Donnersbergkreis Winnweiler Kameratechnik weltweit im Einsatz
Die Firma RTS aus Winnweiler ist Spezialist für die Bewegung von Kameras für Film und Fernsehen. Ihre Technik kam schon bei der Oscar-Verleihung, den Olympischen Spielen oder Dreharbeiten von Steven Spielberg zum Einsatz. Jetzt bereitet sich das Team vom Donnersberg gerade auf den Eurovision Song Contest im Mai in Stockholm vor.
WINNWEILER. Als Leonardo DiCaprio vor wenigen Wochen im Dolby Theatre in Hollywood den Oscar als bester Hauptdarsteller überreicht bekam, sorgte einmal mehr Hightech vom Donnersberg dafür, dass spektakuläre Kamerabilder davon um die Welt gingen. Kaum ein Groß-event, kaum eine große Fernsehshow oder ein Sportwettbewerb, bei dem die Technik aus Winnweiler nicht schon zum Einsatz kam. Flüsterleise und superschnell – beides sind die Spezialitäten von RTS, der „Rail und Tracking Systems GmbH“. „Unsere Systeme werden immer dann benötigt, wenn der Regisseur Kameraaufnahmen aus besonderen Perspektiven will“, erklärt Daniel Pfleger, Geschäftsführer von RTS. „Das kann auf einem schnellen Schlitten sein, der neben einem Läufer herfährt, an einem Teleskopmast, der senkrecht in die Luft geht oder an einem Hubschrauber.“ Wie überträgt man hochauflösende Aufnahmen von einem Kamerawagen, der pfeilschnell neben einem Leichtathleten oder Schwimmer herfährt? Diese Frage beschäftigte Firmengründer Matthias Schäfer schon vor rund zwölf Jahren. „Ein ehemaliger Schulkamerad und Freund kam auf mich zu, weil ich Ahnung von Elektrotechnik hatte. Er war der Freak im Filmbereich“, erinnert sich Schäfer. Schienensysteme für Kameras gab es zwar damals schon, aber die Übertragung mittels Funk war problematisch, die Technik einfach nicht ausgereift. „Dann sollten die Bilder auch noch in HD übertragen werden“, erzählt Schäfer. „Das bedeutete viel mehr Daten. Ich hatte damals keine Ahnung und warf einfach in den Raum: ,Lass uns das doch mit einem Kabel machen.’“ – Ein Kabel über so eine Distanz und mit so einer Geschwindigkeit an einer Kamera bewegen, das hielten alle zunächst für eine Schnapsidee. Einfach wie genial, nennt Schäfer sie heute. Das „Cable Management System“, das die Männer damals austüftelten, machte die Technik vom Donnersberg innerhalb kürzester Zeit gefragt in der ganzen Welt. Olympische Spiele, Leichtathletik-WM, MTV-Video-Music-Awards waren aber erst der Anfang. „Neben der Schienentechnik haben wir angefangen, Teleskopmasten zu entwickeln, die in der Lage sind, Kameras in die Luft zu heben – selbst auf kleinstem Raum“, sagt Pfleger. Nicht immer sei Platz für einen Kamerakran, insbesondere bei Fernsehproduktionen. Die Geräte von RTS machen das so leise, dass sie schon bei Klassikkonzerten in der New Yorker Metropolitan Opera oder der Dresdner Frauenkirche zum Einsatz kamen. Mit der Idee, Teleskopmasten und Schienentechnik zu kombinieren, trafen die Winnweilerer wieder ins Schwarze. Die Produzenten der Goldenen Kamera oder von Events wie den Modenschauen von Victoria’s Secret, des Echos oder des Bundesvision Songcontest waren begeistert. Auch bei den Stadion-Konzerten von Helene Fischer war die Technik aus Winnweiler dabei. „Ich überlege aber immer weiter, was man noch machen kann, was Alleinstellungsmerkmale sind“, erzählt Schäfer, der neben RTS noch zwei weitere Firmen betreibt. So kam schnell die nächste Idee: Die Kamera kommt in die Luft. Nachdem das Schienensystem samt Tower auch kopfüber wunderbar funktionierte, machten sich die Techniker daran, die „Speed Winch“ und den „Rope Climber“ zu entwickeln. Bei beiden Systemen hängt die Kamera an zwei vertikalen Seilen und kann so senkrecht über große Strecken und auch schwer zugängliche Stellen bewegt werden. „Diese Technik wird neben Schienen und Towern auch wieder beim Eurovision Songcontest vom 10. bis 14. Mai zum Einsatz kommen“, erzählt Pfleger. 2,5 Tonnen Material sind bereits auf dem Weg nach Stockholm; die Arbeiten beginnen dort vier Wochen vor der Live-Fernsehsendung. „Wir stellen die Technik für vier Spezialkameras. Die Seilkamera wird über 75 Meter in die Luft gezogen. Das ist für uns neuer Rekord“, sagt Pfleger stolz. Standard war dagegen der Dreh für „Sing meinen Song - das Tauschkonzert“. Auch bei dieser Fernsehshow, die am vergangenen Dienstag im Fernsehen angelaufen ist, kommt der Kamera-Tower von RTS zum Einsatz. Bei den Aufnahmen in Südafrika war Pfleger selbst dabei. Entspannt sei das gewesen, erinnert er sich. Auch weil die Stars wie Xavier Naidoo, The BossHoss, Wolfgang Niedecken, Samy Deluxe, Annett Louisan oder Nena in der Abgeschiedenheit des Drehortes keine Berührungsängste hatten. Da traf sich das gesamte Team samt Promis nach Drehschluss schon mal auf ein Bier im Catering. Doch so spannend die Fernsehshows auch sind, so sehr schlägt das Herz von Pfleger für den Film. „Die meisten Technikfirmen machen Film oder Fernsehen – wir machen beides, das finde ich super.“ Bei den Dreharbeiten zu „The Rush“, „Honig im Kopf“ mit Til Schweiger oder Steven Spielbergs „Bridge of Spies“ dabei zu sein, das ist schon was besonderes, erzählt der 38-Jährige. Und diese Arbeit hätte einen Vorteil: „Bei Live-Fernsehsendungen muss alles perfekt klappen. Beim Film kann man meistens noch mal wiederholen“, sagt Pfleger. „Dass wir so schnell sogar für Hollywood arbeiten konnten, ist einfach toll“, ergänzt Schäfer, der es selbst unglaublich findet, wie schnell RTS weltweit Fuß fassen konnte. Ein Grund könnte auch die Akribie sein, mit der er und sein Team zu Werke gehen. „Wir haben an unsere Technik die höchsten Ansprüche – auch was die Sicherheit betrifft. Alles wird geprüft und erfüllt alle gesetzlichen Anforderungen“, betont Schäfer, das sei weltweit längst nicht selbstverständlich. Wachsen, das will die Firma dennoch nur ganz behutsam. Mit sechs festen Mitarbeitern und einem guten Dutzend freischaffender Helfer sei man gut aufgestellt – und mit 1,5 Millionen Euro Jahresumsatz und vollen Auftragsbüchern 2016 für die Zukunft ebenso gut gerüstet.