Donnersberger Echo RHEINPFALZ Plus Artikel Vorfreude auf ein Jahr (fast) ohne Corona-Regeln – unsere Wochenendkolumne

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Wissen Sie noch, wie die Corona-Lage zum Jahreswechsel 2021/22 war? Ein Blick zurück lohnt – umso größer ist dann trotz vielfältiger Probleme die Vorfreude auf 2023.

Ukraine-Krieg, Energiekrise, Inflation, Klimawandel – es gibt fraglos genug Probleme, die uns auch 2023 fordern werden. Aber bei einem Thema können wir an Silvester den kommenden zwölf Monaten deutlich entspannter als in den beiden Vorjahren entgegenblicken: Corona. In dieser Woche hat Virologe Christian Drosten die Pandemie praktisch schon jetzt, spätestens aber bis Sommer für überwunden erklärt. In der Berliner Ampel-Koalition ist daraufhin eine Diskussion entbrannt, ob die verbliebenen Einschränkungen sofort oder erst mit Auslaufen des Infektionsschutzgesetzes am 7. April aufgehoben werden sollten.

Mal abgesehen davon, dass der Schutz sogenannter vulnerabler Gruppen durch Tragen von Masken in Arztpraxen, Krankenhäusern oder Seniorenheimen (nicht nur wegen Covid-19) zumindest während der Wintermonate auch künftig sinnvoll und die Situation in den Kliniken ohnehin im Auge zu behalten ist: Es gibt wohl wichtigere Fragen zu klären als diejenige, ob im Öffentlichen Personennahverkehr ein Mund-Nasen-Schutz noch drei Monate länger vorgeschrieben ist. Und natürlich kann es theoretisch neue Virus-Varianten geben – siehe die aktuelle Debatte um eine Testpflicht für Einreisende aus China –, die ansteckender und gefährlicher sind. Aber selbst in diesem Fall wäre die Wissenschaft inzwischen binnen weniger Monate in der Lage, mit einem angepassten Impfstoff zu reagieren. Kurzum: Ich bin überzeugt, dass Corona-Regeln 2023 eine sehr untergeordnete bis gar keine Rolle mehr spielen werden.

Abitur mit Maske und „Montagsspaziergänge“

Das sah vor einem Jahr noch anders aus. Vielleicht geht’s Ihnen ähnlich: Angesichts der zunehmenden Lockerungen ab Sommer verblassen meine Erinnerungen, wie heikel und ungewiss sich die Lage Anfang 2022 dargestellt hat. Ein Blick in die damaligen RHEINPFALZ-Ausgaben hilft weiter. So sind zum Jahreswechsel größere Zusammenkünfte in der Öffentlichkeit durch die Corona-Verordnung des Landes untersagt. Am 5. Januar startet an den Schulen im Kreis das schriftliche Abitur – dabei haben die Schülerinnen und Schüler durchgängig Masken zu tragen, die sie nur während des im 20-Minuten-Rhythmus vorgeschriebenen Stoßlüftens absetzen dürfen. Impfgegner und Kritiker der Corona-Politik halten Kreisverwaltung und Ordnungsämter bei „Montagsspaziergängen“ auf Trab, schweren Herzens sagen nach und nach alle Narren zum zweiten Mal in Folge ihre Prunksitzungen und Maskenbälle ab. Neujahrsempfänge? Ebenfalls Fehlanzeige.

„Omikron nimmt Fahrt auf: Über 400 aktive Corona-Fälle“ titelt die Donnersberger Rundschau am 14. Januar – Ende Januar waren es dann bereits mehr als 1000. Neben der viermal pro Woche geöffneten kommunalen Impfstelle in Winnweiler werden nun auch dezentrale Termine angeboten – „boostern“ ist das Gebot der Stunde. Unterdessen wirbeln die steigenden Infektionszahlen unter Kindern und Erwachsenen die Dienstpläne in den Kitas sowie die Organisation in den Familien kräftig durcheinander. Sowohl Eltern als auch das Betreuungspersonal sind an der Grenze der Belastbarkeit.

Betze-Spiel vor 500 Zuschauern

Im Amateursport wird die 2G-Regel eingeführt – mit einem immensen Aufwand für die ehrenamtlich tätigen Betreuer und Funktionäre. Derweil dürfen gerade mal 500 Besucher den 4:0-Erfolg des 1. FC Kaiserslautern im Spitzenspiel der Dritten Fußball-Bundesliga gegen den SV Meppen im Stadion verfolgen – erstmals wieder keine Zuschauerbeschränkungen gibt es Anfang April, als 28.500 Fans auf dem Betze das 5:1 gegen Duisburg bejubeln.

So war der Stand vor einem Jahr – man könnte die Liste noch um etliche Punkte erweitern. Umso schöner ist es doch, dass uns derlei Beschränkungen und Unannehmlichkeiten 2023 aller Wahrscheinlichkeit nach erspart bleiben. Ich freue mich jedenfalls, dass meine jüngere Tochter ab nächster Woche ihre Abiturprüfungen ohne Maske schreiben darf; dass sie wieder mit dem Jugendorchester musizieren und mit der Ballettschule bei Prunksitzungen auftreten kann; dass sie und ihre große Schwester nicht vor jedem Basketballspiel zittern müssen, ob die Partie coronabedingt abgesagt werden muss; dass meine Frau nicht mehr das halbe Wochenende am Handy verbringt, weil sie als Gesamtleitung für die Kitas in ihrem Zuständigkeitsbereich Infektionsmeldungen anzunehmen und Notfallpläne für die folgenden Tage zu erarbeiten hat; dass ich in der Rückrunde noch einige Zweitliga-Begegnungen im proppenvollen Fritz-Walter-Stadion erleben (und dabei hoffentlich Siege der Roten Teufel feiern) darf.

Kein Zittern mehr vor Festen, Konzerten und Märkten

Ganz allgemein bin ich froh für die Menschen in unserer Region, dass sie schon Wochen vorher ohne Angst vor der nächsten Corona-Verordnung Fasnachtssitzungen, Kerwen, Konzerten, Theateraufführungen, Resi- und Herbstfesten, Weihnachtsmärkten und vielem anderen mehr entgegenfiebern können. Denn Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude! Und die anderen Probleme? Vielleicht können wir an die ja dann Ende 2023 einen Haken machen ...

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