Donnersbergkreis Von starken Frauen in schweren Zeiten

91-82857691.jpg

Im Mittelpunkt des Frauentages des Dekanats Winnweiler, den in diesem Jahr die protestantische Kirchengemeinde Mehlingen ausgerichtet hat, stand das Bild der Frau in der Zeit der Reformation. Referentinnen stellten mehrere starke Frauen dieser Zeit vor.

Die Reformationszeit habe in der Entwicklung für die Menschen viel gebracht. Für Frauen allerdings sei es nicht leicht gewesen, sich zu behaupten. Tragende weibliche Persönlichkeiten dieser Zeit seien nicht sehr bekannt, sagte Pfarrerin Ute Samiec von der protestantischen Kirchengemeinde Mehlingen. Dennoch habe es etliche starke Frauen gegeben. Ihren Platz in der Gesellschaft hätten sie trotz vieler Schwierigkeiten etwa dadurch behauptet, dass sie Kindern das Schreiben und Lesen beibrachten und Schulen gründeten. Eine dieser starken Frauen war Argula von Grumbach (um 1492 bis um 1568), die von Regine Mayer-Oelrich, der Vorsitzenden des Ausschusses Frauen im Dekanat Winnweiler, vorgestellt wurde. Laut Mayer-Oelrich war Argula von Grumbach eine protestantische Laientheologin, die sehr für ihren Glauben eintrat. Sie musste deswegen deutliche Einschränkungen in Kauf nehmen. Ihrem Mann beispielsweise wurde sein Amt genommen, und ihre Familie wandte sich gegen sie. Elisabeth Cruciger (um 1500) war die erste Lieddichterin der Reformationszeit, deren großes Werk noch heute im Gesangbuch zu finden ist. Ihr widmete sich ein Referat von Gunhild Szwast. Ihr Werk „Herr Christ, der einzig Gottes Sohn“ wurde nach ihrer Würdigung von der Gemeinschaft gesungen. Gleich mit drei Reformatoren in vier Ehen war Wilbrandis Rosenblatt (1504 bis 1564) verheiratet. Über sie informierte Pfarrerin Ute Samiec. Gerade Wilbrandis Rosenblatt galt als die „graue Eminenz“ unter so namhaften Reformatoren wie Johannes Oekolampad, Wolfgang Capito und Martin Bucer. Einen Kurzfilm gab es für die über rund 80 Teilnehmer, darunter auch einige Männer, über Elisabeth von Rochlitz (1502 bis 1557). Sie zählte zu den stärksten Frauen der Reformation und hat ihren Glauben kontinuierlich verbreitet und immer wieder unter den Menschen erneuert. Gesanglich umrahmt wurde der Frauennachmittag vom protestantischen Kirchenchor unter der Leitung von Lydia Pflüger. Die Sängerinnen und Sänger besangen dabei die aufgehende Sonne, erinnerten an die Geschenke Gottes sowie das Suchen und Fragen und wünschen sich kreuzende Wege. Die Gemeinschaft selbst besang den großen Gott. Die Kollekte aller Dekanatsfrauentage geht in diesem Jahr an die Frauenhilfsorganisation „Medica“, die sowohl medizinische als auch psychologische Hilfe in der Region Dohuk im Nordirak leistet. Grußworte sprachen die Mehlinger Ortsbürgermeisterin Monika Rettig und Andreas Alter, Bürgermeister der VG Enkenbach-Alsenborn. (llw)

x