Interview
Ahmadiyya-Präsident: Moschee ist Ort der Zusammenkunft für die ganze Stadt
Der große Tag steht unmittelbar bevor. Welche Bedeutung hat der 9. September für Sie und für die Frankenthaler Ahmadiyya-Gemeinde?
Die Bedeutung ist immens. Wir hatten ja schon die Grundsteinlegung vor sieben Jahren. Mit der Feier jetzt ist aber der letzte große Meilenstein für dieses Projekt erreicht. Die Vorfreude ist sehr groß – vor allem natürlich, weil das Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat anreist, um die Moschee offiziell einzuweihen. Wir möchten diesen Anlass nicht nur mit unserer Gemeinde feiern, sondern auch mit Gästen aus Gesellschaft und Politik. Mit Blick auf den Termin nehmen die Aufgaben gerade zu. Die Verantwortung ist groß.
Ich stelle es mir komplex vor, eine Feier mit einem derart prominenten Gast zu organisieren. Wie lang war der Vorlauf bei der Planung?
Gar nicht so lang, etwa zwei bis drei Monate vorher stand der Termin fest. Wir werden von unserer Zentrale in Frankfurt unterstützt. Während seines Aufenthalts in Deutschland weiht Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad insgesamt fünf Moscheen ein – Frankenthal ist eine davon. Ansonsten gibt es verschiedene Abteilungen, die jeweils für ein Thema zuständig sind beispielsweise für das Catering, für das Erstellen der Einladungen. Aber auch lokal gibt es – wie gesagt – viele Aufgaben. Wir haben die Kontakte vor Ort. Wir treffen die Vorbereitungen auf dem Grundstück der Moschee und deren festliche Einrichtung.
Die Feier findet an zwei Örtlichkeiten statt: im Congress-Forum und an der Moschee selbst.
Ja, genau. Die Veranstaltung an der Moschee ist interner Natur. Da ist nur die Gemeinde eingeladen. Der Kalif wird sich die Moschee zeigen lassen, das Gebet dort leiten, einen Baum pflanzen und kleine Geschenke an die Kinder verteilen. Außerdem wird natürlich der große Moment in Bildern festgehalten. Und dann geht es zum Festakt in Richtung Congress-Forum.
Wie aufgeregt sind Sie als Präsident der hiesigen Gemeinde vor diesem Tag? Begegnungen wie diese gibt es ja nicht alle Tage …
Da ist einerseits Vorfreude, andererseits natürlich auch Adrenalin. Freude darüber, dass wir von unserem Kalifen beehrt werden, Adrenalin angesichts der Herausforderung, dass alles auch möglichst reibungslos klappt.
Ihre Gemeinde nutzt die Noor-Moschee schon eine Weile. Wie gut haben Sie sich dort eingelebt?
Sehr gut. Das neue Gebäude ist Luxus im Vergleich mit den räumlichen Verhältnissen zuvor. Wir können uns dort viel besser entfalten. Wir können Programme parallel stattfinden lassen. Vor allem die Frauen haben dort ihren Freiraum. Wir haben eine Küche. Das vereinfacht doch vieles. Und nicht zuletzt: Wir können uns auch besser nach außen repräsentieren, viel aktiver. Die Tage der offenen Tür am neuen Standort waren sehr gut besucht, genauso wie unser Jubiläumsempfang, der auf großes Interesse gestoßen ist. Wer die Moschee besuchen möchte, ist jederzeit willkommen.
Hat sich das auch schon in der Anzahl der Mitglieder Ihrer Gemeinde bemerkbar gemacht?
Wir haben schon Zulauf bekommen – schätzungsweise zwischen 50 und 70 neue Mitglieder. Da spielt der Neubau, das Gefühl zum Beten in eine richtige Moschee zu kommen und nicht in einen gemieteten Raum, durchaus eine Rolle.
Das Fest wird mit vielen Gästen aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben Frankenthals stattfinden. Wollen Sie die Kontakte in diese Bereiche intensivieren?
Wir haben schon zahlreiche Zusagen von Bundes- und Landtagsabgeordneten und Stadtratsmitgliedern vorliegen, aber auch aus Kirchen und Vereinen. Wir rechnen insgesamt mit 300 bis 400 Gästen. Unser Blick geht da durchaus auch in die Region: Rhein-Pfalz-Kreis, Mannheim, Bad Dürkheim, Ludwigshafen, Worms. Auch sonstige Interessierte können sich gerne anmelden. Wir möchten damit zeigen, dass die Gemeinde mit ihrer Moschee Teil Frankenthals ist. Das Gebäude ist nicht nur als Moschee für Muslime gedacht, sondern als Ort der Zusammenkunft für ganz Frankenthal.
Bei einem derart prominenten Ehrengast steht auch das Thema Sicherheit ganz oben. Sind Sie darin auch involviert oder ist das im wesentlichen Angelegenheit der Deutschland-Zentrale im Zusammenspiel mit Behörden?
Wir sind lokal auch beteiligt, haben das Ordnungsamt und die Polizei bei einem Treffen über Pläne und Ablauf informiert. Wir kooperieren da sehr gut miteinander.
Kontakt
Eine Anmeldung für die feierliche Einweihung der Noor-Moschee im Congress-Forum am Samstag, 9. September, ab 17 Uhr ist im Internet unter www.noor-moschee.de/anmeldung oder telefonisch unter der Nummer 0176 43641938 möglich. Für das leibliche Wohl wird gesorgt sein.
Zur Sache
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist eine Ende des 19. Jahrhunderts in Indien gegründete islamische Glaubensgemeinschaft mit weltweit nach eigenen Angaben „vielen zehn Millionen“ Mitgliedern. Für Deutschland gibt sie die Zahl ihrer Mitglieder mit rund 50.000 an. Die Frankenthaler Noor-Moschee („Haus des Lichts“) ist eins von rund 70 Gebetshäusern in Deutschland und seit April vergangenen Jahres in Betrieb. Das mehr als eine Million Euro teure Projekt wurde im Wesentlichen über Spenden finanziert. Die hiesige Gemeinde mit aktuell rund 300 Mitgliedern gibt es seit 1984. Religiöses Oberhaupt der Ahmadiyya-Muslime ist Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (72), der die Gemeinde von Großbritannien aus führt.