Donnersbergkreis Wie Männer so ticken ...
«WINNWEILER». Neue Männer braucht das Land: Zum ersten Mal findet am heutigen Samstag in Winnweiler ein Männertag zum Thema „Beziehungs-weise. Wie Männer Beziehungen gestalten (wollen)“ statt. Im Gespräch mit RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Lisa Demmerle erläutert Männertherapeut und Referent Björn Süfke vorab, wieso das traditionelle Männlichkeitsbild nicht mehr zeitgemäß ist.
Ich versteh nicht so ganz, wie Sie die Verbindung herstellen. Im Programm steht, der Tag beginnt und endet mit Bier… (Lacht) Ah, jetzt verstehe ich. Ehrlich gesagt, erlebe ich das auch zum ersten Mal, dass es eine Bierprobe gibt. Hab ich persönlich jetzt nichts dagegen, aber das, was wir machen, hat tatsächlich nichts mit dem Vatertags-ritual zu tun. Es geht inhaltlich vor allem darum, wie wir Männer so ticken. Aber auch, wie wir Beziehungen gestalten wollen, welche gesellschaftlichen Anforderungen es ans Mann-Sein gibt und wie uns die weibliche Emanzipation beeinflusst. Wieso spielt Geschlecht überhaupt noch eine so große Rolle in der Identitätsbildung? Als aufgeklärte Menschen könnte uns das doch egal sein?! Der Unterschied zwischen Einstellung und tatsächlichem Verhalten beim Gender-Thema ist noch sehr groß: Die Stereotypen sind per Rundumbeschallung über Jahrzehnte in uns eingraviert. Das sind Dinge, die man nicht einfach abschütteln kann. Deswegen gibt es heute noch sehr intelligente Menschen, die beispielsweise bei der Rollenverteilung in der Kindererziehung in die alten Muster zurückfallen. Insofern glaube ich, haben wir noch einige Jahrhunderte Aufklärungsarbeit vor uns bis zu dem Ziel, dass das Geschlecht nicht mehr so eine wichtige Komponente ist. Das wäre im Übrigen auch mein Ziel, denn was soll denn der Quatsch?! Wieso braucht das starke Geschlecht überhaupt einen Therapeuten? Hat es etwa verlernt, Mann zu sein? Den brauchen sie manchmal ganz einfach deswegen, weil es viele schwierige Situationen gibt, denen sie sich nicht immer so bewusst sind, wie zum Beispiel die Anforderungen, wie man als Mann zu sein hat. Denn diese werden subtil durch Medien oder Erziehung vermittelt. Oft braucht es also jemanden, der diese Themen an die Oberfläche bringt und ein paar Impulse gibt. Ob wir verlernt haben, Mann zu sein? Da würde ich provokativ sagen, die Art und Weise, wie wir gelernt haben Mann zu sein, war, auf Deutsch gesagt, oft einfach scheiße. Dieses traditionelle Männlichkeitskonstrukt, immer stark zu sein, immer alles im Griff zu haben, das Geld ranschaffen und so weiter ist eine Form von Mann-Sein, die für uns nicht immer erfüllend ist, wie es sich vielleicht Frauen verständlicherweise vorstellen, die selbst in patriarchalen Strukturen Diskriminierung erleben. Welche Rollen bereiten den Männern die größten Probleme? Ich glaube, das traditionelle Männlichkeitsstereotyp schränkt uns besonders im Bereich der Gefühle ein. Als Psychotherapeut kann ich mit Gewissheit sagen, wenn Gefühle in der Erziehung von Jungen geradezu abtrainiert werden, dann ist das gefährlich und gesundheitsschädlich. Dann kommen noch neuere Themen dazu, wie die Herausforderungen, die eben durch die Emanzipation der Frauen entstanden sind. Frauen stellen heute berechtigterweise an uns ganz andere Anforderungen als noch vor 50 Jahren. Was meinen Sie genau damit? Männer sollen soziale Kompetenzen an den Tag legen. Also all das, was der traditionell männlichen Rolle bis vor 50 Jahren fremd war. Das ist eine Entwicklung, die ich total begrüße. Trotzdem ist es für einige Männer eine Krisensituation, dass auf der einen Seite alte Anforderungen da sind, neue hinzukommen und diese sich gleichzeitig diametral widersprechen. Inwiefern unterscheiden sich Männer und Frauen in der Art, wie sie Beziehungen führen wollen? Der Unterschied liegt darin, dass Frauen eine andere Sozialisation und Erziehungskomponenten erleben: Sie werden darauf getrimmt, sozial zu sein, Netzwerke zu spannen, sich um Kinder und Pflegebedürftige zu kümmern. Das geht bis in die Berufe hinein, das heißt, für Frauen ist das Beziehungsorientierte ein elementarer Teil weiblicher Identität. Das wurde uns Männern nicht beigebracht. Bei uns lag der Fokus darauf, Leistung zu bringen, sei es im Büro, an der Werkbank, im Bett, auf dem Sofa, nicht zu versagen in der Ernährer-Rolle. Viele Männer müssen sich im Erwachsenenalter da erst einmal sozusagen „rein grooven“ und darüber Gedanken machen, wie sie denn Beziehungen gestalten wollen. Wie kann ein Männertag dabei helfen? Es ist letztlich ein Reflexionsanstoß: Ich skizziere in meinem Input die einzelnen Männlichkeitsanforderungen, sodass sie jeder Teilnehmer für sich konkret anschauen kann. Viele Männer haben dann ein Aha-Erlebnis und bemerken, dass sie unter einem Aspekt vielleicht leiden und dieser Anforderung auch gar nicht gerecht werden wollen. Es ist völlig okay, wenn die Männer nur mit einem Aha-Effekt nach Hause gehen. Selbst dann wird die Reflexion weitergeführt. Man könnte es auch ein wenig plakativ sagen, es soll ein Anstoß zu einer männlichen Emanzipation im wahren Sinne des Wortes sein. Also dass auch wir uns von den ganzen Anforderungen lösen und darauf schauen, wie wir wirklich sind und wie wir tatsächlich Männer sein wollen. Kurz-Info Der Männertag findet heute, Samstag, von 12 bis 18.30 Uhr im Festhaus in Winnweiler statt. Der Eintritt kostet 10 Euro. | Interview : Lisa Demmerle