Frankenthal
1250 Jahre Frankenthal: Roter Faden durch die Stadtgeschichte
„Ariadne und Albert in Kontakt mit Frankenthal“ – das war der Titel des Kunstprojekts des Albert-Einstein-Gymnasiums am Samstag. Die Schüler hatten sich zuvor mit der Geschichte der Stadt befasst und schwärmten aus, um ihr neues Wissen an Interessenten weiterzugeben. Ausgangspunkt war der Schulhof, wo das Labyrinth des Minotaurus künstlerisch gestaltet war. Aus dem findet Ariadne der Sage aus der griechischen Antike zufolge wieder heraus, indem sie einen Faden nutzt, um ihren Weg zu markieren. Dieser rote Faden ist sprichwörtlich geworden: Er steht für eine Struktur, die sich durch eine Geschichte, Handlung oder anderes kreatives Werk zieht und Orientierung gibt.
Die Schüler markierten den symbolischen roten Faden mit Farbe. Der Weg führte auf dem Rathausplatz und von dort aus zu verschiedenen Örtlichkeiten. An diesen Stationen präsentierten die Schüler markante Punkte der Stadtgeschichte. Mitgemacht haben die 10b und 10d und der Leistungskurs Bildende Kunst der 11. Jahrgangsstufe. „Die Stadt hat uns gefragt, ob wir einen Beitrag zur Jubiläumswoche leisten können“, erzählt Kunstlehrerin Saskia Bauer, die mit ihrer Kollegin Katharina Schlichter die Aktion mit den Schülern entwickelt hat.
Fünf Wochen vorbereitet
Dafür haben sich die Jugendlichen fünf Wochen lang gut vorbereitet: Sie haben eine Stadtführung mit Historiker Dieter König gemacht, das Erkenbertmuseum besucht und viel über Frankenthal erfahren. Zusammen mit ihren Lehrerinnen haben sie dann Gruppen gebildet, die sich für bestimmte Themen besonders interessieren. 15 Punkte haben die jungen Leute ausgesucht. Dort stellten sie sich am Samstag auf und präsentierten zu Orten und Ereignissen die Geschichten.
Ein besonderer Versuch dabei: eine Flaschenpost. Die Schüler hatten Fragen aufgeschrieben und dann die verkorkte Flasche in den Fuchsbach geworfen. Der Bach fließt unsichtbar, weil kanalisiert, durch Frankenthal. „Wer weiß? Vielleicht findet jemand die Flasche und hat Antworten für uns“, meinte Lehrerin Schlichter. Schülerin Florence hatte sich für ihre Station ein Gewand der Renaissance-Zeit angezogen. Zusammen mit Michael stand sie vor dem Sgraffito am Rathaus. Die Technik, Bilder mit verschiedenfarbigen Putzschichten zu gestalten, stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Glocke selbst gegossen
Vor den Schaufenstern der City-Apotheke standen zwei Gruppen. Ben und Marco berichteten von der in Frankenthal gegossenen Kaiserglocke. Ein Diorama im Schaufenster zeigte deren Transport auf einem Lastkahn Richtung Köln. Die Schüler hatten eine Glocke selbst gegossen, zeigten ein Video dazu und erklärten die Technik. „FraSo!“ war lange in Frankenthal ein Karnevalsruf wie andernorts „Helau“. Ursprung ist die „Frankenthaler Sonne“, eine scherzhafte Bezeichnung für den Zucker aus Frankenthal, mit dem Winzer fehlende Sonnenstunden ausglichen. Finjas, Kara und Valerio berichteten von der Zuckerfabrik und deren Bedeutung. Die Herstellung von Zucker aus Rüben machte nicht nur die Gründerfamilie Karcher reich, sondern gab zu Blütezeiten über tausend Menschen Arbeit.
Das interessierte auch Anette und Ralph Freud. Die beiden sind vor acht Jahren nach Frankenthal gezogen. „Das ist eine super Idee“, freute sich das Paar. Sie seien noch dabei, die Stadtgeschichte zu entdecken. „Ich finde die Stadt super und freue mich, mehr erfahren zu können“, sagte Anette Freud. Nachdem hier auch der Sohn mit seiner Familie und zwei Enkeln wohne, wollen die Freuds nicht mehr weg.
Klosteranlage aus Lego
An der Erkenbertruine hatten sich in einem Torbogen Sophie, Caro, Maya und Penelope mit einem Lego-Modell der früheren Klosteranlage postiert. Sie berichteten von der Gründung des Chorherrenstifts und den Zerstörungen infolge der Reformation und später durch die Franzosen. Weitere Gruppen befassten sich mit jüdischem Leben in der Stadt und am früheren Platz der Synagoge auch mit der Verfolgung durch die Nazis. Auch der Dialog von Judentum und Islam sei ein wichtiger Punkt, es gebe viele muslimische Schüler im Gymnasium, sagt Schlichter. Die Stadt habe das Projekt finanziell unterstützt, sodass die Jugendlichen sich rote T-Shirts mit einem Logo machen konnten.