Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Wie kalt ist es im Kibobad?

Bereits im Frühjahr hat das Kibobad begonnen, die Temperaturen abzusenken.
Bereits im Frühjahr hat das Kibobad begonnen, die Temperaturen abzusenken.

Die einen können mit Wassertemperaturen, bei denen man erfrischt schwimmen kann, sehr gut leben. Andere ziehen vorm Eintauchen ins Wasser erst mal vor Schreck den großen Zeh zurück. Auf 27 Grad wurde die Temperatur im Schwimmerbecken des Kibobad abgesenkt, um Energie zu sparen. Wie finden das die Besucher?

Vorher war das Wasser 29 Grad warm. Fast „Badewasser“ also. „Es ist wie so oft: Was die einen gut finden, wird von anderen abgelehnt“, sagt Daniel Fleckenstein, als Werkleiter der Verbandsgemeinde quasi auch Hallenbad-Chef. „Wir müssen versuchen, die Balance zwischen notwendigen Energieeinsparungen, zu denen wir alle aufgefordert sind, und der Aufrechterhaltung von Bad- und Saunabetrieb zu finden“, beschreibt er den Spagat.

Ein Ende der Energiekrise infolge von Russlands Krieg in der Ukraine ist nicht in Sicht, eher könnte es noch härter kommen. Aber, das ist die gute Nachricht, an eine Schließung wird bisher nicht gedacht. Gerade in herausfordernden Zeiten müsse es „unsere oberste Maxime“ sein, Angebote für die Bürger offen zu halten, postuliert der Werkleiter.

Wassertemperatur noch okay

Bereits im Frühjahr hatte man im Kibobad auf einen verschärften Modus umgeschaltet, berichtet Fleckenstein. Neben der zweimaligen Absenkung der Wassertemperaturen in allen Becken betraf dies auch eine verringerte Raumlufttemperatur und reduzierte Öffnungszeiten der Sauna. Letztere wurden im Oktober zunächst auf drei Tage begrenzt, doch wenig später angesichts sehr großer Nachfrage wieder auf vier Tage erweitert. Die Reduzierung in diesem Bereich war allerdings nicht nur dem Energiesparen, sondern auch personeller Unterbesetzung geschuldet.

In der Schwimmhalle läuft der Betrieb an allen Tagen wie gewohnt weiter. In den Ferien wird es, wie üblich, auch wieder auf den Vormittag erweiterte Öffnungszeiten geben. Froh über diesen normalen Betrieb waren alle Badegäste, die die RHEINPFALZ dieser Tage nach ihrer Meinung zur aktuellen Situation fragte. „Ich bin glücklich, dass das Hallenbad überhaupt geöffnet ist, Sport ist so wichtig“, sagte etwa eine Dreisenerin. Die Absenkung der Wassertemperatur im Schwimmerbecken auf 27 Grad – was im ersten Moment immer noch sehr komfortabel klingt, aber gefühlt spürbar kühler wirkt – nimmt sie gelassen: „Das ist noch okay.“ Man müsse sich eben bewegen – und das tut sie beim regelmäßigen Aqua-Jogging zum Wohle ihres Rückens. Auch gegen die niedrigere Raumtemperatur hat die Dreisenerin nichts: „Das ist sogar angenehmer als früher, ich bekomme besser Luft.“

Bisher keine Einschränkungen

Eigentlich ist auch Katrin Grüger aus Spiesheim vom Kibobad sehr angetan. „Das Babybecken ist toll, da war ich schon mit den ersten beiden Kindern.“ Nun erwartet sie Baby Nummer drei, auch das soll in Kibo seine ersten Planscherfahrungen machen. Die junge Mutter ist in diesem Punkt jedoch noch unsicher: Für Babys seien 30 Grad ein bisschen kühl, findet sie. Vorher waren es 33 Grad. Auch die kleine Tochter, die im auf 29 (vorher 31) Grad temperierten Nichtschwimmerbecken gerade einen Schwimmkurs absolviert, bibbert nach dem ausgiebigen Training am Beckenrand etwas. Dagegen hilft fürs Erste kräftiges Abrubbeln.

Dass überhaupt Schwimmkurse wieder angeboten und sogar ausgeweitet werden konnten, begrüßen alle Befragten. Auf der Positiv-Seite sieht Fleckenstein ebenfalls, dass es aktuell keine Einschränkungen beim Schulschwimmen und Vereinssport gibt. „Schulen und Vereine haben in der Pandemie stark zurückstecken müssen. Sie haben das bereitwillig akzeptiert. Daher möchten wir in der jetzigen Energiekrise von Einschränkungen, die Vereine, Schulen und Kursangebote betreffen, soweit wie möglich absehen“, erklärt der Werkleiter. Ob es noch der Vorsicht vor Corona-Ansteckung oder bereits den Energie-Sparmaßnahmen geschuldet ist, dass sich die Besucherzahlen dennoch spürbar unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019 bewegen, vermag Fleckenstein nicht zu sagen.

„Sozusagen mehr als klimaneutral“

„Lieber ein bisschen zu warm als zu frisch“ hätte es zwar auch Thomas Jung aus Fischbach gern, aber er hat Verständnis fürs Sparen, zumal dies jetzt auch in den anderen Bädern angesagt ist. Der ambitionierte Triathlet nutzt im Wechsel mehrere Hallenbäder in der Region und gibt dem Kibobad im Vergleich gute Noten, vor allem bei der Tarifgestaltung: Sein Favorit ist die Zwei-Stunden-Karte für 3,50 Euro. Ob es bei den seit Jahren stabilen Preisen bleiben kann, dafür würde Daniel Fleckenstein allerdings nicht die Hand ins Feuer legen: Durch die gestiegenen Betriebskosten müsse man zukünftig sicher auch über die Eintrittspreise beraten, formuliert er sehr vorsichtig.

Nach Energiesparquellen werde weiter gesucht, wie es sich eine jüngst eingesetzte Arbeitsgruppe zum Ziel gesetzt hat. Viel, so vermutet Daniel Fleckenstein, werde sich da wohl nicht mehr an Reserven auftun, aber jeder Vorschlag ist willkommen. Schon seit Jahren unterzieht sich das Kibobad regelmäßig sogenannten Energieaudits und reagiert darauf mit Einzelmaßnahmen. Außerdem produziert es dank Photovoltaikanlage und Blockheizkraftwerk bereits rein rechnerisch Strom deutlich über den Eigenbedarf hinaus, etwa in der Größenordnung eines Drittels. „Wir sind sozusagen mehr als klimaneutral“, sagt der Werkleiter. Die Krux ist nur: Da es noch keine wirtschaftliche Speichermöglichkeit gibt, ist Stromeinkauf zu verschiedenen Zeiten doch noch notwendig. Das dürfte erst recht in diesen trüben und kalten Wochen der Fall sein: Die Anzeigetafel im Eingangsbereich des Bades zeigt derzeit eine sehr bescheidene Energieausbeute an.

x