Donnersbergkreis „Wollen angestaubtes Image aufpolieren“

Ein Sprichwort besagt: „Auch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen.“ Bier gilt seit Jahren immer stärker als Modegetränk – auch fernab verrauchter Stammkneipen. Der Geschmack ist vielseitig, mal ist der Gerstensaft süffig, mal bitter-herb. Dass Bier mehr kann, als nur als gewöhnliches Pils auf der Theke zu enden, davon will Dieter Birk vom Alzeyer Volker-Bräu seine Kunden überzeugen. Am Sonntag gab er in der Zellertalbahn deshalb ein Bier-Tasting: Von griechischem Lager über Stout bis zum trüben Weizen wurde eine breite Palette abgedeckt.
Hafer. Den riecht Axel sofort. Eine leichte Süße, spritzig säuerlich, nicht der typische Bierdunst, den jeder erwarten würde. Irgendwie anders, ein bisschen wie Pferdedecke, meint er. Als der 31-Jährige seine Nase langsam der fein-weißen Schaumkrone entgegenstreckt, schließt er die Augen. Er setzt das schmale, kleine Glas an, nimmt einen kräftigen Zug, spült und lässt das blonde Bräu den Rachen hinunterlaufen. Frisch, süffig, ein leichtes Sommerbier. Axel schaut unentschlossen. Vielleicht auch kritisch. „Nicht so meins“, gibt er kopfschüttelnd zu. „Man kann auch mal was Exotisches trinken. Eignet sich als Experiment.“ Freund Torsten (40), der ihm im Zug gegenübersitzt, pflichtet Axel bei. „Ich mag den Hafer hier nicht so“, sagt der Rockenhausener. Dann doch lieber in Flockenform mit Milch in der Schüssel. Also besser nochmal nachfüllen lassen von dem guten Hellen, das es zum Auftakt der Probe gab. Das läuft wie Wasser. Dieter Birk ist von kleiner, kräftiger Statur. Er hat längeres, dunkelgraues Haar und trägt ein hellblaues Shirt. Volker-Bräu prangt da in tiefblauen Lettern drauf. „Wenn ich das in Köln auf der Biermesse nicht dabei hab′, darf ich gar nicht erst anreisen“, scherzt Birk, als er am Ende des Waggons stehend sein Haferbier erklärt. Der 44-Jährige ist Diplom-Braumeister. Er lernte in der Bierregion Franken, studierte danach in Berlin. Heute koordiniert er die kleine Alzeyer Privatbrauerei Volker-Bräu, gibt Bierproben und -kurse. „Natürlich erhoffen wir uns immer eine Art von Werbung. Aber hauptsächlich macht es Spaß“, betont Birk. Er wolle den Bürgern einfach das Thema Bier näher bringen. Ihnen zeigen, dass es nicht nur ein stinknormales Pils oder Weizen gibt, sondern ganz verrückte Sachen. Haferbier oder ein Stout irischer Art zum Beispiel – beide heute im Gepäck. „Bier kann einfach mehr. Wir wollen das angestaubte Image aufpolieren“, erzählt er begeistert. Und das mit traditionellem, einfachem Handwerk, ohne Schnickschnack. Craft-Bier lautet das Stichwort. Wasser, Malz, Hopfen, Hefe. Nichts anderes braucht man – und kann doch gewaltige Geschmacks-Nuancen entwickeln. Birk hat eine lockere Zunge. Das Bierwissen sprudelt aus ihm wie sein selbstgebrautes Helles ins Glas. Er referiert über die Historie des Gerstensaftes, die Einführung des Reinheitsgebots, Herstellungsverfahren, fetthaltigen Hafer, bitteren Hopfen, die 1300 deutschen Brauereien und ihre etwa 6000 Gerstenbrühen. Unerschöpfliches Wissen. Bier ein Dickmacher? Mitnichten. „Hopfen regt den Appetit an. Bier an sich macht gar nicht dick. Man muss sich nur unter Kontrolle haben“, so Birk. Zum dritten Mal steht er bereits in der Zellertalbahn und preist verschiedene Sorten an. 2013 fragte ihn Inge Baumbauer vom Förderverein Eistalbahn-Zellertalbahn, ob das mit der Probe im Zug keine gute Idee sei. Die Weinprobe hier fand schon Anklang. „Wir wollen, dass die Bahn einfach genutzt und bekannter gemacht wird. Leute müssen auch von außerhalb kommen, um das schöne Zellertal kennenzulernen“, schildert die Organisatorin. Für gut 20 Euro bekommen die Gäste eine Zugfahrt von Monsheim nach Enkenbach und zurück, sechs Biere inklusive Nachschenken und Imbiss – sowie reihenweise Kalauer von Braumeister Birk. Axel und Torsten sind wahre Bier-Kenner. Wie viele verschiedene Sorten sie Zeit ihres Lebens verköstigt haben, das lasse sich nur schwer berechnen, geben sie zu. Etwa 50 seien es pro Jahr, fast in jeder Kalenderwoche eins. „Bei Bier wird oft erwartet, dass jedes gleich schmeckt“, lacht Birk. Von wegen. Aus der getönten Flasche fließt ein Gebräu, das aussieht wie Kaffee. Arm an Sprudel, schwarz wie Kohle, würzig, herb, sauer im Geschmack. Liegt am Röstmalz. Der irische Stil, von Volker-Bräu umgesetzt. (ppp)