Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Amazon-Logistikzentrum in Frankenthal: Luftige Experimente beim Eintüten

Amazon-Standortleiterin Nicole Stöber erläutert den RHEINPFALZ-Lesern die Abläufe bei der Inventarisierung.
Amazon-Standortleiterin Nicole Stöber erläutert den RHEINPFALZ-Lesern die Abläufe bei der Inventarisierung.

Wie kommt meine Amazon-Bestellung in den Versand? Und müssen Mitarbeiter wirklich jede Verpackung selbst öffnen? 40 RHEINPFALZ-Leser hatten viele Fragen im Logistikzentrum.

Frischer Wind im Amazon-Logistikzentrum – das tut der Unternehmensentwicklung immer gut. An einer Packstation am Römig weht er schon mal testweise. Genauer gesagt, fließt dort ein Luftschwall in die Öffnung einer Papiertüte des Versandhändlers. Der Vorteil: Sie muss nicht mehr von Hand auseinandergezogen werden. Ein Arbeitsschritt entfällt, und die Fingerspitzen der Mitarbeiter, die eine flachgepresste Tüte nach der anderen aufbekommen müssen, würden geschont. Andererseits stünden die Luftstoß-Verpacker permanent im Zug an der nicht gerade leisen Konstruktion.

Standortleiterin Nicole Stöber ist nach den ersten Rückmeldungen zum assistierten Eintüten noch zu keinem abschließenden Meinungsbild gekommen, ob diese denkbare Innovation in einem Segment der Verpackungsstation systematisch zum Einsatz kommen soll. Frankenthal ist einer von europaweit drei Standorten, der Erfahrungswerte mit dieser potenziellen Prozessoptimierung einspeisen soll. Er ist nicht zum ersten Mal Pilot in Sachen Verpackungseffizienz: Vor zwei Jahren ist hier, im spanischen Sevilla und im englischen Bristol getestet worden, wie stabil bestimmte Artikel verschickt werden können, die nicht mehr in einem Karton ausgestopft, sondern in eine Papiertüte gesteckt werden.

18 Kilometer Förderbänder

Vier von zehn Bestellungen kommen heute in die Tüte. Jede zehnte kommt ganz ohne Umverpackung aus, weil die Originalverpackung des Herstellers schon stabil genug ist. Diese Resultate können im Frankenthaler Logistikzentrum auch deshalb erzielt werden, weil von dort nur solche einigermaßen handliche Artikel an die Amazon-Sortier- und Verteilzentren weitertransportiert werden, die in die schwarzen Transportkisten passen, die innerhalb der 88.000 Quadratmeter fassenden Halle am Römig unermüdlich auf Fließbänder gesetzt werden. Die Förderanlagen addieren sich auf 18 Kilometer. Größere und sperrigere Artikel werden nicht in Frankenthal eingelagert.

Aufblasbare Papiertüten: Nicole Stöber an der neuen Teststation im Logistikzentrum.
Aufblasbare Papiertüten: Nicole Stöber an der neuen Teststation im Logistikzentrum.

Zwischendurch nimmt sie immer wieder einer der insgesamt 2200 Amazon-Mitarbeiter in die Hand. Sei es, um sie zunächst im Wareneingang zu erfassen und in das Regalsystem einzusortieren. Sei es, um sie nach einer Online-Bestellung herauszufischen und für den Warenausgang vorzubereiten. Dazwischen läuft eine ausgeklügelte und weitgehend automatisierte Logistik ab, die aus einer chaotischen Lagerhaltung eine zeitoptimierte Paketaussendung macht.

2200 Mitarbeiter, 3000 Roboter

Von einem Teil dieser komplexen Arbeitsabläufe konnten sich am Tag der Logistik 40 RHEINPFALZ-Leser selbst ein Bild machen. Standortleiterin Nicole Stöber höchstselbst führt die beiden Gruppen durch zwei der drei Etagen und beantwortet mehr Fragen als im Zeitbudget zunächst vorgesehen war. Vereinfacht gesagt, kooperiert das Gros der 2200 Mitarbeiter mit 3000 Robotern, um angelieferte Waren einzulagern und zu kommissionieren. Im Schichtbetrieb wird an sechs Tagen in der Woche die Versandmaschinerie in Gang gesetzt, sobald eine Online-Bestellung aufgegeben worden ist. Das Logistikzentrum in Frankenthal, eines von bundesweit 23, kann sich anteilig aus einem Bestand von 16 Millionen vorrätigen Artikeln bedienen.

Auf dem Weg zum Warenausgang: Gut zwei Stunden waren die Leser auf zwei Etagen unterwegs.
Auf dem Weg zum Warenausgang: Gut zwei Stunden waren die Leser auf zwei Etagen unterwegs.

Dann setzen sich diese stillen Zuarbeiter im Betrieb, steuern aus 39.000 Regalen das korrekt befüllte an und fahren es an die Gitterwand, an der ein Amazon-Mitarbeiter den Artikel aus dem beleuchteten Fach übernimmt. Mensch und Maschine kommen sich nicht in die Quere, die Labyrinthe aus Regalen kämmen ausschließlich die stummen Diener ab. Ihre Gegenüber aus Fleisch und Blut stehen an ihrer Station, folgen den Anweisungen auf Monitoren oder aus Lichtsignalen. Artikel um Artikel, hoch konzentriert. Würde eine Handbewegung nicht routiniert erfolgen, wäre die Elektronik irritiert. Präzision und Timing sind das Geschäftsmodell des Online-Versands.

Darauf werden die Mitarbeiter aus über 90 Nationen geschult, 75 Prozent sind in Frankenthal unbefristet beschäftigt. „Es ist ein körperlich harter Job“, räumt sie vor den RHEINPFALZ-Lesern ein. Auch deshalb würden sie über Mindestlohn bezahlt, am Römig sind es im ersten Jahr derzeit 16,05 Euro. Weiterbildungen und Schulungen, etwa zum Erwerb eines Lkw-Führerscheins, seien nicht nur erwünscht, sie würden auch gefördert. An Infotafeln wird immer wieder für die anstehende Betriebsratswahl geworben, die Stöber ausdrücklich begrüßt.

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