Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Winnweiler: Ein Lehrer-Blick auf 50 Jahre Realschule plus

Haben in einer kleinen Runde 50 Jahre ASR-Geschichte Revue passieren lassen (v.l.): Karlheinz Böhmer, Nina Gieser, Torsten Eding
Haben in einer kleinen Runde 50 Jahre ASR-Geschichte Revue passieren lassen (v.l.): Karlheinz Böhmer, Nina Gieser, Torsten Edinger, Brigitte König, Birgit Lehr, Doris Damnitz und RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Lisa Demmerle.

Drei Schulformenwechsel, ein Serienauftritt und ein großes Herz für Schüler: Die Albert-Schweitzer Realschule plus Winnweiler hat in den 50 Jahren ihres Bestehens viel erlebt. Um ihr Jubiläum zu feiern, steigt am Freitagnachmittag eine Geburtstagsfeier für Alt und Jung. Kurz vor dem großen Fest wagte Schulleiter Torsten Edinger mit seinen Kollegen im Gespräch mit RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Lisa Demmerle einen Blick auf die Schulentwicklung.

Wie hat sich der Beruf des Lehrers in den letzten Jahren verändert?
Birgit Lehr: Auf jeden Fall im Hinblick auf die Arbeit mit den Computern. Als ich früher hier war, hat man ab und zu damit gearbeitet, aber jetzt ist alles mit Computern. Die Hausaufgaben sind zum Teil online basiert.

Nina Gieser: Früher war der Lehrer derjenige, der gelehrt hat. Heute sind wir mehr Lernbegleiter oder Arrangeure für die Lernumgebung. Die Schüler sind mit Handys und Computern aufgewachsen, wir mussten uns das erst aneignen. Rein technisch betrachtet, sind sie uns manchmal voraus. Sie können auch mal helfen, wenn es irgendwo klemmt. Ich denke, daher kommt auch das veränderte Verhältnis von Lehrern und Schülern.

Stellen Sie auch eine Veränderung bei den Schülern fest?
Doris Damnitz: Wenn ich an meine Anfänge denke, waren die Klassen viel größer. Die Kinder waren ruhiger, konzentrierter. Heute muss man nach einer Viertelstunde die Unterrichtsmethode ändern, weil die Kinder eine Veränderung brauchen. Auch die Eltern haben einen früher mehr unterstützt. Vielleicht liegt es daran, dass alle im Beruf stehen und einfach keine Kraft haben, zu Hause konsequent durchzugreifen, aber das weiß ich natürlich nicht. Wir haben aber auch immer noch sehr liebe und lernbereite Kinder. Das ist, glaube ich, der Vorteil unseres ländlichen Raums.

Kann man diese Veränderung darauf zurückführen, dass die Schule schon drei Schulformen, also Hauptschule, Regionale Schule und Realschule plus, durchlebt hat?
Nina Gieser: Ich glaube, den Eltern wird immer mehr klar, dass es trotz der zwei Bildungswege, die die Realschule plus anbietet, in alle Richtungen weitergehen kann. Sie sind bereit, erst mal das Kind nicht durch große Systeme wie Gymnasien oder Gesamtschulen zu überfordern, in denen die Geschwindigkeit oder der Druck ganz anders sind. Eine Realschule plus bietet hier die gleiche Basis, ist aber vielleicht im Moment für das Kind etwas verträglicher, weil sie kleiner und übersichtlicher ist und es kleinere Lerngruppen gibt. Danach kann es später auch mit dem Abitur oder Hochschulstudium weitergehen.

Die Schulform Realschule plus hat es oft schwer, weil manche glauben, die schlechten würden die guten Schüler runterziehen. Teilen Sie diese Erfahrung?
Nina Gieser: Nein, im Gegenteil, mir scheint, dass sich die Eltern uns und der Idee der Realschule plus gegenüber immer mehr öffnen.

Worin liegt denn der Unterschied zwischen den früheren und aktuellen Schulformen?
Nina Gieser: Im Angebot der unterschiedlichen Bildungsgänge: Die Hauptschule bot nur den einen Bildungsgang, den Hauptschulabschluss. Die Regionale Schule bot zwei Bildungswege unter einem Dach: die Berufsreife, also den früheren Hauptschulabschluss, und den Qualifizierten Sekundarabschluss I. Deshalb hat uns der Schritt von Regionaler Schule zu Realschule plus organisatorisch nicht so viel Kraft gekostet wie andere Schulen, weil wir die Strukturen vorher schon angelegt hatten.

Doris Damnitz: Außerdem tragen wir den Unterschieden der Kinder insofern Rechnung, indem wir bildungsbezogene Klassen bilden. Wobei der Übergang zwischen den beiden Bildungsgängen stets offen ist. Das Argument „Die Schlechten ziehen die Guten runter“, können wir so nicht gelten lassen.

Schätzen Sie die Gesamtschule als Konkurrent der Realschule plus ein?
Torsten Edinger: Ganz unter den Tisch fallen lassen kann man den Konkurrenzgedanken nicht. Natürlich ist jede Schule interessiert daran, möglichst viele Schüler in ihre Klassen zu bekommen. Ich empfinde die anderen Schulen aber nicht als Gegner in dem Sinne. Vor allem eine kleine Schule wie unsere mit etwa 230 Schülern muss ihre pädagogische Arbeit öffentlichkeitswirksam präsentieren, um wahrgenommen zu werden, indem man unter anderem Projekte mit Grundschulen anbietet. Da geht es nicht allein darum, dass alle Schüler zu uns kommen sollen, sondern dass man ihnen auch die Angst vor einer weiterführenden Schule nimmt.

An welche Geschichte aus dem Schulalltag erinnern Sie sich gerne?
Torsten Edinger: Vor zwei Jahren wurden wir von einem Fernsehsender angefragt, ob wir Teil einer Fernsehserie sein wollen. Nach reiflicher Überlegung hatten wir mit den restlichen Gremien entschieden, dass dies eine einmalige Möglichkeit für unsere Kinder darstellt, Produktionsabläufe beim Fernsehen aus erster Hand kennenlernen zu können. Mit 90 Kindern und vier Lehrern sind wir daraufhin nach Duisburg gefahren.

Brigitte König: Ich muss an einen körperbehinderten Schüler denken, den ich von der 5. bis zur 9. Klasse hatte. Der damalige Schulrat wollte, dass er eine Sonderschule besucht, aber die Eltern haben sich gewehrt. Er war bis zum Abschluss eine Bereicherung für die Klasse. Die Schüler haben einen Stuhl mit in die Pause genommen, damit er nicht so lange stehen musste, oder bei einem Ausflug in den Wildpark haben ihn die Jungs im Rollstuhl durch den Wald geschoben. Die haben geschwitzt, aber keiner hat sich beschwert. Das fand ich toll!

Haben Sie auch nach Ihrer Verabschiedung immer noch einen Bezug zur Schule?
Brigitte König: Ich habe viel Kontakt zu ehemaligen Schülern. Ich bin auch bei Facebook, da kriegt man auch einige Sachen mit, oder wir werden zu Ehemaligentreffen eingeladen.

Doris Damnitz: Bei meiner Verabschiedung hatte ich sogar drei ehemalige Schüler eingeladen, mit denen ich inzwischen auch befreundet bin. Der familiäre Charakter der Schule ist noch deutlich erkennbar.

Torsten Edinger: Selbst nach ihren Pensionierungen sind Frau Lehr, Frau König und Frau Damnitz immer noch in irgendeiner Form in der Schule aktiv. Darüber sind wir sehr glücklich.

Wie sehen Sie die Zukunft der Realschule plus in Winnweiler?
Doris Damnitz: Ich hoffe, dass es so weitergeht, wie es sich dieses Schuljahr gezeigt hat. Wir haben schöne, große fünfte Klassen bekommen. Das ist toll, und ich hoffe, dass sich immer mehr herumspricht, was für tolle Arbeit hier geleistet wird.

Nina Gieser: Es bleibt letztlich die Frage, was mit der Schulform Realschule plus passiert. Aber das bestimmen wir nicht, sondern die Politik.

Karlheinz Böhmer: Ich sehe da in Zukunft ein politisches Problem. Hoher Bildungsstandard ist zwar schön, aber wir brauchen Fachkräfte. Nicht jeder kann studieren. Man muss die Menschen wieder an Handwerksberufe heranführen. Und diese Menschen werden an Schulen wie unserer ausgebildet.

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