Rhein-Pfalz Kreis Giftiger Stoff tötet Süd-Müll-Mitarbeiter
Auf der Heßheimer Sondermülldeponie hat es am gestrigen Dienstagmorgen einen schweren Unfall gegeben. Beim Austritt einer noch unbekannten Substanz aus einem Fass in der Gefahrstoffhalle des Unternehmens Süd-Müll kam ein Mitarbeiter ums Leben, ein zweiter wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Vorsorglich begaben sich weitere 16 Personen in stationäre Behandlung. Die Polizei ermittelt.
Gegen 7 Uhr ahnten die Heßheimer, dass auf dem Deponiegelände an der Straße nach Gerolsheim wieder etwas passiert war. Zahlreiche Polizei-, Rettungs- und Feuerwehrwagen waren mit Martinshorn unterwegs in diese Richtung, und mit Lautsprechern wurde darum gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Wenig später twitterte die Frankenthaler Polizei, es rieche im Umfeld der Deponie nach faulen Eiern, deshalb sei Vorsicht geboten. Dann lautete die Entwarnung: Luftmessungen hätten „keinen erweiterten Gefahrenbereich“ ergeben. Ein Anruf der RHEINPFALZ bei Süd-Müll ergab weitaus Schlimmeres als einen Gestank, den im Übrigen gestern kein befragter Heßheimer gerochen hat. Süd-Müll-Geschäftsführer Gernot Eberhard teilte gegen 10 Uhr mit, es habe einen tödlichen Unfall gegeben, und ein weiterer Mitarbeiter sei schwer verletzt worden. Aus einem angelieferten Fass seien unbekannte Stoffe ausgetreten. Eberhard sprach vom „schwersten Unfall in der Firmengeschichte“, konnte zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr sagen. Den tödlichen Unfall bestätigten im Laufe des Vormittags Polizei, Staatsanwaltschaft und die Feuerwehr des Rhein-Pfalz-Kreises, die unter anderem mit ihrer Führungsgruppe und dem Gefahrstoffzug nach Heßheim geeilt war. Ihr zufolge waren gestern 80 Helfer im Einsatz, um Menschen zu retten, vom Gelände zu holen und zu dekontaminieren – für den Fall, dass an ihrer Kleidung und Ausrüstung Giftstoffe hafteten. Notfallseelsorger waren anwesend, und die Verbandsgemeinde richtete für Bürger ein Infotelefon ein. Der nach Aussagen von Rettungskräften möglicherweise falsch deklarierte Behälter mit der tödlichen Flüssigkeit wurde in ein sogenanntes Bergungsfass gesteckt. Danach habe auf dem abgesperrten Betriebsareal keine Gefahr mehr bestanden, hieß es gegen 14 Uhr vonseiten der Kreisfeuerwehr. Die Behörden machten gestern weder Angaben zu möglichen Ursachen noch zu den Chemikalien in dem Fass. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd war mit Mitarbeitern der Abteilungen Wasser, Abfall, Bodenschutz und Gewerbeaufsicht vor Ort. Sie machten gestern keine Aussagen über etwaige Folgen des Unfalls für die Umwelt oder für das der Aufsicht unterliegende Entsorgungsunternehmen. Bei der Neustadter Behörde läuft ein Antragsverfahren: Süd-Müll will eine chemisch-physikalisch-biologische Abfallbehandlungsanlage für Sickerwasser sowie flüssige Abfälle und Schlämme bauen. Dagegen hat die Schutzgemeinschaft gegen Mülldeponie (SGM) im April Widerspruch eingelegt. Die Bürgerinitiative ist zwar der Ansicht, dass eine solche Anlage auf dem neuesten technischen Stand zu begrüßen sei, „aber wir wollen, dass bei dieser Gelegenheit eine Umweltverträglichkeitsprüfung für den Altbestand gemacht wird“, sagte gestern auf Anfrage SGM-Sprecherin Ulrike Bonifer aus Heßheim. „Das jetzige Zwischenlager sollte dann ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht werden.“ Die seit 1979 bestehende Initiative beklagt, dass inzwischen 781 von 842 möglichen Abfallarten zur oberirdischen Zwischenlagerung auf der Deponie erlaubt seien und die Bedenken der SGM keine Wirkung zeigten. Bonifer: „Wir sind sehr erschüttert über diesen Vorfall und dass ein Mensch sterben musste und mehrere verletzt wurden.“ Südwest