Frankenthal 140 Jahre Gesangverein Mörsch: zwei Mitglieder erzählen
Als Männergesangverein gegründet, stand bereits nach einem Jahr der Zusammenschluss mit dem Gesangverein Liedertafel an. Unter dem neuen Namen Gesangverein 1881/82 Mörsch blieb das Singen im Verein weiterhin eine Männerdomäne. Für „Urgestein“ Gernot Blim ist der Gesang schon seit seiner Jugend sein liebstes Hobby. Bereits 1961 wurde er Mitglied im Verein und ist heute noch aktiv, sowohl als Sänger als auch als zweiter Vorsitzender. Als Blim in den Verein eintrat, war es noch ein reiner Männerchor, wie er erzählt. Erst seit 1981 nimmt der Verein Frauen auf. Helga Hahnenberger, die ebenfalls seit ihrer Jugend singt, ist seit rund 30 Jahren Sängerin beim Gesangverein Mörsch. Zuvor war sie in Bobenheim-Roxheim aktiv.
Beide erzählen, dass sie sich ein Leben ohne Gesang nicht vorstellen können. Blim kann sich noch an seinen Choreintritt erinnern, als 50 Männer, darunter acht jungen Burschen, dabei waren. „Ich habe mich gleich wohlgefühlt“, sagt er. Verschiedene Chorleiter und Vorstände hätten den Verein geprägt, aber ein fester Stamm an aktiven Sängern sei über Jahrzehnte dabei geblieben. „In meiner Jugend gab es noch nicht so viele Vereine in Mörsch. Fußball lag mir nicht, deshalb entschied ich mich fürs Singen,“ erzählt er schmunzelnd. Bereut habe er es nie.
Neben dem Singen, was stets anspruchsvoll gewesen sei und immer noch ist, ist die Geselligkeit ein ganz wichtiger Faktor für Gernot Blim. Viele langjährige Freundschaften hätten sich entwickelt. Gerne erinnert sich Blim an die geselligen Runden nach dem Singen im Lokal „Zum Karpfen“ oder „Zum grünen Baum“ zurück, die jeweils im Jahreswechsel sozusagen das Stammlokal gewesen seien. Beide Gaststätten bestehen nicht mehr, aber er denke gern an diese fröhlichen Abende zurück.
Anfangs wurden viele Volkslieder gesungen, später sei klassische Musik hinzugekommen, berichtet Blim. Hohe Anforderungen habe Chorleiter Martin Karpinski an die Hobbysänger gestellt. In dessen Zeit beim Gesangverein Mörsch von 1983 bis Ende 2014 habe der Chor einen enormen Aufschwung erlebt. Die Mitgliederzahl stieg auf 200.
Helga Hahnenberger erinnert sich an die anspruchsvolle Chorarbeit, die ihr sehr zugesagt habe. Große weltliche und kirchliche Konzerte seien gegeben, Konzertreisen organisiert worden. Viele Sänger denken gerne an diese Höhepunkte. 1986 waren die Vereinsmitglieder in Posen, 1989 in Rom und 1991 in Wien und Eisenstadt. „Solche Eindrücke prägen sich ein“, betont Blim.
Die über 80-jährige Hahnenberger erzählt, dass sie das Singen als gut für den Geist empfinde. „Ich muss immer wieder Neues lernen, das macht Freude“, betont sie und freut sich, dass sie noch heute leicht lernt. Die Geselligkeit sei schön. Sie sei froh, dass nach den Corona-Lockdowns wieder gemeinsam geprobt werden könne und Auftritte möglich seien. „Ich werde singen, solange es geht“, betont sie.
Chorleiterin Kerstin Bruns steht seit Januar 2015 dem Chor vor. Sie habe nicht nur Fachwissen, sondern ein gutes Gespür für den Umgang mit dem Laienchor, sind sich die beiden Chorsänger einig. Als Gesangs- und Musikpädagogin habe sie frischen Wind in den Chor gebracht. Die Anforderungen bei ihr seien hoch. Gesungen wird Weltliches und Geistliches, vom Musical bis zur Klassik.
Rund 14 Jahre gehört der Vereinsvorsitzende Mario Licci dem Chor an. „Wir alle sind froh, dass das Miteinander jetzt wieder möglich ist. Ich hoffe, dass wir wieder mehr Mitglieder bekommen“, sagt er. Derzeit seien es leider nur 100, davon 35 aktive Sängerinnen und Sänger.
Einen Kinder- und Jugendchor hat der Gesangverein schon längere Zeit nicht mehr. Überhaupt fehlten jüngere Mitglieder, obwohl musikalisch für jede Geschmack etwas geboten werden, meint Licci. Den 140. Geburtstag will der Gesangverein mit der Kolpingsfamilie Mörsch und Frankenthal vom 2. bis 4. September feiern. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits.