Donnersbergkreis Winnweiler: Abtiurient programmiert Vertretungsplan-App
Freistunden sind – entgegen einer weit verbreiteten Annahme – nicht immer beliebt unter Schülern. Besonders dann nicht, wenn sie vom Ausfall der ersten Stunde erst erfahren, wenn sie morgens schon in der Schule eingetroffen sind. Abiturient Nils Scheuermann kennt die Frustration am Winnweilerer Wilhelm-Erb-Gymnasium über die bislang altmodische Informationsweitergabe. Nun machte er sich die Möglichkeit des digitalen Zeitalters zu Nutzen und programmierte eine Vertretungsplan-App.
„Es ist schon ärgerlich, wenn man erst am Morgen vor Ort davon erfährt und einem dann nur übrig bleibt, seine Zeit abzusitzen, bis es mit dem Unterricht weitergeht“, spricht der 19-jährige Nils Scheuermann, der gerade sein schriftliches Abitur in Physik, Mathe und Englisch hinter sich gebracht hat, aus Erfahrung. Genauso gut kennt er auch den umgekehrten Fall: „Es ist auch schon vorgekommen, dass Schüler nicht zur ersten Stunde da waren, weil zuvor auf dem Vertretungsplan stand, dass die Stunde ausfallen würde“.
Erster Entwurf vor zwei Jahren
Zwar flimmert seit einiger Zeit der Vertretungsplan dauerhaft und mit allen Aktualisierungen über die Flachbildschirme in den unteren Stockwerken, doch an der Tatsache, dass die Schüler vor Ort sein müssen, um solche Änderungen mitzubekommen, änderte das bislang nichts. „Es war einfach ineffizient“, findet Scheuermann, der Schüler des Informatik-Grundkurses ist und die Linux-AG besucht. Der erste Entwurf einer App, die den Vertretungsplan mit all seinen Änderungen auch außerhalb der Schule zugänglich macht, entwickelte er im Sommer vor zwei Jahren. Zuvor hatte er sich schon mehrere Jahre hobbymäßig mit der Web-Entwicklung auseinandergesetzt. Einmal versuchte er sogar spaßeshalber, die App der Videoplattform Youtube nachzubauen. „Mit der Vertretungsplan-App habe ich eine Herausforderung gesucht. Ich wollte gerne ein Endprodukt programmieren, das nicht nur für mich ist, sondern auch anderen einen Nutzen bringt“, erinnert sich der zurückhaltende Gonbacher.
Kritik mit Lösung kommt gut an
Mit seiner Idee stieß der damalige Zehntklässler bei Schulleiter Ralf Schäfer, selbst überzeugter Technik-Fan, auf Gehör. „Ich fand es toll, dass Nils nicht nur kritisierte, sondern gleich eine Lösung für das Problem mitbrachte“, so Schäfer. Zwar habe die Schule vor einiger Zeit die Gelegenheit gehabt, eine App zusammen mit dem Programm zur Erstellung von Vertretungsplänen zu kaufen. Aus Datenschutzgründen habe man allerdings darauf verzichtet. „Bei Nils’ App wissen wir hingegen genau, was mit den Daten passiert.“ Dabei ist Scheuermanns Innovation keinesfalls weniger aufwendig als viele zum Kauf angebotene Produkte: Damit die Infos auf das Smartphone oder den PC der Nutzer gelangen können, müssen die Daten aus dem Vertretungsplanprogramm der Schule in ein für die App lesbares Format übersetzt werden. Jede Minute greift die App automatisch auf die Daten in der Schule zu und kann Änderungen im Plan direkt an die Nutzer weitergeben. Sogar an „kleine Spielereien“, wie eine Vorlesefunktion, die vor allem für sehbeeinträchtigte Nutzer hilfreich ist, hat Nils gedacht.
Push-Funktion für neusten Stand
Auch die Benutzerfreundlichkeit behielt er bei dieser Funktion im Blick: „Auf Namens- oder Fächerkürzel habe ich bei der Vorlesefunktion verzichtet. Stattdessen wird klar formuliert, welches Fach ausfällt und welcher Lehrer vertritt.“ Wer nicht permanent die App aufrufen mag, um auf dem neusten Stand zu bleiben, kann die Push-Funktion nutzen: Hierbei werden automatisch Nachrichten an die Nutzer versendet, sobald sich etwas im Vertretungsplan ändert. Die nötige fachliche Unterstützung erhielt der Abiturient dabei von Informatik-Lehrer Martin Sohn, der gerne seine eigenen Freistunden für die Tüftelei an der App opferte. Bevor es jedoch endlich losgehen konnte, musste sich Scheuermann mit seiner Entwicklung in einer Konferenz dem Votum von Lehrern, Elternbeirat und Schülersprechern stellen.
"Sie nennen mich jetzt "Informatikgott""
Seit Herbst vergangenen Jahres wird die passwortgeschützte App nun am WEG benutzt. Die Reaktion seiner Mitschüler sei durchweg positiv gewesen. „Sie nennen mich jetzt „Informatikgott“, gesteht er etwas verlegen, „aber es ist schön zu sehen, dass es die Leute erreicht und sie sich freuen“. Schnell erkannten auch die Lehrer die Vorteile. „Wenn die Kunstlehrer im vierten Stock unterrichten, müssen sie nicht erst nach unten laufen, um nachzusehen, wo sie heute Vertretung haben“, zeigt sich Schulleiter Schäfer begeistert. Selbstverständlich soll hier gleiches Recht für alle gelten: Auch die Schüler dürfen in der sonst handyfreien Schulzeit einen Blick aufs Smartphone werfen.
"Jugend forscht" und Abschluss in Sicht
Abgehakt ist das Thema Vertretungsplan-App damit für Scheuermann noch nicht: Am 9. Februar geht es für ihn mit seiner Idee zum Nachwuchswettbewerb „Jugend forscht“. Nach seinem Abschluss will er ein Informatik-Studium beginnen. Damit die App auch weiterhin am WEG genutzt werden kann, hat er eine Administrationsseite für die Lehrer eingerichtet. Bevor er die Schule verlässt, will er sie noch fit machen, damit sie auch ohne ihn die App weiter mit Daten füttern können. „Es gibt aber bestimmt immer mal wieder einen Anlass, um an der Schule vorbeizuschauen“, ist sich Scheuermann sicher.