Donnersberger Echo
Wochenendkolumne: Folgen der Corona-Politik für Stadt und Land
Es könnte doch alles so schön sein, habe ich dieser Tage sinniert: Die Zeit der Weihnachtsmärkte, Treffen mit Freunden, Firmen- und Familienfeiern steht vor der Tür – und wir dürften diese Zeit einigermaßen unbeschwert genießen, wenn wir eine Impfquote von 100 Prozent hätten. Oder, wir wollen’s ja nicht übertreiben, sagen wir mal 90 Prozent. Nicht jeder, der will, darf aus medizinischen Gründen ja. Aber längst nicht jeder, der darf, will auch. Der Anteil der gegen das Sars-CoV2-Virus immunisierten Menschen steigt nur im Schneckentempo. Und lässt uns auch dem zweiten Corona-Winter mit Ungewissheit entgegenblicken.
Klar: Auch bei einer hohen Impfquote wäre es nicht ratsam, sich reihenweise um den Hals zu fallen, am Glühweinstand munter die Gläser zu tauschen, dutzende Hände zu schütteln und sämtliche Masken in die Tonne zu werfen. Denn selbst wenn noch so viele Menschen geimpft sind, wird es weiter Infektionen und Erkrankte geben – in der Regel aber mit deutlich milderem Verlauf.
Und dass die vielzitierten Durchbrüche steigen, ist zum einen ein rein statistischer Effekt: Dazu kommen kann es nur bei denjenigen, die sich das Vakzin haben verabreichen lassen. Die Wahrscheinlichkeit dafür nimmt logischerweise mit der Anzahl der Geimpften zu. Zum anderen sind nach Expertenmeinung vor allem Menschen betroffen, deren Immunsystem alters- oder krankheitsbedingt ohnehin geschwächt ist.
Fakt ist nun mal: Wer sich den Pieks – oder besser: die Piekse – geben lässt, reduziert das Risiko einer Ansteckung erheblich und ist sehr gut gegen schwere Verläufe geschützt. Weil aber der Schutz nicht zuletzt wegen der Delta-Mutante kürzer anhält als erhofft, wird das Thema Auffrischungsimpfung immer wichtiger. Auch hier geht’s leider nur langsam voran, auch hier muss man – Stichwort Aufklärung – wieder Versäumnisse der Politik, aber ebenfalls der Wissenschaft konstatieren. Ob der nun vom Land vorgelegte Fünf-Punkte-Plan Besserung bringt? Mit Blick auf die begrenzten Impfkapazitäten und der mal wieder vorherrschenden Planlosigkeit sind erhebliche Zweifel angebracht.
Falsche Signale
In dieser schwierigen Gemengelage hat das Land mit seiner jüngsten Corona-Verordnung meiner Ansicht nach ein fragwürdiges, ja falsches Signal gesetzt. Die darin verkündeten Lockerungen passen nicht zu steigenden Infektionszahlen und vermitteln den Eindruck: alles halb so schlimm. Gerade angesichts der jüngsten Fälle an Donnersberger Schulen (und einer Kita) ist schwer zu verstehen, dass Schüler – die unter zwölf Jahren keine Chance auf eine Impfung haben – statt zwei- künftig nur noch einmal pro Woche getestet werden sollen. Anlasslose Tests sind ein wichtiges Mittel, Infektionsketten im Keim zu ersticken.
Ebenfalls mehr als fragwürdig: Veranstaltungen im Freien – allen voran Weihnachtsmärkte – dürfen nun ohne Einschränkungen stattfinden. Sicher, man kann argumentieren: Draußen haben die Menschen die Möglichkeit, sich selbst zu schützen. Man kann auch generell sagen, die Zeit der Eigenverantwortung ist da: (Fast) Jeder hatte die Chance, sich impfen zu lassen – die Mehrheit soll deswegen durch die Weigerung einer (zu großen) Minderheit nicht weiter unter Beschränkungen leiden müssen. Dann muss das aber kommuniziert werden, stellt es doch eine Kehrtwende der bisherigen Corona-Politik dar. Und – siehe oben – ein Restrisiko bleibt auch für Geimpfte.
Mit dieser Verordnung werden zudem die Veranstalter (auch in unserer Region) im Regen stehen gelassen. Nochmal Weihnachtsmärkte: Mir persönlich wäre es wohler, der in meiner Heimatstadt Rockenhausen würde, wie ursprünglich geplant, nach der 2G-Regel gestaltet – so wie es etwa die Karnevalisten in Mainz am Donnerstag zum Auftakt der Kampagne beibehalten haben. Oder wenigstens mit „2G+“, wie es beim Christkindlmarkt in Kirchheimbolanden der Fall sein wird.
Aber nachvollziehbar ist für mich auch die Haltung der Rockenhausener Stadtspitze, die sagt: Wir haben uns stets an alles gehalten, was Land und Bund in Sachen Pandemiebekämpfung vorgegeben haben – warum sollen wir nun freiwillig darüber hinaus gehen, obwohl es für uns viel Aufwand bedeutet? Ein Zaun müsste errichtet, Personal für die Einlasskontrollen rekrutiert werden – und die Stadt zahlt die Zeche. Hier wird (mal wieder) der schwarze Peter nach unten delegiert, eventuell sogar der eine Veranstalter gegen den anderen ausgespielt, mit dem Finger aufeinander gezeigt. Ein klares Bekenntnis des Landes zu 2G wäre meines Erachtens vernünftiger gewesen.
Ist das der richtige Weg?
Sicher: Letztendlich kann jeder selbst entscheiden, ob man einen Weihnachtsmarkt besuchen oder lieber zu Hause bleiben will. Aber ist das der richtige Weg? Dass die Vorsichtigen zu Hause bleiben, während ein Weihnachtsmarkt zum Tummelplatz für Ungeimpfte wird?
Ob meine Familie und ich auf „unseren“ Weihnachtsmarkt gehen? Ganz ehrlich, ich weiß es noch nicht. Aber von einem bin ich überzeugt: So schön, wie ich es mir ausgemalt habe, wird die Situation in den kommenden Wochen nicht. Vielleicht ja dann im nächsten Jahr ...