Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel A-Klasse: Die Bilanz der DJK SW Frankenthal

Wenigstens im Pokalwettbewerb gab es Grund zum Jubel bei Schwarz-Weiss Frankenthal. In der Punktspielrunde sah das anders aus.
Wenigstens im Pokalwettbewerb gab es Grund zum Jubel bei Schwarz-Weiss Frankenthal. In der Punktspielrunde sah das anders aus.

Der Gewinn des Kreispokals war das Glanzlicht der Saison für den Fußball-A-Klassisten Schwarz-Weiss Frankenthal. Mehr Schatten als Licht gab es dagegen in der Meisterschaftsrunde: Auf dem vorletzten Platz startete die Mannschaft in die Aufstiegsrunde und beendete sie auch ebenda. Seine Enttäuschung darüber kann und will Trainer Tim Graf nicht verbergen. Nun stehen Veränderungen an.

Die Schwarz-Weißen sind Stadtgespräch in Frankenthal, wenn es um das Thema Fußball geht. Und das hat zwar auch, wie Trainer Tim Graf betont, mit dem Blick auf die vergangene Saison zu tun, mehr jedoch mit dem Blick in die Zukunft. Es sind die Verpflichtungen des Vereins, die aufhorchen lassen und wohl insbesondere den „Marktführer“ der Stadt im Ostparkstadion nicht amüsieren: Uwe Rebholz, Patrick Correll (beide 33 Jahre), Pascal Liam Spiegel (20), Marvin Bonomo (21) und Florian Braun (29) haben in der abgelaufenen Saison für den Bezirksligisten VfR Frankenthal gekickt.

Vom VfR wechselte auch vor zwei Jahren Tim Graf als Trainer an die Frankenstraße. Grund, dass er zu Schwarz-Weiss wechselte, sei die mangelnde Wertschätzung seitens der Vereinsführung beim VfR gewesen. Ähnliche Gründe macht Graf nun auch bei den genannten Spielern aus, die den Sprung vom Ostparkstadion zu den Schwarz-Weißen, verbunden mit dem Abstieg in die A-Klasse, wagen.

Haltenbergers Abgang scheinbar kein Problem

Ein direktes Aufeinandertreffen beider Teams wird es in der Saison 2022/23 in der Meisterschaft nicht geben. Das Ziel mit der neuen Mannschaft sei aber ganz klar der Aufstieg in die Bezirksliga, sagt Graf. Der Abgang von Maximilian Haltenberger zum SC Bobenheim-Roxheim könne mit den Neuzugängen kompensiert werden, glaubt Graf.

Denn die VfR-Spieler sind nicht die einzigen, die neu an der Frankenstraße sein werden. Das erfolgreiche Footvolleyball-Team, bestehend aus Dennis Weber, der zuletzt bei A-Klasse-Aufsteiger TuS Dirmstein aktiv war, und Mitch Weber, wurde verpflichtet. Vor allem Dennis sei ein „Goldgriff“, freut sich Graf, der davon Wind bekommen hatte, dass dieser wieder einsteigen wollte und sofort die Angel auswarf. Weitere Erfahrung holt sich Schwarz-Weiss mit Allrounder Sven Otto (33) und Außenverteidiger Orhan Olgun (30) ins Team, die beide vom SV Schauernheim kommen. Dass diese Umwälzungen selbst in der A-Klasse nicht ohne finanziellen Einsatz zu bewältigen sind, das ist jedem Fußballkenner klar. „Wir haben uns neu aufgestellt, einen Sponsor gewonnen“, sagt Graf, ohne dessen Namen nennen zu wollen.

Schwächen in der Abwehr und zu wenig Erfahrung

Dass aus vielen Namen nicht zwingend eine Mannschaft werden muss, das hat Schwarz-Weiss bereits erlebt. „DJK Schwarz-Weiss Frankenthal geht nach einer schweren Saison, in der der Klassenerhalt trotz klangvoller Namen wie Selim Teber und Sejad Salihovic letztlich erst am Ende durch den Corona-Abbruch sicher war, in eine neue Zeit. Die Frage ist nicht, wer neu zum Team kam, die Frage ist eher: Wer ist geblieben?“, so hieß es in der RHEINPFALZ-Vorschau vor der Saison 2020/21.

All die aktuellen Umwälzungen haben mit der vergangenen Saison zu tun und machen deutlich, wo Graf die Schwächen sah: in der Unerfahrenheit und im Abwehrverhalten. Dass Schwarz-Weiss den Kreispokal gegen die TSG Eisenberg (4:2) gewonnen hat, war für den ehrgeizigen Trainer Tim Graf lediglich ein Trostpflaster. Mit der Präsentation seiner Mannschaft in der Meisterschaft war er nach eigener Aussage überhaupt nicht zufrieden.

Heßheim-Pleite als Knackpunkt

Als Beispiel nannte er die enttäuschende Niederlage beim ASV Heßheim zum Auftakt in die Aufstiegsrunde, nachdem sich Schwarz-Weiss zuvor im Kreispokal-Halbfinale, dem ersten Pflichtspiel 2022, so gut präsentiert hatte, kampfstark und lauffreudig aufgetreten war. „In Heßheim haben wir dann katastrophal gespielt. Da hat es an allem gefehlt. Die Mannschaft zeigte keine Laufbereitschaft“, kritisiert Graf. Das habe er deutlich angesprochen. Vielleicht war Graf auch deswegen so enttäuscht, weil spätesten da klar war, dass nach vorne für die DJK in dieser Saison nichts mehr gehen wird. Nur eine Siegesserie hätte geholfen.

Doch bei der Stange halten konnte er seine Spieler nur bis zum Kreispokalsieg. Danach setzte es Niederlagen gegen die DJK Eppstein (2:5), die TSG Eisenberg (4:6), den SV Obersülzen (0:1), und erneut gegen den ASV Heßheim (1:2). Erst in den letzten beiden Spielen berappelten sich die Schwarz-Weißen wieder, dann aber richtig: dem 8:1 gegen Eisenberg folgte ein 8:3 gegen die DJK Eppstein. Doch Tim Graf relativiert diese Erfolge. Bei beiden Gegnern sei am Ende der Saison die Luft ebenfalls raus gewesen. „Wir haben das zu diesem Zeitpunkt vielleicht ein bisschen besser gemacht“, konstatiert er ein Stück weit ernüchtert. Es waren eben auch nur diese sechs Punkte, die Schwarz-Weiss in der Aufstiegsrunde geholt hat.

Tabellenplatz nagt am Ego des Trainers

Aber der vorletzte Platz, er nagt am Trainer. „Da habe ich uns leistungsmäßig nicht gesehen, knapp vor Eisenberg und hinter Amed Ludwigshafen. Ich hätte schon gedacht, dass wir uns deutlich weiter oben einreihen können“, betont Graf beim Blick auf das Tableau.

Kommentar von Stefan Tresch: Neuer Kurs birgt Risiko

Eine halbe Mannschaft „pflückten“ die Schwarz-Weißen beim Nachbarn VfR Frankenthal, der bereits in der Bezirksliga kickt. Damit ist die Richtung vorgegeben. Den sportlichen Erfolg zu suchen, das ist normal. Doch klar ist aber auch: Viele der in der vergangenen Saison für den Verein eingesetzten „eigenen“ Spieler werden keinen Platz mehr in der neuen Mannschaft finden. Die Begehrlichkeiten, finanziell zu profitieren, werden bei anderen Spielern wachsen. Die Konkurrenz ist groß. Aus der Bezirksliga kommen die Absteiger SC Bobenheim-Roxheim und ASV Maxdorf in die A-Klasse dazu. Das Spiel ist auch riskant. Bleibt der Erfolg aus, zieht sich der Sponsor zurück. Dann werden die Spieler gehen und es droht der Absturz.

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