Donnersbergkreis „Zunächst Ursache finden und beseitigen“
«IMSBACH.» Keiner spricht gerne über ihn. Aber wer ihn mal im Haus hat, ist dankbar, wenn andere über ihn sprechen - und Tipps geben können, wie man ihn wieder los wird. Die Rede ist vom Schimmelpilz. Auf dessen Sanierung hat sich Jochen Closset vom Dachdeckerbetrieb Schultz aus Imsbach spezialisiert – die notwendigen Kenntnisse hat er kürzlich in einem Lehrgang im Umweltbundesamt in Offenbach erworben. Rainer Knoll hat sich mit dem Zimmerermeister und stellvertretenden Geschäftsführer über Vorurteile, kluges Bauen und eine Prüfung im Playmobil-Haus unterhalten.
(Überlegt kurz) Nein. Glück gehabt oder beim Bauen gut überlegt? Ich denke, gut überlegt. Wobei Glück auch dazu gehört. Warum? Weil ein Schimmelpilz an sich nichts Außergewöhnliches ist. Schimmelpilz-Sporen befinden sich nun mal permanent in der Außenluft, entstehen in der Natur beim Zersetzen des Laubs. Durch Lüften kommen die Sporen dann in den Wohnraum. So weit ist das nichts Tragisches. Die Frage ist nur, ob der Pilz im Gebäude einen Nährboden findet, auf dem er sich festsetzen und aufblühen kann. Schimmelpilz hat’s ja mit Sicherheit schon immer gegeben. Täuscht aber der Eindruck, dass dieses Thema in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen hat? Nein, das ist tatsächlich so. Die Gebäudehüllen werden deutlich dichter gepackt als früher, um Energie und somit Heizkosten zu sparen. Zudem können bei energetischen Sanierungen viele Fehler gemacht werden. Ich gehe auch davon aus, dass sich aufgrund der doppelten Berufstätigkeit der meisten Paare das Lüftungsverhalten der Menschen geändert hat. Wobei ich gerne noch mit einem weiteren Vorurteil aufräumen möchte... Bitte... ...Schimmelpilz ist zwar ein hygienischer, aber kein gesundheitlicher Mangel. Das heißt, er ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar und grundsätzlich auch erst mal nicht gesundheitsgefährdend. Wir sind ja ständig in der Umwelt Schimmelsporen ausgesetzt und deshalb diesbezüglich auch sensibilisiert – das heißt, der Körper bildet entsprechende Abwehrstoffe. Aufpassen müssen allerdings Asthmatiker und Patienten, die offene Wunden haben. Hier besteht schon eine erhöhte Infektionsgefahr. Als was sehen Sie sich mehr: als ein Schimmelpilz-Verhinderer oder ein Schimmelpilz-Entferner? Beides. Bei Neubauten versuchen wir ihn mit Hilfe der Bautechnik zu verhindern. Wenn er aber da ist, dann müssen wir Maßnahmen ergreifen, um ihn dauerhaft zu entfernen. Lässt sich Ihrer Meinung nach ein Schimmelpilz immer vermeiden? Wenn wir über Neubauten reden, kann man schon einige bauphysikalische Aspekte berücksichtigen, damit sich kein Schimmel bilden kann. Man kann die Baustoffe so wählen, dass da nichts passiert. Auch das Thema Dämmung spielt eine große Rolle: Man sollte Material verwenden, das sowohl Feuchtigkeit aufnehmen als auch abgeben kann. Ökologische Dämmstoffe sind hier ein großer Vorteil. Daneben kommt es natürlich auf eine fachgerechte Ausführung an. Stichwort Feuchtigkeit? Genau. Früher hat man einen Bau, wie es so schön heißt, über Winter stehen lassen. Inzwischen haben sich die Bauzeiten erheblich verkürzt. Daher ist es umso wichtiger, dass ein Gebäude gut austrocknet. Denn durch Estrich, Putz und so weiter kommt eine Menge Feuchtigkeit hinein. Hier kann beispielsweise das Aufstellen von Trocknungsgeräten helfen. Und worauf ist bei bereits bestehenden Wohnräumen zu achten? Der Klassiker ist nach wie vor das Lüftungsverhalten. Das Stoßlüften ist auf jeden Fall einer ständigen Kipp-Stellung der Fenster vorzuziehen. Wenn der Schimmelpilz aber nun schon mal da ist: Was ist das Wichtigste – außer natürlich den Experten zu rufen? Wichtig ist zunächst einmal, die Ursache für den Pilz zu suchen, zu finden und zu beseitigen. Erst im zweiten Schritt geht es dann darum, die betroffenen Bauteile zu sanieren. Dazu werden dann die Sanierungsmaßnahmen festgelegt. Wenn diese beginnen, erschrecken die Menschen manchmal ein bisschen. Warum? Der Raum wird entsprechend abgeschottet, man betritt ihn nur mit Schutzklamotten und Maske. Allerdings nicht deshalb, weil der Schimmelpilz, wie schon ausgeführt, besonders gefährlich wäre. Aber durch mechanische Einwirkungen – wenn zum Beispiel befallener Putz abgeklopft wird – werden Sporen freigesetzt, die über die Atemwege in die Lunge gelangen könnten. Das soll dann doch vermieden werden. Was muss man tun, um ein Schimmelpilz-Experte zu werden? Man absolviert eine Sachkundeprüfung für Schimmelpilz-Sanierung. Zusätzlich habe ich eine Fachkundeprüfung für Sanierungsbetriebe abgelegt. Insgesamt dauerte der Lehrgang vier Tage, er fand am Umweltinstitut in Offenbach statt. Wir haben dort unheimlich viel gelernt, hatten aber auch unseren Spaß. So mussten wir etwa anhand eines Playmobil-Gebäudes, das von verschiedenen Schimmelpilzen „befallen“ war – tatsächlich waren diese nur aufgemalt –, einen Maßnahmenkatalog festlegen. Führt Ihre Firma diese Arbeiten dann auch selbst durch? Momentan bin ich nur beratend tätig. Aber unser mittelfristiges Ziel ist es, die Sanierungen mit eigenen Mitarbeitern und Geräten vorzunehmen. Wir sehen – aus Sicht der Hausbesitzer muss man ja sagen leider – in diesem Thema für die kommenden Jahre ein großes Potenzial. Wie steht der Schimmelpilz-Fachmann eigentlich zu essbaren Pilzen? (Grinst) Im Gegensatz zu den Schimmelpilzen genieße ich die. Und ein Pils mit „s“? (Lacht) Davon kann man auch mal ein, zwei nehmen. Die züchten wir bei uns zuhause im Keller.