Donnersbergkreis Wenn das Leben dunkel wird

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„Depression hat viele Gesichter“, lautete die auffallendste Schlagzeile auf dem Infoblatt, und viele Interessierte, darunter sicher auch Betroffene und Helfende, füllten den großen Sitzungssaal des Kreishauses. Eingeladen hatten zu der Informationsveranstaltung mit dem Schwerpunkt „Depression im Alter“ die Kreisverwaltung, der Kreisseniorenrat und das „Bündnis gegen Depression“ der Region Westpfalz.

Kreisdezernent Albert Graf machte bei seiner Begrüßung die Dimension des Problems deutlich: Vier Millionen Menschen litten in Deutschland an einer Depression, heruntergerechnet auf den Kreis 3.800 Männer und Frauen, zu gleichen Teilen. Damit die Betroffenen die zahlreichen Hilfen auch annähmen, müsse die Depression aus der Tabuzone geholt werden. Von den geladenen Experten hielt zuerst Dr. Alexander Jatzko, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern, den einführenden Vortrag über Wesensmerkmale einer Depression. Depressionen seien verantwortlich für 90 Prozent der Suizide, bei denen wiederum der Männeranteil den von Frauen dreimal übertreffe. Im Alter steige das Suizidrisiko steil an. Hauptsymptome einer Depression seien gedrückte Stimmung, Interessenmangel und Freudlosigkeit, Antriebsschwäche, begleitet von Zusatzsymptomen wie Schlafstörungen und dem Gefühl eigener Schuld und Wertlosigkeit. Im Alter kämen körperliche Leiden hinzu, die Depression werde psychosomatisch. Ausgelöst werde die Altersdepression an erster Stelle durch gravierende Veränderungen wie dem Ende des Berufslebens, fehlende Anerkennung, Trauer oder Einsamkeit. Sehr erhellend war die Abgrenzung von Demenz und Depression: Während Depressive über ihre Gedächtnisstörungen klagten, überspielten Demente ihre Lücken, obwohl ihr Kurzzeitgedächtnis sich zunehmend verschlechtere. Ingo Haas, Oberarzt am Pfalzklinikum Rockenhausen, wandte sich den Therapiemöglichkeiten zu. Grundsätzlich seien diese für Junge und Ältere gleich. Bei „leichter“ Depression behandle man eher „abwartend“, bei „mittelgradiger“ psychotherapeutisch oder medikamentös, in „schweren“ Fällen beide Behandlungsformen gleichzeitig einsetzend. Ältere Menschen scheuten die Behandlung beim Psychotherapeuten, etwa aus Angst, sich auszuliefern, indoktriniert und manipuliert zu werden, auch aufgrund einer Überschätzung der Wirkung von Medikamenten (Psychopharmaka). 60 bis 70 Prozent sprächen darauf an, bei 20 bis 30 Prozent entfalte sich völlig die erwünschte Wirkung. Weitere Therapieformen wurden angesprochen, zum Beispiel die Verhaltenstherapie, die den Aufbau „neuer, positiver Aktivitäten“ bewirken solle. Irene Fleckenstein vom Sozialpsychiatrischen Dienst für den Donnersbergkreis, und Ingrid Schlabach, Vorsitzende der Kreis-Seniorenrates, informierten nun über das erfreulich große Angebot hilfreicher Einrichtungen, Dienste, Selbsthilfegruppen und sonstiger, meist von Ehrenamtlichen geleisteter Aktivitäten auch in unserer Region. Ein Beispiel ist der Gesprächskreis Eisenberg, über den eine Betroffene sehr anrührend und offen berichtete. Ohne hier aufgefangen und aufgenommen worden zu sein, „würde ich heute den Abend nicht vor Ihnen stehen“. Sie machte anderen Mut, sich selbst einer solchen Gruppe anzuschließen: „Nehmen Sie den Hörer in die Hand! Reden hilft!“ Zum Schluss war noch Gelegenheit zum Betrachten einer bunten Fotoausstellung des Kreis-Seniorenrates, mit dem Titel „Ein anderes Bild vom Altsein“, gestaltet von Ingrid Schlabach, die das Klischee von Altsein gleich Inaktivität und Krankheit gründlich aufbrach und ältere Menschen bei den verschiedensten Aktivitäten zeigte: am Computer, beim Klettern, Radfahren, Tanzen, Malen oder Theaterspielen... Auf besagtem Infoblatt gab es noch eine alternative Überschrift im Eck rechts oben: „Glücklich im Alter?“ (hbo)

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