Donnersbergkreis Umwerfend mit Luft nach oben
Was passiert, wenn Frauen mit Leidenschaft und Kreativität ins Berufsleben treten? Wenn sie die ihnen im familiären und pflegerischen Bereich so gerne zugeschriebenen Kompetenzen zu ihrer beruflichen Selbstverwirklichung nutzen? Das konnten die Besucher des Maimarktes in Göllheim im Haus Gylnheim auf der Messe Unternehmerinnen Donnersbergkreis 2.0 erfahren. Finanzanlagenfachfrau Manuela Baldauf aus Morschheim und die ganzheitliche Gesundheitsberaterin Petra Gänßinger aus Göllheim hatten nach der Premiere im Vorjahr die zweite Unternehmerinnnen-Messe organisiert. Mit 30 Ausstellerinnen sind nun zehn weitere hinzu gekommen. „Ich war 2018 skeptisch, weil das Interesse an Messen im Allgemeinen rückläufig ist. Deshalb bin ich froh, dass wir dieses Mal das Angebot sogar erweitern konnten“, sagte Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller zur Begrüßung. Besonders willkommen hieß er die Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium, Daniela Schmitt. Diese wandte sich an die Ausstellerinnen mit den Worten: „Sie sind starke Vorbilder und Mutmacherinnen, wir brauchen mehr Frauen wie sie. Sie gestalten die Balance von Leben, Familie und Beruf selbst, haben ein unterstützendes Umfeld und sind in einem Netzwerk verbunden.“ Das Frauennetzwerk Donna ist ein regionaler Zusammenschluss von Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen, es finden monatliche Treffen statt. Auffällig: das belebende Miteinander und die freundschaftliche Unterstützung der Teilnehmerinnen untereinander. In ihrem Berufsalltag sind die Fotografin Petra Woll aus Winnweiler und Judith Voigt (Fotogeschäft Bleh in Kaiserslautern) eine Verbindung eingegangen. Voigt entwickelt Wolls Bilder: „Wir drucken sie nicht, wir belichten sie. Das macht einen großen Unterschied.“ Auf der Messe waren die beiden mit Voigts Selfiebox vertreten. „Ich vermiete diesen Partyspaß, mit oder ohne Betreuung.“ Sie bat Besucher, einen Hintergrund auszuwählen, Woll unterstützte sie mit Tipps zur passenden Positionierung. „Wir hatten Spaß beim Organisieren, ich freue mich über jede, die dabei ist“, sagte Manuela Baldauf zur Eröffnung. Und Petra Gänßinger schwärmte: „Wir sind eine Messe von Frauen für Jedermann. Wir sind nicht nur reizend, wir sind umwerfend, wenn man uns lässt. Und wir haben noch Luft nach oben.“ Sie weiß, wieviel Wagemut, Leidenschaft, Ausdauer und Suche nach Nischen ihr Erfolg erfordert. Faszinierend war es, den jeweiligen Werdegang der Unternehmerinnen zu erfahren. Überwiegend kamen sie durch Wendungen oder Brüche zu ihrem jetzigen Erfolg – oder weil sie zufällige Chancen genutzt haben. Manuela Franck aus Winnweiler ist gelernte Fernmeldeelektronikerin und hauptberuflich seit zwölf Jahren als Beraterin für gesunde Tiernahrung selbstständig. Motiviert hatte sie ihre Leidenschaft für Tiere und ihr Unmut über das, was sie über die Inhaltsstoffe konventioneller Tiernahrung erfahren hat, als sie zunächst einen Laden eröffnet hatte. „Keiner hat mich verstanden, als ich meinen gut dotierten Beruf und mein Geschäft aufgab, aber ich wollte nicht mehr lügen.“ Katharina Schneider ist seit einem Jahr nebenberuflich mit „Kati’s Schnullerketten“ tätig. „In der Babypause fiel mir sozusagen die Decke auf den Kopf. Dann hatte ich die Kurzschlussidee mit den personalisierten Schnullerketten und Baby-Accessoires. Wenn’s geht und mir Spaß macht, häkele ich oder stecke zusammen. Ich achte auf sichere, in Deutschland hergestellte Materialien.“ Jetzt habe sie Energie und Leidenschaft genug, um Dreierlei unter einen Hut zu bringen: Kind, eine Halbtagsstelle als Bauzeichnerin und ihren Versand. Beeindruckt zeigte sich auch Landrat Rainer Guth: „Diese Messe ist so prominent geworden, dass ich kommen muss. Meine Frau ist auch Unternehmerin, daher kenne ich den Spagat, den sie leistet. Ich beglückwünsche sie alle. Sie tragen dazu bei, dass unsere Welt weiblicher wird, weil sie Flagge zeigen.“ Der Besucher staunte in der Tat über Flexibilität, Kontaktfreudigkeit, Sorgfalt für eine ansprechende Atmosphäre und Erfindergeist der Ausstellerinnen. „Es kommt nicht nur der Kopf, es kommt ein ganzer Mensch“, lautet die Philosophie der Grünstadter Naturfriseurin Sabine Zimmermann. „Jeder hat mich für verrückt erklärt, aber konventionell zu arbeiten war für mich nicht mehr stimmig.“ Vor zehn Jahren wagte sie den Sprung – mit Erfolg. 2011 hatte Petra Barcykowski einen Teeladen in Alzey übernommen. Die gelernte Erzieherin bekam keine Festanstellung. Jetzt genießt sie es, „schöne Gespräche mit meinen Kunden zu führen. Manchmal überlege ich, welcher Tee passt zu dieser Person. Ich erinnere mich gerne, welche Sorte jemand beim letzten Mal auswählte.“ Mit „ellens-allerlei“ hat Ellen Fahrbach aus Otterberg eine Nische entdeckt. Seit einem Jahr experimentiert sie mit naturbelassenen Essigen und Ölen, vertreibt ihre Kreationen auf Partys: „Meine Essige beziehe ich aus einer kleinen Manufaktur, ich biete sie als Aperitive oder auf Eis an. Ich probiere lange aus und mische Coctails oder Dips, die es sonst nirgendwo gibt.“ Die Messe war am Sonntag so gut besucht, dass die Kuchen der Landfrauen zwei Stunden nach der Eröffnung ausverkauft waren. Wer noch ein Stück ergatterte, saß in unmittelbarer Nähe zum Stand von Iris Schmittinger. Seit 1999 leitet die Göllheimerin einen Mobilen Pflegedienst mit 18 Mitarbeiterinnen und Schülern. Sie steht damit dem größten in der Halle vertretenen Unternehmen vor. Ihr Credo: „Das Hauptproblem ist der Personalmangel, deshalb muss die Politik diesen wunderbaren Beruf massiv aufwerten.“