Donnersbergkreis Von Kreuznach nach Dielkirchen

DIELKIRCHEN. In Bad Kreuznach hatte sie viele Fans, war eine feste, beliebte Größe in der Musikszene der Nahe-Stadt. Nun feiert Ken Legendres „Majik Lounge“ Wiederauferstehung – in Dielkirchen. „Die Gemeinde unterstützt uns sehr, deshalb ist das für uns jetzt auch kein Pflaster oder eine Notlösung“, setzt Legendre, der selbst in Dielkirchen lebt, auf das Bürgerhaus als dauerhafte Location für Konzerte und für die „Talent-Lounge“, die dem Nachwuchs der Region eine Bühne bereiten will.
Zuerst ein Blick zurück: Die „Majik Lounge“ trat im Mai 2010 ins Leben mit einem Konzert des bekannten Fingerstyle-Gitarristen und Songwriters Biber Hermann. Im leerstehenden ehemaligen Predigerseminar der evangelischen Kirche im Kreuznacher Salinental sah Kenny Legendre gute Bedingungen für eine solche Konzertbühne. Eine Zeitlang hat er auch selbst in dem Gebäude gewohnt. Hier hatte der vielseitige Musiker seinen Probenraum, seine Tontechnik, hier hat er auch CDs aufgenommen, erzählt der aus den USA stammende Legendre, der selbst unter dem Künstlernamen „Majiken“ auf der Bühne steht, solo wie in verschiedenen Formationen. „Der Anfang war schwer.“ Der abgelegene Veranstaltungsort sei zunächst nur wenigen bekannt gewesen, auch die öffentliche Aufmerksamkeit musste erst geweckt und darauf hingelenkt werden, dass sich da im Salinental was tut, blickt Legendre auf den Start der Lounge zurück – im ersten Jahr seien mitunter weniger als zehn Leute zu den Konzerten gekommen. „Aber mit der Zeit wurden wir bekannter, und wir blieben hartnäckig.“ Viele Gruppen und Solokünstler kamen mit den Jahren, darunter bekannte Größen wie Paddy Schmidt von „Paddy and the Holyhead“, der Jazz-Gitarrist John Stowell, der Kölner Fingerstyler Martin Segschneider. Mit Klaus der Geiger und dem Maximum Terzett gab es das erste Open-Air-Konzert. Der Sänger und Songwriter John Allen aus Limburg, inzwischen ein Shooting-Star der Szene, hatte in der Majik-Lounge einen seiner ersten Bühnenauftritte. So füllten sich die Reihen, kamen mitunter 80 bis 100 Zuhörer. „Das ging bis 2013“, erzählt Kenny Legendre. Dann habe die Kirche das Anwesen verkauft, und die Lounge musste umziehen, zunächst in die Sportsbar „Lifestyle“, danach ins „Upstairs“, das den großen Nachteil gehabt habe, nicht behindertengerecht zu sein. Am letzten Standort, dem Markt-Haus der Diakonie-Werkstätten, war dieser Mangel wieder behoben – behindertengerechte Zugänge sind für Ken Legendre und seine Lebensgefährtin und Eventmanagerin Margarete Schneider für die Zukunft unabdingbar. „Die Werkhaus-Leiterin Brigitte Adam hatte davon gehört, dass wir auf der Suche waren, und uns gefragt, ob wir nicht dahin kommen wollen“, erklärt sie, wie die Majik Lounge zum Einzug in das Soziale Kaufhaus kam. Rund 300 Konzerte gingen in der Bad Kreuznach in diesen Jahren unter dem Majik-Lounge-Lable über die Bühne, zumeist dienstags, ein Tag, an dem die Künstler weniger gebucht werden und wo sich zwischen zwei Terminen in der Nähe ein Abstecher nach Bad Kreuznach einschieben ließ. Daneben wurde die Talent-Lounge als Newcomer-Bühne zu einem zweiten Standbein. „Die Talent-Lounge ist immer sehr gut gelaufen. Da hat jeder am Ende des Abends nochmal zum Instrument gegriffen und mitgejammt, manchmal auch Leute aus dem Publikum“, so Margarete Schneider. Dass Ken Legendre sich nochmal einer Herausforderung in seinem alten Beruf als Manager in der Autobranche stellen wollte, und das in Polen, setzte dem Konzertbetrieb der Lounge im Dezember letzten Jahres zunächst ein Ende, immer mit dem Gedanken, dass das nur eine Pause sein würde. Und so ist es jetzt auch gekommen – wenn auch mit einem Neustart an ganz anderer Stelle. Zunächst hatte Legendre noch mit Rockenhausen als Veranstaltungsort geliebäugelt, etwa als Gast im neuen Domizil des Kinderzirkus Pepperoni im alten Kino, doch sind die Räumlichkeit dort noch nicht fertig. Legendre setzt nun auf das Bürgerhaus und ist zuversichtlich, dass die vier Kilometer nach Rockenhausen, dessen lebendige Kulturszene er sehr schätzt, keine große Hürde sind. Nun freut er sich auf viele alte Bekannte und neue Gesichter auf der Bühne wie im Publikum. Auch in Dielkirchen im Bürgerhaus wird dienstags „Lounge-Time“ sein, wobei Legendre sich bemüht, Terminkollisionen mit anderen Kulturveranstaltungen zu vermeiden. Nach dem Auftakt mit den „Italo Boys“ am 25. Oktober macht nun der Gitarrist Martin C. Herberg am Dienstag, 15. November, auf seiner Abschiedstour nach 42 „Dienstjahren“ auf der Bühne Station in Dielkirchen. Am Mittwoch, 14. Dezember, kommt mit den „Busquitos“ eine Gruppe, die in Holland 2013 zur besten Straßenmusikband gekürt worden ist – wie Herberg waren auch die Busquitos schon in der Kreuznacher Majik Lounge zu Gast. In Planung sind Konzerte mit „Papa Legba“ und „Donati Swing“, Gruppen, die in jüngerer Zeit schon beim „Musikalischen Sommer“ beziehungsweise in der „Sommer-Zeit“ in Rockenhausen zu hören waren. Die „Talent Lounge“ bietet – bei freiem Eintritt – am 29. November und 27. Dezember Newcomern eine offene Bühne.