Frankenthaler Umland
Ärzte und Apotheker rufen Grippeimpfung in Erinnerung
Andreas Werling ist niedergelassener Arzt und Vorstandsmitglied der Gesundheitsorganisation Ludwigshafen (Golu), dem Zusammenschluss von über 200 Ärzten und Psychotherapeuten in Ludwigshafen, Bad Dürkheim, Frankenthal und im angrenzenden Rhein-Pfalz-Kreis. Werling weiß aus Rücksprache mit Medizinern in Kliniken, dass dort die ersten Influenza-Patienten stationär betreut werden müssen. „Diese zusätzliche Belastung können die Krankenhäuser während der Corona-Pandemie aber nicht gebrauchen. Daher empfehlen wir dringend die Influenza-Impfung. Sie ist wichtig, damit die Kliniken nicht noch mehr Patienten aufnehmen müssen“, sagt Werling. Die Bürger sollten sich bei ihrem Hausarzt erkundigen. Es gebe wieder genügend Impfstoff.
„Es haben sich bedeutend mehr Menschen impfen lassen als im Vorjahr“, berichtet Allgemeinmedizinerin Cornelia Kirscht aus Bobenheim-Roxheim. Sie habe daher Impfstoff nachbestellen müssen. Inzwischen aber sei die Bereitschaft, sich gegen die Grippe pieksen zu lassen, etwas abgeebbt. Mit der eigentlichen Grippewelle sei üblicherweise erst Ende Januar zu rechnen. Dass sich in dieser Saison bislang nur sehr wenige Menschen mit Influenza angesteckt haben, führt die Ärztin auch auf die Corona-Hygienemaßnahmen zurück. „Sie schützen ja auch vor Grippe.“
Höhepunkt der Grippesaison steht noch bevor
Noch genügend Impfstoff hat Thomas Gauer, Inhaber der St. Michael-Apotheke in Dirmstein, vorrätig. „Vor etwa vier bis sechs Wochen war der Run sehr groß, inzwischen ist die Nachfrage zurückgegangen“, sagt er. Es sei in jedem Fall ratsam, sich noch impfen zu lassen. Denn der Höhepunkt der echten Grippe ab Ende des Monats bis in den Februar hinein stehe noch bevor. Geimpfte Personen hätten in der Regel eine bessere Immunantwort auf Covid-19, was meist zu leichteren Krankheitsverläufen führe, informierte Gauer.
Auch Sabine Roth von der Hirsch-Apotheke in Frankenthal bezeichnet die Grippeschutzimpfung als sehr sinnvoll. Impfdosen seien noch ausreichend vorhanden. „Es ist jedes Jahr das Gleiche“, sagt Roth. „Im September rennen uns alle die Türen ein.“ Über einen Lieferanten in Frankreich habe zusätzlicher Impfstoff geordert werden können. Inzwischen sei die Nachfrage allerdings zurückgegangen.
Ähnliche Erfahrungen schildert Julia Schulz von der Sonnen-Apotheke in Lambsheim. „Alle wollten sich im Herbst impfen lassen, da gab es Lieferschwierigkeiten.“ Die Engpässe hätten behoben werden können. Aktuell könne sie nur noch mit einigen wenigen Dosen dienen, nachbestellen werde sie nichts mehr. Elisabeth Mayer-Link, die zum Jahreswechsel die Lambsheimer Mühltor-Apotheke verkauft hat, klagt, dass sie auf viel Impfstoff, der in der Hochphase bestellt und nicht abgeholt wurde, sitzen geblieben sei.
Corona-Impfung mehr im Fokus
Knapp sei der Impfstoff schon in jedem Jahr gewesen. „Doch so eng wie diesmal war es noch nie“, stellt Sigrid Petersen, Inhaberin der Bentrites-Apotheke in Beindersheim, fest. Inzwischen ist sie dazu übergegangen, sich den Impfstoff nicht mehr hinzulegen. Entsprechend der Bestellungen der Patienten würden die Dosen über den Großhandel besorgt. Die Influenza ist nach Einschätzung von Sigrid Peters etwas aus dem Fokus gerückt. „Alle wollen sich jetzt gegen Covid-19 impfen lassen.“
Von einem extrem großen Andrang berichtet Ute Pauly, medizinische Fachangestellte in der Praxis für Allgemeinmedizin von Martina Schäfer-Schram in Lambsheim. „Wir haben doppelt so viele Patienten gegen Grippe geimpft wie im Vorjahr.“ Restbestände des Impfstoffs seien noch vorhanden, sodass etwa 20 bis 30 Menschen versorgt werden könnten, was in aller Regel bis Ende Januar möglich sei.