Donnersberger Echo RHEINPFALZ Plus Artikel Von Leserbriefen und der ärztlichen Versorgung auf dem Land

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Impfeklat: Was Leserbriefe dürfen – oder nicht

Nie zuvor haben wir bei der Donnersberger Rundschau so viele Leserbriefe bekommen wie in den letzten beiden Wochen. Fast alle haben wir abgedruckt. Darin haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, ihr Verständnis geäußert und zur Mäßigung aufgerufen, oder aber sich Ihren Unmut und Ihre Wut von der Seele geschrieben. Es wurde geschimpft und gezetert. Manch einer ließ auch an seiner persönlichen Einschätzung der Fähigkeiten und charakterlichen Eignungen einiger Amtsträger keine Zweifel. Und all das dürfen Sie auch. Bis auf persönliche Beleidigungen und Angriffen unter der Gürtellinie ist all das durch das hohe Gut der Meinungsfreiheit gedeckt. Wenn es nach unserem RHEINPFALZ-Empfinden zu dick aufgetragen ist, dann nehmen wir uns auch die Freiheit, einen solchen Brief zu entschärfen. Abdrucken werden wir ihn aber dennoch.

Etwas völlig anderes aber ist es, wenn Sie, und sei es aus Ihrer Warte noch so naheliegend und schlüssig, Behauptungen aufstellen, die Sie nicht belegen können. Denn genau hier endet die Meinungsfreiheit, und es beginnt die falsche Tatsachenbehauptungen. Wenn also beispielsweise von „Seilschaften“ oder von systematischem Betrug die Rede ist, dann sind Sie und in der Folge auch wir in der Beweispflicht. Wer also beispielsweise eine Straftat unterstellt, muss in der Lage sein, diese „Tatsachenbehauptung“ juristisch hieb- und stichfest zu untermauern. Mutmaßungen wie „das weiß doch jeder“ reichen hier nicht aus, ebenso wenig genügt ein Verweis auf Wikipedia.

Das Recht auf Meinungsfreiheit hat auch uns in der Redaktion schon manches abverlangt und uns in gewisser Weise gestählt. So halten wir es ohne Probleme aus, wenn eine Leserin nachts per E-Mail eine Schimpftirade über uns ablässt und uns dafür verantwortlich macht, dass die Stimmung im Kreis jetzt so schlecht ist, weil wir über diesen „Mist“ berichten, wo es doch so viele schöne Themen gibt. Dass sie uns dabei duzt, als wären wir eine halbwüchsige Hinterhofbande: Auch damit können wir umgehen. Wir können auch – kopfschüttelnd über die Mutmaßungen und Fantasien, die da zum Ausdruck kommen – professionell mit Unterstellungen umgehen, wir würden Leserbriefe steuern, willkürlich veröffentlichen oder unter den Tisch fallen lassen und Wahlkampagnen für eine bestimmte Partei betreiben. Auch den Vorwurf, wir seien in unserer Berichterstattung tendenziös stecken wir weg – vorausgesetzt, er wird uns nicht nur von einer Seite gemacht. Denn wenn sich alle gleichermaßen ungerecht behandelt fühlen, dann bewegen wir uns wohl irgendwo in der Mitte, und genau das ist unser Ziel.

Apropos Wahlkampf. Dass die vorzeigte Impfung gerade in Zeiten vor zwei Wahlen Wellen schlug, macht den Umgang mit Leserbriefen ungleich schwerer. Denn was wir unbedingt vermeiden wollen, dass Leserbriefe als Mittel zum Wahlkampf missbraucht werden. Leserbriefe sind die Plattform des Lesers, nicht die Lautsprecher von Parteifunktionären und Amtsträgern. Diesen stehen andere Mittel zur Verfügung, ihre Meinung und ihren Willen kundzutun.

Wenn alle Meinungen hinreichend formuliert wurden, wenn pro und contra seinen Platz hatte, und wenn sich an der Sachlage nichts geändert hat, dann beenden wir eine Leserbrief-Debatte, auch wenn es dabei vorkommt, dass zwar alles gesagt wurde, aber eben noch nicht von jedem. Und so wollen wir es auch ab sofort in Sache Impfeklat halten. Solange sich der Sachverhalt nicht ändert, werden wir keine weiteren Briefe zu dem Thema mehr veröffentlichen. Jutta Glaser-Heuser

Bereitschaftsdienst: Ob das motivierend für junge Ärzte ist?

Eines vorweg: Wie gut der Bereitschaftsdienst seit dem Start der landesweiten Hotline und des Hausbesuchsdienstes funktioniert, kann an dieser Stelle mangels Informationen nicht fundiert beurteilt werden. Denn wie oft das Angebot in Anspruch genommen wird, sagt ja noch nichts über dessen Qualität aus. Erste Rückmeldungen lassen aber zumindest vermuten, dass nicht jeder Anrufer so „bedient“ worden ist, wie das die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bei Einführung des neuen Systems propagiert hat.

Natürlich braucht ein solches auch Zeit, bis ein Rädchen ins andere greift. Der Ansatz, schon am Telefon zu differenzieren, ob ein Patient ein Fall für den Notarzt, den Bereitschaftsdienst oder am (über-)nächsten Tag für die normale Hausarztpraxis ist, erscheint ja durchaus sinnvoll. Dafür braucht es aber an der Hotline top ausgebildete medizinische Fachkräfte. Mal abgesehen davon, dass die Schließung der Bereitschaftspraxis in Rockenhausen und die Reduzierung der Öffnungszeiten in Meisenheim natürlich eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung in unserer Region bedeuten, stellt sich auch eine strukturelle Frage: Wenn die KV andeutet, künftig beim Hausbesuchsdienst vielleicht stärker auf Dienstverpflichtungen setzen zu müssen, dann widerspricht das Bestrebungen, Hausarztstellen – gerade auf dem Land – attraktiver zu machen.

Sicher: Auch bei den Besetzungen der Bereitschaftspraxen hat es schon Probleme gegeben, ausreichend Personal zu finden. Zweifelhaft erscheint jedoch, dass das neue Konzept der Ausweg aus dieser Misere ist. Denn die Aussicht, statt einen Dienst in einer warmen Bereitschaftspraxis zu „schieben“, mit dem Auto durch die Gegend zu brummen – und dafür vielleicht sogar die eigene Praxis an diesem Tag schließen zu müssen –, dürfte für potenzielle Landärzte und -ärztinnen nicht gerade motivierend sein. Rainer Knoll

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