Donnersbergkreis
Winnweiler: Das weltweit erste Proteinbier wird bei Bischoff produziert
Manchmal kommt es auf die richtige Idee an. Tristan Brümmer und Erik Dimter hatten sie. Sie haben mit Joybräu das weltweit erste alkoholfreie Proteinbier entwickelt. Das wird bei der Brauerei Bischoff in Winnweiler hergestellt. Aber nicht nur deswegen haben die beiden Hamburger Beziehungen an den Donnersberg.
Tristan Brümmer ist bewusst: „Die Nummer hätte schiefegehen können. Wir sind ins Risiko gegangen.“ Ins Risiko für eine Idee, die es bisher auf der Welt – zumindest ist den beiden Erfindern nichts bekannt – so noch nicht gab. Erik Dimter und Tristan Brümmer hatten in Hamburg studiert und waren bei Hapag-Lloyd, einer weltweit führenden Linienreederei, tätig. 2015 war Dimter in Singapur, Brümmer in Malaysia. Dimter trieb zu dieser Zeit viel Sport. „Und ich hatte immer ein schlechtes Gewissen, nach dem Sport ein Bier zu trinken“, erzählt der 25-Jährige. Es war die Angst, damit die Trainingseffekte kaputt zu machen. Doch das Bierchen nach der harten Arbeit gehörte auch in Singapur dazu. Irgendwann hatte Dimter dann in der einen Hand einen Proteinshake, in der anderen ein Bier. Da kam ihm die Idee. Warum nicht ein alkoholfreies Proteinbier entwickeln? Das erzählte er dem Hobbybrauer Brümmer. Der wiederum fand das auch spannend. Doch die erste Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. „Wir hatten es auf eigene Faust probiert, sind aber kläglich daran gescheitert“, sagt der 24-Jährige lachend. Herausgekommen ist ein „ekelhafter Teig“. Den beiden war klar: Sollte aus ihrer Idee was werden, brauchen sie professionelle Hilfe. Die fanden sie bei der Technischen Universität in Berlin, genauer gesagt dem dortigen Fachbereich Brauerei- und Getränketechnologie.
Bei vielen „vom Hof gejagt“
Mehr als ein Jahr lang arbeiteten sie zusammen, steckten ihr Geld in das Projekt, um einen Prototypen von Joybräu zu erstellen. Im Laufe dieses Prozesses startete das Duo auch die Suche nach einem Brauerei-Partner. Diesen zu finden, stellte sich als gar nicht so einfach heraus. „Bei vielen sind wir vom Hof gejagt worden, was wir da mit dem schönen Bier machen“, erzählt Brümmer. Irgendwann landeten sie in der Pfalz, bei der Privatbrauerei Bischoff in Winnweiler. „Es ging mit einer Mail los“, erinnert sich Geschäftsführer Sven Bischoff. Dass es sich hierbei um ein Proteinbier handelt, sei da noch nicht ersichtlich gewesen. Dann kam es zum Gespräch. Und Bischoff fand das Projekt spannend. „Wir haben das technische Know-how, die Maschinerie, zudem war die TU Berlin hintendran“, sagt Bischoff. Zunächst wurde aber an der Rezeptur gefeilt. „Ich hatte zwar nicht den Background, wie ein Proteinshake schmeckt, aber den Erstversuch des Biers konnte man nicht trinken.“ Wenn sich der Brauerei-Chef daran erinnert, muss er heute noch lachen. Mittlerweile ist er mit dem Geschmack aber zufrieden. „Ich trinke es auch privat gerne, gerade die Sorte Grapefruit.“
In Marktlücke gestoßen
Es ist neben dem Original bereits die zweite Sorte, die auf dem Markt ist. Aus gutem Grund: Brümmer und Dimter sind mit ihrer Idee genau in eine Marktlücke gestoßen. Ein Bier mit 21 Gramm Protein pro 0,33-Liter-Flasche. In Winnweiler glaubte man von Beginn an an das Bier, investierte in einen Pulvermischer, optimierte den Produktionsprozess. „Hier sind wirklich alle sehr experimentierfreudig“, sagt Brümmer. Sven Bischoff ergänzt: „Ich finde das klasse, finde die Jungs klasse.“ Für den Vertrauensvorschuss sind die beiden dankbar, wie sie betonen. Dabei handelt es sich um ein Bier nach deutschem Reinheitsgebot, das durch vegane Aminosäure erreicht werde, erläutert Bischoff. Dafür werde eine spezielle Hefe verwendet und das Bier im Gärungsprozess mit sehr wenig Alkohol produziert. Und als es um das Thema Logistik ging, kam ein weiteres Unternehmen ins Spiel: Die IVB Direktmarketing GmbH mit Sitz in Marnheim, ein langjähriger Partner der Bischoff-Brauerei. Die kurzen Wege gefallen Brümmer. „Wir haben hier sehr nette Partner, arbeiten freundschaftlich zusammen.“
Durchbruch auf Fitnessmesse
Und erfolgreich: Denn das Unternehmen wächst rasant. Mehr als 15.000 Kunden, über 500 Vertriebspartner. In elf verschiedenen Ländern gibt es das Bier bereits. 1000 Hektoliter sind in den ersten zwölf Monaten in Winnweiler hergestellt worden. Dabei ging es anfangs rein in Fitnessstudios los. Den Sportlern wurde das Proteinbier vorgestellt. Es folgten Nahrungsergänzungsmittelshops, in Norddeutschland ist das Bier aber mittlerweile auch bei Rewe und Edeka erhältlich. Rund zehn Mitarbeiter hat Joybräu. Der Durchbruch gelang dem Duo auf der Fibo in Köln, der größten Fitnessmesse der Welt. „Wir wurden selbst überrascht, dass es so gut läuft“, erzählt Dimter. Ende August wird der erste Container Joybräu nach Indien gehen, für den amerikanischen Markt soll sogar ein eigenes Unternehmen angemeldet werden. „Amerika ist im Bereich Fitness der größte Markt“, weiß Dimter. Um auf diesen zu kommen, sind aber auch noch einige Schritte zu bewältigen. Überhaupt müsse man sich dem Wachstum der Marke anpassen. Deswegen sei auch zunächst einmal keine weitere Sorte vorgesehen.
Langfristige Zusammenarbeit
Bei einem sind sich die beiden Firmengründer aber sicher: Das Bier mit dem Gorilla auf dem Etikett soll auch in Zukunft in Winnweiler produziert werden. Nicht aus Dankbarkeit, sondern aus Überzeugung. „Wir versuchen mit unseren Partnern langfristig zu arbeiten. Eine solch komplexe Produktion kann auch nicht jeder übernehmen“, erzählt Brümmer. Sven Bischoff bestätigt das: „Wir haben uns hier das Know-how erarbeitet. Der Produktionsprozess ist nicht einfach. Für beide Seiten ist das eine interessante Sache.“