Donnersbergkreis Von Bächen, Woogen, Mühlen und Bachordnungen

Der Mühlbach oberhalb der Klostermühle Münchweiler (heute zugeschüttet) um das Jahr 1960.
Der Mühlbach oberhalb der Klostermühle Münchweiler (heute zugeschüttet) um das Jahr 1960.

In unserer Serie „Schnappschüsse von früher“ veröffentlichen wir in loser Folge alte Fotos und ihre Geschichten. Der heutige historische Schnappschuss stammt von unserem Mitarbeiter Egon Busch.

Wasser spielte in früheren Jahrhunderten eine enorm wichtige Rolle. Glücklich konnte sich die Gemeinde schätzen, die auf ihrer Gemarkung genug davon hatte. Während der Feudalzeit haben die adligen Herrschaften in den Bachtälern der Nordpfalz riesige Weiher, Wooge genannt, anlegen lassen, um darin Fischzucht zu betreiben. Im oberen Alsenztal reihte sich von der Quelle des Baches in Alsenborn bis nach Winnweiler lange Zeit ein Woog an den anderen. Fischzucht war ein lohnendes Geschäft, durfte doch in den streng eingehaltenen Fastenzeiten kein Fleisch, wohl aber Fisch, gegessen werden. Erst als die Ländereien samt den Woogen in der „Franzosenzeit“ in die Hände der Bauern kamen, haben diese die Wooge abgelassen, weil sie die dann entstandenen Wiesen für ihr Vieh nutzen wollten. Die Bäche wurden hauptsächlich gebraucht, um die überall vorhandenen Mühlen zu treiben. Da gab es in jedem Dorf eine Mahlmühle, in der Mehl, Schrot und Kleie, manchmal auch Graupen und Hafermehl hergestellt wurden. Auch Ölmühlen waren weit verbreitet. Zahlreich waren auch Lohmühlen, wo die zum Gerben benötigte Rinde von jungen Eichen zermahlen wurde. In den Schneidemühlen wurden Stämme zurechtgeschnitten und in den Knochenstampfen Tierknochen zerstampft, um kalkhaltiges Knochenmehl zum Düngen zu gewinnen. In der Nähe von Rockenhausen existierte eine Walkmühle, in der gegerbte Tierhäute weichgemacht wurden, und bei Lohnsfeld eine Pulvermühle, in der Schießpulver hergestellt wurde. Mühlen an kleineren Bächen hatten oft das Problem, dass nicht genügend Wasser da war. In Mühlteichen musste das Wasser zuerst gesammelt werden, bis man genug hatte, um die Mühle zu treiben. Größere Mühlen, zum Beispiel im Alsenztal, hatten oft das Problem, dass eine oberhalb gelegene Mühle zu viel Wasser aufstaute, was dann durch das Setzen eines bestimmten Eichpfahls verhindert werden sollte. So machte man es zum Beispiel bei der Neumühle bei Münchweiler, damit die Dorfmühle weiter unten im Tal noch genügend Wasser abbekam. Die Abzweigung des Mühlbachs von der sogenannten alten Bach erfolgte an einer Schleuse, in der Nordpfalz auch „Schließ“ genannt – Teile davon haben sich in der Nordpfalz oft erhalten, obwohl schon lange kein Mühlbach mehr abgeleitet wird. Ein „Bachfauth“ hat damals den Mühlbach überwacht und vor allem darauf geachtet, dass hochstämmige Bäume mindestens dreieinhalb Fuß vom Ufer entfernt gepflanzt wurden, damit das Wasser nicht durch abfallende Blätter und Äste verunreinigt wurde. Besitzer angrenzender Wiesen durften in der Regel nur von Jacobi (25. Juli) bis Mai nächsten Jahres ihre Wiesen bewässern, doch mussten sie an der Ausflussstelle einen Rechen anbringen, damit keine Fische wegschwimmen konnten. Alle Anlieger hatten dafür zu sorgen, dass alles Wasser aus Quellen auf ihrem Grundstück direkt in den Bach geleitet wurde. In sogenannten Bachordnungen waren diese Regelungen festgelegt. In der Münchweilerer Bachordnung von 1599 war festgeschrieben, dass jedes Jahr im April „die Bach“ ordentlich „gefegt“ werden musste und die Ufer zu befestigen waren. Das war Aufgabe der Anlieger entsprechend der Länge ihres Grundstücks, und ein besonderer „Friese“ hatte die Oberaufsicht über diese Arbeiten. Dadurch sollte das Wasser das benötigte Gefälle bekommen. Alle Enten, die den Bach „verösen“, sollten abgeschafft werden. Fischotter mussten gejagt, und Fische und Krebse, die beim Reinigen des Baches gefangen wurden, sollten an die Herrschaft in Neuhemsbach geliefert werden. Übrigens hat man im 18. Jahrhundert auch die kleineren Bäche in der Nordpfalz versteigert, weil man darin Krebse fangen konnte, so etwa das Höringer Bächlein oder die Appel in ihrem oberen Bereich bis zum Rußmühlerhof. Kam allerdings ein ordentlicher Winter, sind diese kleinen Bäche alle zugefroren und die Krebse darin eingegangen. Oft wurden gerade die kleineren Bäche in heißen Sommern auch als Wasserlieferanten für die angrenzenden Wiesen genutzt. So wird berichtet, dass am Seier, einem kleinen Bach, der vom Heuberg herunterkommt und in Münchweiler in die Alsenz mündet, bis ins 19. Jahrhundert hinein Schließen angebracht waren, mit deren Hilfe er gestaut und das Wasser in die Wiesen geleitet werden konnte. Im Jahre 1739 wurden sogar einmal 850 Klafter Buchenbrennholz aus dem Rockenhausener Eschwald auf der Alsenz und der Nahe nach Gensingen gedriftet, wo großer Mangel an Brennholz herrschte. Dabei wurden einzelne Stämme von Holzknechten begleitet, die mit langen Stangen dafür sorgten, dass das Holz nicht in die Mühlen geriet und sich unterwegs nicht irgendwo verkeilte. Allerdings haben sich Anliegergemeinden im unteren Alsenztal danach sehr beschwert, weil die Stämme doch große Schäden an den Uferböschungen angerichtet hatten. Das sogenannte Baudweilerer Kreuz, das heute an der Abzweigung von der Alsenztalstraße nach Sembach steht, soll früher einmal im Uferrech des Neuwoogs gestanden haben. Um 1500 soll es eine „Flusszoll-Erhebungsmarke“ gewesen sein. Doch für welche Güter hätte man damals auf der nicht schiffbaren Alsenz Zoll erheben sollen, wenn nicht für Holz aus dem nahen Pfälzerwald? Geflößt wurde es wohl bis zur Nahe, vielleicht sogar bis zum Rhein.

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