Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Zuckerrüben: Regen kurz vor zwölf verhindert wohl drohende Katastrophenernte

Am Dienstag startet die Verarbeitung der Zuckerrüben.
Am Dienstag startet die Verarbeitung der Zuckerrüben.

Zwei Monate ohne Regen haben die Rübe schwer mitgenommen. Weil der Zuckerlieferant allzu kümmerlich gedieh, ist sogar der ausgeklügelte Lieferplan über den Haufen geworfen worden. Am Dienstag beginnt nun die Verarbeitung, wobei der Donnersbergkreis – glücklicherweise – erst spät an die Reihe kommt.

Was es jetzt braucht? „Kalte Nächte, tagsüber Sonne“: Gerold Füge stimmen die Wetterprognosen für die kommende Woche durchaus optimistisch. Ein leichter Zuwachs sei durchaus noch drin, die Jahresernte mithin noch nicht verhunzt. Zwar dürften die Erträge leicht unterdurchschnittlich ausfallen. Aber an der Katastrophe seien die Rübenanbauer wohl vorbei geschrammt, so die vorläufige Einschätzung des Bischheimers.

Der Regen sei gerade noch rechtzeitig gekommen – „nicht fünf vor zwölf, eher fünf danach“, verdeutlicht der Kreisvorsitzende im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, dass eben doch nicht eitel Sonnenschein herrscht. Während der langanhaltenden Dürre habe die Rübe ihr Blattwerk reduziert. Das könne sie zwar jetzt teilweise noch mal aufbauen. Von einem guten Jahr könne aber keine Rede sein. Ein durchschnittlicher Ertrag von 60 Tonnen pro Hektar sei wohl noch drin. 75 bis 80 Tonnen seien normal, unter 50 katastrophal.

Südzucker drängt auf Startschuss

Weil sich schon eine Katastrophe abgezeichnet hatte, hat der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer im August reagiert. Ein Erntebeginn noch im September sei notwendig, um die Versorgung sicherstellen zu können, teilte Verbandsgeschäftsführer Christian Lang mit. Abnehmer Südzucker habe darauf gedrängt und den 19. September vorgeschlagen, im Interesse der Bauern habe man sich auf den 27. geeinigt. Will heißen: Am Dienstag beginnt in Offstein die Kampagne, also die Verarbeitung der Rüben.

Der vorgezogene Erntestart noch im September schmeckte den Erzeugern verständlicherweise nicht. Deshalb war sogar – erstmals überhaupt, sogar deutschlandweit eine Premiere – ein früherer Erntebeginn auf freiwilliger Basis angesetzt worden. Bauern mit beregneten Flächen konnten sich für eine frühere Lieferung entscheiden – und damit der Gefahr aus dem Weg gehen, dass die Rüben nach zu langer Standzeit noch mehr Schaden nehmen. Im Herbst nehme nämlich gerade auf dauerberegneten Flächen die Gefahr von Pilzkrankheiten zu.

Später Termin kommt Donnersbergern zupass

Weil einige nun früher anliefern, haben andere etwas länger Zeit. „Uns kommt dies zupass“, sagt Füge, der selbst auch im Verbandsausschuss der Rübenproduzenten sitzt und dort die Interessen der Donnersberger Erzeuger vertritt. Je länger sich die Ernte jetzt noch hinauszögere, umso mehr könnten die Rüben noch zulegen. Nicht nur der Ertrag könne noch leicht steigen, auch in puncto Güte, Zuckergehalt, sei noch eine Steigerung drin.

Gut 21.000 Hektar Fläche umfasst das Anbau-Areal der verbandsangehörigen Rübenbauer. Gut 2000 Hektar weist allein der Donnersbergkreis auf. Der Teil östlich des Berges sei gut geeignet. Gut zu durchlüftende Böden mit Lößauflage trügen dazu bei. Der Rübenanbau sei im Kreis durchaus von Bedeutung, erläutert Füge, der selbst in Erzeugergemeinschaft mit Mark Landfried Flächen bewirtschaftet.

Letzter Transport kurz vor Weihnachten

Was ihm und den Kollegen in der Nordpfalz ebenfalls zugute kommt: Im jährlich wechselnden, stets ausgeklügelten Anfuhrplan kommen sie diesmal als letzte an die Reihe. Die Transporte zur Fabrik in Offstein rollen in der letzten Oktoberwoche, der zweite Liefertermin ist dann erst kurz vor Weihnachten.

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