Motorsport
24 Stunden von Spa-Francorchamps: Technik bremst Marvin Dienst aus
„Wir waren dann chancenlos und unbewaffnet.“ Wenn ein Rennfahrer zu solchen Vokabeln greift, weiß man, dass es kein erfolgreiches Rennen war. So im Fall von Marvin Dienst am vergangenen Wochenende auf der Traditionsstrecke in den belgischen Ardennen. Dienst, der auch in verschiedenen Serien für das Team Schütz Motorsport aus Bobenheim-Roxheim zum Einsatz kommt, musste mit seinen Kollegen Julien Andlauer und Sven Müller den Porsche 911 GT3-R in der Box abstellen. Da hatte das Team gerade mal 374 Runden absolviert.
Dabei seien die Erwartungen sehr hoch gesteckt gewesen, sagt Dienst. „Schade, dass es so ein Ende genommen hat.“ Zu Beginn lief es auch wirklich gut. „Wir sind von Position 14 auf vier vorgefahren, waren eines der schnellsten Autos im Feld“, berichtet Marvin Dienst. Dann sei der Reifenschaden aufgetreten. „Und von da an ging’s bergab. Jeder ist irgendwie schneller geworden, nur wir wurden langsamer.“
Volle Tribünen
Für den Lampertheimer war das um so bedauerlicher, als dass die Ardennenachterbahn mit so bekannten Kurven wie Eau Rouge oder Blanchimont zu seinen Lieblingsstrecken zählt. „Die Eau Rouge ist mit dem neuen Asphalt etwas entschärft worden. Aber das ist schon eine gigantische Strecke“, berichtet der Rennfahrer begeistert.
Von der Atmosphäre mit den Fans habe er im Auto nicht so viel mitbekommen. Aber die Fahrerparade sei toll gewesen. „Es war schön, wieder all die Menschen auf den Tribünen zu sehen. Das hat man in den vergangenen zwei Jahren vermisst.“
Kein Urlaub
Und jetzt kommt erst mal Urlaub? „Schön wär’s“, sagt Marvin Dienst und lacht. Er sei quasi bis Ende Oktober in verschiedenen Rennserien im Dauereinsatz. „Ich glaube, ich habe frühestens im November richtig frei.“ Im neuen Prototype Cup Germany ist er bald wieder hinterm Steuer. Dann geht’s weiter nach Braselton im US-Bundesstaat Georgia, wo auf der Strecke Road Atlanta das Rennen Petit Le Mans ansteht.
Der Zeit zwischen den Wochenenden kommt da umso mehr Bedeutung zu. Die verbringt Marvin Dienst gerne auf dem Golfplatz. „Ich hab’ vor zwei Jahren während der Pandemie angefangen, weil mir langweilig war“, erzählt er und lacht. Mittlerweile habe er Handicap „18 oder 20“. Es ist für ihn tatsächlich ein Rückzugsort abseits des PS-Trubels auf den Rennstrecken. Selbstverständlich spielt er die Runde nicht alleine. „Die Woche bin ich mit Sven Müller unterwegs“, erzählt Dienst. Mit ihm hat er sich das Porsche-Cockpit in Spa-Francorchamps geteilt. „Und dann geht’s mal nicht um Motorsport, sondern darum, wie viele Bälle man im Teich versenkt“, meint Dienst und lacht.