Donnersberger Weinwelten Weingut Bremer: Drei Schwestern starten durch

Rebecca (rechts) und Anna Bremer beim Verkosten in ihrem Weinkeller.
Rebecca (rechts) und Anna Bremer beim Verkosten in ihrem Weinkeller.

Wie eng Tradition und Modernes oft zusammenhängen, das kann im Weingut Bremer in Niefernheim eingehend studiert werden. Im Herbst feiern Bremers – die „drei Schwestern und Herr Acker“ – zehn Jahre erfolgreiche Weinkultur in den traditionsreichen Mauern ihres Weingutes.

Als Anna, Leah und Rebecca Bremer ihre Wein-Philosophie in die Praxis umsetzen wollten, waren sie bereits einige Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Ort dafür. In Niefernheim wurden sie fündig.

Hier stießen sie auf die weitläufige Hofanlage des früheren Weinguts Herr mit ummauerten Pflanzgarten gegenüber, einem stattlicher Gründerzeitbau, dem Wirtschaftstrakt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, einer großen Scheue und Nebengebäuden aus gleicher Zeit – und Weinbergen in guter Lage. Viel Charme, aber auch viel Renovierungsbedarf, doch das hielt sie nicht ab, ihren Traum von kleinen, aber feinen Weingut umzusetzen. Werbefachfrau Leah, Betriebswirtin Anna und Architektin und Köchin Rebecca entwickelten ihr Konzept und fanden in Michael Acker einen Weinfachmann, der sie von Anfang an als erfahrener Winzer begleitete und der in der Bezeichnung des Weinguts fest verankert ist, eben: „Drei Schwestern und Herr Acker“.

Liebevolle Aufarbeitung der Gebäude zu einer stimmungsvollen Wein-Anlaufstätte für alle Sinne bestimmte neben der Weinbergs- und Kellerarbeit den Alltag. Heute sind sie angekommen. Die Schwestern Anna und Leah arbeiten im Hintergrund, zum Gesicht des Weinguts ist mittlerweile Rebecca geworden, die als Architektin zunächst viel mit der Umgestaltung der Hofstelle beschäftigt war und daneben ihr zweites Talent auslebt, nämlich das der begeisterten Köchin, ausgebildet an einer der renommiertesten Kochschulen Frankreichs.

Nachhaltigkeit von Anfang an zentrales Thema

Nachhaltigkeit war ein Thema, das Familie Bremer von Anfang an beschäftigte. Das wird Zug um Zug auf dem Hof auch nach zehn Jahren weiter umgesetzt. Da gibt es immer wieder Herausforderungen, zumal Denkmalschutzauflagen erfüllt werden müssen – eine Solaranlage kann da nicht so einfach auf die alten Gebäude gelegt werden. „Doch hier sind wir auch dabei, das alles unter einen Hut zu bekommen“, meint Rebecca Bremer. Sie hat die Corona-Zeit genutzt, um ihre Ideen zum Thema Gastro-Event im Weingut weiter auszubauen. Dabei ist ein „Klostergarten“ genannter Nutzgartenbereich entstanden, in dem sie für ihre Küche Kräuter und Gemüse heranzieht. Fleisch kommt aus der Region, den Wein produzieren sie selbst.

Blick in die Vinothek des Weinguts.
Blick in die Vinothek des Weinguts.

„Die Corona-Zeit haben wir zum Glück gut überstanden, die Präsenz im Internet und das Zusammenstellen von Weingenuss-Paketen hat uns da die Kundschaft gehalten. Doch die Begegnung mit Menschen vor Ort ist jetzt wieder ein weiterer Genuss für uns“, sagt Rebecca Bremer. „Wir haben unser Tasting-Konzept erweitert, jetzt arbeiten wir daran, die Hemmschwelle der Wanderer abzubauen, und entwickeln offene Angebote zum Thema Essen und Wein. Es soll auch möglich sein, zu uns zu kommen, sich umzuschauen und spontan zu genießen, neben den geplanten Aufenthalten in unseren Event-Räumen.“

Der Wunsch: Ein großes Hotel

Seniorchefin Cornelia Bremer gilt als „Mädchen für alles“ und unterstützt, wo sie kann. „Wir sind alle sehr gerne Gastgeber und freuen uns, wenn Menschen zu uns kommen“, sagt sie lachend. Ihr Wunsch ist, dass die Wanderwege im Zellertal besser ausgebaut und ausgezeichnet werden, um auch älteren Gästen den Natur- und Weinkulturgenuss zu ermöglichen. Rebecca Bremer ergänzt, dass in der Region noch ein Hotel fehle, damit die Gäste länger im Zellertal verweilen können. Wenn sie auf ihrem Weingut Seminare und Schulungen anbieten und organisieren, dann seien es die Übernachtungsmöglichkeiten, die im Umkreis fehlen, was immer wieder angemahnt werde.

„Frische und Qualität, das sind die Maßstäbe unserer Küche und auch beim Wein“, unterstreicht sie, und da kommt wieder der französische Einfluss durch. „Lieber nur ein paar ausgewählte Leckereien als eine riesige Speisekarte, die dann nicht mehr mit unserer Zielsetzung frisch und regional mithalten kann“ sagt sie. Immer weiter an der Qualität arbeiten und dabei die Natur erhalten, das gilt auch bei ihr im Weinberg. „Wir arbeiten sehr naturorientiert, die Bodenbearbeitung ist rein mechanisch, die Traubenpflege konventionell.“

Ersten klima-positiven Wein herausgebracht

Klima ist auch bei Bremers ein großes Thema, zum einen die globale Herausforderung und dann das Klima zuhause im Weinberg. „Wir haben gerade unseren ersten klima-positiven Wein herausgebracht. Dafür haben wir Bokashi, ein kompostähnlicher selbst erzeugter Dünger, aus Pflanzenkohle und Tresterresten hergestellt und in den ersten Weinberg und natürlich auch in unseren Gemüsegarten ausgebracht. Dadurch wird die Humusschicht aufgebaut und verbessert“, so Rebecca Bremer. Aus der renommierten Lage „Schwarzer Herrgott“ ist so der erste Riesling der Bremers entstanden, der die Bezeichnung klima-positiv trägt.

Auch im Zellertal ist die Trockenheit der vergangenen Jahre ein großes Thema geworden. Gerade, wenn neue Weinberge angelegt werden, muss meist bewässert werden, die immer öfter auftretenden Starkregenereignisse beobachtet die Weinfachfrau ebenfalls kritisch. Doch damit umzugehen, dieser Herausforderung steht sie mit allen Kollegen und Kolleginnen aus der Landwirtschaft nicht nur im Weinberg gegenüber.

Donnersberger Weinwissen: Im Landkreis Weinanbau auf 339,2 Hektar Fläche

Auf gut 339,2 Hektar Fläche wurde im Donnersbergkreis im Erntejahr 2022 Wein angebaut. Das hat die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, gestützt auf Daten des Statistischen Landesamtes Bad Ems und der EU-Weinbaukartei, der RHEINPFALZ auf Nachfrage mitgeteilt.

Damit sind gerade mal 0,5 Prozent der Gesamtfläche des Donnersbergkreises, die etwa 650 Quadratkilometer beträgt und zu etwas mehr als der Hälfte landwirtschaftlich genutzt wird, mit Reben bestockt. Weißwein gibt dabei den Ton an. Nur ein Viertel der Donnersberger Weinbaufläche – 85,5 Hektar – entfällt auf die roten Weinsorten, der Rest mit 225,7 Hektar Anbaufläche wird für Weißweinanbau genutzt.

Bei den Weißweinsorten hält der Riesling im Donnersbergkreis den Löwenanteil an der Anbaufläche mit 88,3 Hektar. Mit deutlichem Abstand folgt Müller-Thurgau (41,44 Hektar) vor Ruländer (25,4), Weißburgunder (25,2), Silvaner (17,3) und Chardonnay (11,3). Unter den roten Sorten hat der Dornfelder eher knapp die Nase vorn mit 23,9 Hektar Anbaufläche, dicht gefolgt von Blauem Spätburgunder (20,8 Hektar), Portugieser (18,3) und Regent (9,2).

Adresse und Öffnungszeiten

Brückenstraße 2, 67308 Zellertal; Tel.: 06355 8639166; Online: weingutbremer.de und weingutbremer.de/shop; Mail: info@weingutbremer.de; Öffnungszeiten Weingut: Do & Fr 14 – 19 Uhr, Sa 11 – 16 Uhr; Bistro und Weinbar: Do & Fr 17.30 – 22 Uhr

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