. Ein Gespräch des DGB-Stadtverbandes mit Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) wird es am 14. März geben. Neben den Arbeitnehmerbelangen sollen auch sozialpolitische Themen angesprochen werden – so der Armuts- und Reichtumsbericht der Stadt, der, so Stadtratsmitglied David Schwarzendahl (Linke), mittlerweile vorliege. Auch der Mangel an bezahlbarem Wohnraum für weniger gut Betuchte sei ein schwerwiegendes Problem, auf das man Hebich ansprechen wolle, bemerkte Rüdiger Stein. Zum Internationalen Frauentag wolle man am 7. und 8. März wieder fair gehandelte Rosen verteilen.