STEINBACH RHEINPFALZ Plus Artikel Vorstandschef der Jugendherbergen sieht Schließung in Steinbach als alternativlos an

Ist geschlossen und soll nicht wieder öffnen: die Jugendherberge in Steinbach.
Ist geschlossen und soll nicht wieder öffnen: die Jugendherberge in Steinbach.

Die Jugendherberge Steinbach steht mit ihrer Schließung nicht allein. Fünf weitere Häuser – alle im nördlichen Landesteil – werden ebenfalls aufgegeben, wie Jacob Geditz, Vorstandschef von „Die Jugendherbergen Rheinland-Pfalz und Saarland“, im Gespräch mit der RHEINPFALZ erklärt hat. Ein schwacher Trost für die Steinbacher. Für Geditz ist die Entscheidung allerdings alternativlos.

„Das stand nie und nimmer auf unserem Plan“, wehrt sich Geditz mit Nachdruck gegen die Mutmaßung, eine Schließung der Jugendherberge Steinbach sei schon vor Corona ins Auge gefasst worden und die Krise habe nun den letzten Anstoß dazu gegeben. Es sei gerade auch seine Philosophie stets gewesen, an allen 45 Standorten im Land festzuhalten. „Unser Plan war: Nicht schließen, sondern erhalten.“ Das sei nun aber unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr durchzuhalten.

Von der Entwicklung sei der Verband letztlich kalt erwischt worden. „Wir wurden vollkommen überrollt.“ Man habe immer wieder mal Probleme, mal ein schlechtes Jahr - damit könne man umgehen. „Aber von einem auf den anderen Tag bei den Buchungen und den Einnahmen auf Null gestellt zu werden, das stellt man sich in den kühnsten Träumen nicht vor“, verweist Geditz auf die coronabedingte Ausnahmesituation dieser Tage. Er spricht von einem Einnahmeverlust von 12,5 Millionen Euro für seinen Landesverband. Und in der Tendenz werde das weiter steigen, eine Entwicklung, die das gesamte Unternehmen gefährde, wenn man nicht handele. Und einen Rettungsschirm für Jugendherbergen gebe es noch nicht.

„Kann Entrüstung nachvollziehen“

„Die Entrüstung kann ich nachvollziehen“, zeigt Geditz Verständnis für die heftigen Reaktionen vor Ort. Auch den Vorwurf, die Verantwortlichen in den Kommunen vor Ort nicht über die beschlossene Schließung informiert zu haben, könne er verstehen. „Das kann man so sehen“, räumt er ein, fügt aber auch an: „Doch das hätte letztlich nichts geändert.“

Neben dem wirtschaftlichen Druck sei es auch das Tempo der Entwicklung, das diesen Prozess und die Entscheidungen seines Landesverbandes maßgeblich mitbestimmt habe. Diesen Gesichtspunkt spricht Geditz auch bei der Frage an, warum die Mitarbeiter nach nur einer Woche in Kurzarbeit schon die Entlassung bekommen hätten. Die Kurzarbeit, so Geditz, sei für alle Herbergen vereinbart worden, und zwar noch zu einem Zeitpunkt, als es zwar Stornierungen gab, aber keine verordneten Schließungen. „Das braucht ja alles einen gewissen Vorlauf.“ Dann aber habe es, kurz nach Inkrafttreten der Kurzarbeit, von einem Tag auf den anderen die verordneten Schließungen gegeben und somit keine Belegung mehr in allen Häusern, und das auf erstmal nicht absehbare Zeit.

Und warum fiel die Wahl auf Steinbach? „Steinbach gehört zu den Häusern, bei denen es um große Investitionen ginge, um es zukunftsfähig zu erhalten. Ich sehe nicht, dass uns das auf absehbare Zeit möglich sein wird.“ Bei normalem Verlauf hätte man diesen Modernisierungsbedarf über drei bis fünf Jahre regeln können. Die Coronakrise schreibt aber nun ein gänzlich anderes Drehbuch. Hinzu komme, dass Steinbach zu den Häusern zähle, die vor allem in den Wintermonaten schwach belegt seien. Und die jetzige Entwicklung lasse für die ertragreichen Zeiten keine Öffnung zu, sondern vielleicht erst wieder im Spätjahr mit der Aussicht auf dann wieder defizitäre Monate.

„Unrealistisch, Hoffnungen zu wecken“

Daher sei diese Entscheidung getroffen worden. „Das macht uns keine Freude. Wir wollen unsere Häuser erhalten und haben uns immer darum gekümmert.“ Der Blick sei daher auf die Jugendherbergen im Bestand gefallen, die wie Steinbach ohne großen Aufwand nicht zukunftsfähig seien. Aufgeben werde sein Verband nun auch Jugendherbergen in Wollendorf (Eifel), Traben-Trarbach, Montabaur, Sargenroth und Idar-Oberstein. Steinbach ist damit der einzige Standort in der Pfalz, der wegfällt.

Noch Spielraum, dem Haus unter günstigen Bedingungen eine Zukunft eventuell offenzuhalten – wie es etwa mit der Petition des Steinbacher Ratsmitglieds Dirk Schneider von mittlerweile Hunderten Nutzern der Jugendherberge gewünscht wird –, sehe er kaum, so Geditz. „Wenn der Rauch sich verzogen hat, werden wir sehen, wo wir stehen. Doch zum jetzigen Zeitpunkt ist es unrealistisch, Hoffnungen zu wecken.“ Insofern habe es zur Zeit auch wenig Sinn, in Gespräche mit kommunalen Vertretern einzutreten, wie das vor Ort nun lebhaft gefordert wird. „Aktuell ergibt das wenig Sinn. Das kann man angehen, wenn die Krise vorüber ist und der Blick wieder frei wird für andere Dinge.“ Planungen, was mit dem nun leerstehenden Haus geschehen soll, gebe es noch keine.

Besonders betroffen ist natürlich das Personal, die neun Mitarbeiter – Assistenz der Betriebsleitung, Küche, Hausmeister, Reinigungspersonal und andere – , die nun entlassen wurden, nachdem einige davon 20, 25 Jahre im Haus beschäftigt gewesen sind. Dass es auch für die langjährig Beschäftigten nach RHEINPFALZ-Informationen keine Abfindung gegeben haben soll, wollte Geditz nicht kommentieren. Die Entlassung nannte er gleichwohl als besonders schmerzlichen Aspekt des Themas. „Es tut uns weh, Mitarbeiter entlassen zu müssen, das ist immer schwierig und sehr beklemmend.“

 Vorstandsvorsitzender von „Die Jugendherbergen Rheinland-Pfalz-Saarland“: Jacob Geditz.
Vorstandsvorsitzender von »Die Jugendherbergen Rheinland-Pfalz-Saarland«: Jacob Geditz.
x